Komödie | Deutschland 2018 | 116 Minuten

Regie: Markus Goller

Zwei höchst unterschiedliche Brüder, der eine ein schüchterner Tischler, der andere ein oberflächlicher Manager, treffen nach über 30 Jahren Funkstille anlässlich der Beerdigung ihres Vaters im Schwarzwald wieder aufeinander. Trotz Groll und Entfremdung entschließen sie sich, nun eine Idee umzusetzen, den sie als Teenager gehegt haben: auf dem Mofa quer durch Deutschland zu knattern, vom Marktplatz in Löchingen bis zum Timmendorfer Strand an der Ostsee. Unterhaltsames, mitunter sehr komisches Road Movie, das die Versatzstücke des Genres gegen den Strich bürstet und immer wieder mit optischem Slapstick überrascht, ohne die Wunden und Traumata der Vergangenheit aus den Augen zu verlieren. Die lebendig geschriebenen Dialoge werden von den beiden Hauptdarstellern spielfreudig interpretiert. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Markus Goller
Buch
Oliver Ziegenbalg
Kamera
Frank Griebe
Musik
Andrej Melita
Schnitt
Matti Falkenberg · Markus Goller
Darsteller
Lars Eidinger (Christian) · Bjarne Mädel (Georg) · Franka Potente (Ute) · Alexandra Maria Lara (Ingrid) · Sandra Hüller (Tanja)
Länge
116 Minuten
Kinostart
01.11.2018
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie | Road Movie | Tragikomödie
Diskussion

Unterhaltsames Road Movie von Markus Goller über eine Mofa-Fahrt zweier entfremdeter Brüder quer durch Deutschland, das neben optischem Slapstick auch die Wunden der Vergangenheit nicht aus den Augen verliert.

30 Jahre lang haben sie sich nicht mehr gesehen. Aber nun führt die Beerdigung ihres Vaters sie wieder zusammen: Georg und Christian, dargestellt von Bjarne Mädel und Lars Eidinger. Sie sind Brüder und wie so viele Brüder höchst unterschiedlich: bodenständig und zurückhaltend der eine, erfolgreich und extrovertiert der andere. Georg hat das kleine Löchingen im Schwarzwald nie verlassen, er ist Tischler geworden und hat bis zuletzt den kranken Vater gepflegt. Christian hingegen ist Manager, lebt in Singapur und hängt die ganze Zeit am Telefon, um auf Englisch mit seinem Chef zu streiten.

30 Jahre ohne eine Wort – das ist schon ein starkes Stück. Georg ist sauer auf seinen kleinen Bruder, und so braucht es eine durchwachte Nacht in der guten Stube des Elternhauses mit reichlich Alkohol, bis die beiden auftauen. Und dann entdecken Georg und Christian auf dem Dachboden die alte Deutschlandkarte mit Stickern und Notizen. Als Teenager hatten die Brüder den Plan, auf dem Mofa quer durch Deutschland zu knattern, vom Marktplatz in Löchingen bis zum Timmendorfer Strand an der Ostsee. Warum nicht die ausgefallene Reise einfach nachholen, und zwar sofort? Völlig betrunken brechen Georg und Christian noch in derselben Nacht auf, in ihren schwarzen Anzügen, mit den Mofas von damals, die noch in der Scheune standen…

25 Kilometer in der Stunde sind nicht gerade schnell. Doch weil dies ein Road Movie ist und weil in Road Movies der Weg das Ziel ist, mit Pausen und Retardierungen, ist die Idee zwar nicht neu, aber zumindest originell abgewandelt. Mit dem Mofa quer durch Deutschland – das macht durchaus Sinn, weil die Reise sonst – im Gegensatz zur Durchmessung der Weite Amerikas – viel zu schnell zu Ende wäre. Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg, die schon bei „Friendship!“ zusammenarbeiteten, bürsten die Klischees des Genres gegen den Strich. Das beginnt schon mit der ersten Szene: Christian muss mitten im Schwarzwald mit dem Taxi vor einer geschlossenen Schranke warten und kommt, der sturen Verkehrsregeltreue der Taxifahrerin wegen, einfach nicht weiter.

Immer wieder nutzen Goller und Ziegenbalg die unterschiedlichen Stationen, um mit optischem Slapstick zu überraschen und gleichzeitig Erwartungen zu unterlaufen. So beeindrucken die Brüder bei einem Weinfest in der Badischen Bergstraße Alexandra Maria Lara und Franka Potente als Freundinnen mit einer coolen Tanzchoreografie auf offener Bühne, die Nacht zu viert hat dann allerdings ihre Tücken. Köstlich auch ein Tischtennismatch mit Wotan Wilke Möhring als aggressivem Camper, das an Können und Rasanz seinesgleichen sucht – und einen ungeahnten Ausgang nimmt.

Dabei lebt der Film vor allem von der Unterschiedlichkeit der Brüder und der Schauspieler. Bjarne Mädel sieht man die schüchterne Provinzialität seiner Figur sofort an, während Lars Eidinger die Intellektualität seiner frühen Rollen ablegt und den oberflächlichen Karrieristen heraushängen lässt. Dabei geht es auch um die Wunden und Traumata der Vergangenheit, um zwei Brüder, die ihre Entfremdung überwinden müssen, um verpasste Lebenschancen, um Vorwürfe, um Neid und Eifersucht, um Wiedergutmachung, vielleicht auch um einen Neuanfang. Während Georg noch immer für seine Jugendliebe, gespielt von Sandra Hüller, schwärmt, hat Christian in Berlin einen unehelichen Sohn, den er noch nie gesehen hat. Auch hierfür findet der Film Lösungen, in lebendig geschriebenen Dialogen, die mal den Ernst des Lebens verhandeln, dann wieder urkomisch sind. Nicht jeder deutschen Komödie gelingt das.

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