Der Nussknacker und die vier Reiche

Abenteuerfilm | USA 2018 | 100 Minuten

Regie: Lasse Hallström

Ein opulent ausgestatteter, weihnachtlicher Disney-Fantasyfilm frei nach Motiven von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ und Pjotr Iljitsch Tschaikowskis darauf beruhendem Ballett-Klassiker. Die Geschichte um ein junges Mädchen, das auf den Spuren des Vermächtnisses seiner verstorbenen Mutter in eine märchenhafte Anderwelt gerät, einen tapferen Nussknacker-Soldaten zum Freund gewinnt und in einen bevorstehenden Krieg verwickelt wird, den drei Reiche gegen ein vermeintlich von einer Schurkin geführtes viertes Reich ausfechten, entfaltet sich jedoch ohne jeden Funken von Originalität. Zu unterhalten vermag der Film nur durch seine grandiosen Schauwerte und gut gelungenen Referenzen ans Ballett. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
THE NUTCRACKER AND THE FOUR REALMS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Lasse Hallström · Joe Johnston
Buch
Ashleigh Powell
Kamera
Linus Sandgren
Musik
James Newton Howard
Schnitt
Stuart Levy
Darsteller
Keira Knightley (Zuckerfee) · Mackenzie Foy (Clara) · Morgan Freeman (Drosselmeyer) · Ellie Bamber (Louise) · Helen Mirren (Mother Ginger)
Länge
100 Minuten
Kinostart
01.11.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Abenteuerfilm | Familienfilm | Fantasyfilm
Diskussion

Opulent ausgestattet, aber inhaltlich dafür ziemlich dürftig: Disneys Weihnachtsspektakel frei nach Motiven aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Der Nussknacker und der Mäusekönig" und Tschaikowskis darauf beruhendem Ballett.

 

London um 1900. Draußen strahlt die Weihnachtsbeleuchtung in den verschneiten Straßen entlang der Themse. Es ist wirklich eine stille Nacht, aber auch eine kalte. Und so strömt das Londoner Großbürgertum rasch nach Hause zum heiligen Fest. Drinnen spielt derweil die clevere Halbwaise Clara (Mackenzie Foy), die ein Faible für Physik und Technik hat, auf dem Dachboden. Gerade erst hat sie zusammen mit ihrem Bruder eine selbstkonstruierte Mäusefalle getestet, als die Haushälterin in den repräsentativen Speisesaal nach unten bittet. Denn es ist Heiligabend und das bedeutet Familienzeit. Claras Vater (Matthew Macfadyen) erwartet sie schon mit dem ersten Weihnachtsgeschenk, das von ihrer jüngst verstorbenen Mutter Marie stammt. Zurückgezogen in ihrem Zimmer öffnet das Mädchen mit der Porzellanhaut schließlich die kleine Präsentschachtel, die ein kunstvoll verziertes Ei aus Kupfer und Silber enthält. Offensichtlich wird es mechanisch betrieben, doch es lässt sich nicht öffnen, und einen passenden Schlüssel kann Clara nirgends finden. Was soll das für ein Präsent sein? Und wieso steht auf der beiliegenden Karte, dass dieses sonderbare Ei im Inneren alles enthält, was Clara für sich und ihr Leben braucht?

Eher widerwillig folgt sie später ihrem Vater und den Geschwistern zur opulenten Weihnachtsfeier ihres Patenonkels Drosselmeyer (Morgan Freeman), einem berühmten Londoner Erfinder. Mehr durch Zufall als durch eigenes Geschick entdeckt sie in dessen technischer Wunderkammer den ersehnten Schlüssel, als plötzlich eine Maus auftaucht und ihr diesen vor der Nase wegschnappt. Während der Verfolgungsjagd landet das Mädchen in einer rätselhaft-mysteriösen Wunderwelt: dem Land der Schneeflocken, der Blumen und Süßigkeiten sowie einem seltsamen „Vierten Reich“, das von der tyrannischen Mutter Ingwer (Helen Mirren) regiert wird.

Der Weihnachtszauber will nicht so recht zünden

Im Widerstreit mit der überkandidelten Zuckerfee (Keira Knightley) naht auch in dieser prächtig ausgestatteten Disney-Produktion, eine Art Sequel zu E.T.A. Hoffmanns „Der Nussknacker und der Mäusekönig“ sowie zu Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Ballett-Klassiker „Der Nussknacker“, der nächste Krieg. Während die janusköpfige Zuckerfee bereits ihr Zinnsoldatenheer in Stellung bringt, schlägt sich Clara kurzerhand auf die Seite des „Vierten Reichs“, das eine Mäusearmee rekrutiert und im nahenden Kampf durch herrlich animierte sowie mitunter bizarr agierende Harlekin-Figuren ergänzt wird. Was in dem dramaturgisch überaus vorhersehbaren Drehbuch mit geringen Ambivalenzen und bar jeder Überraschung folgt, zählt nicht zu den Glanztaten des Major-Studios. Trotz einiger bombastischer CGI-Landschaften, wozu die lebendige Zirkuswelt von Mutter Ingwer oder der im russischen Zuckerbäckerstil erbaute Wasserpalast zählen, fehlt der wenig variantenreichen Regie von Lasse Hallström und Joe Johnston das rechte Feuer, um auf der Leinwand Weihnachtszauber zu entfachen. Die rein aufs Visuelle setzende Inszenierung erweist Hoffmann und Tschaikowski zwar immer wieder liebevolle Referenzen. Doch als eigenständiger Kinostoff, der sich unverblümt bei anderen Werken bedient (von „Der Herr der Ringe“-Trilogie über den „Chroniken von Narnia“-Zyklus bis hin zu Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ oder den Fantasien von Jules Verne) kann „Der Nussknacker und die vier Reiche“ nur partiell überzeugen.

Auch die FSK-Freigabe ab 0 Jahren erscheint angesichts mehrerer gruseliger Einstellungen mit dem Mäusekönig sowie der martialischen Zinnsoldatenarmee und einer Reihe seltsam sexistischer Anspielungen mehr als fragwürdig. Arg viel mehr als ein Versuch, mit Hoffmann und Tschaikowski sowie der Unterstützung musikalischer Weltstars (Lang Lang am Piano, Gustavo Dudamel mit dem Taktstock sowie Andrea Bocellis anrührendem Gesang) ein galantes Pas de deux zu tanzen, kommt dabei nicht heraus. Einige opulente Sequenzen aber reichen bei Weitem nicht für ein abendfüllendes Filmballett.

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