Operation: Overlord

Actionfilm | USA 2018 | 110 Minuten

Regie: Julius Avery

US-amerikanische Fallschirmspringer landen 1944 hinter den deutschen Linien in Frankreich, um einen Turm zu sprengen und die Landung der Alliierten vorzubereiten. Dabei entdecken sie das Labor eines irren deutschen Wissenschaftlers, der unsterbliche Soldaten für das Nazi-Reich erschafft. Die mit beträchtlichen Mitteln realisierte Mischung aus Kriegs- und trashigem Horrorfilm voller bizarrer Figuren, Bilder und Schreckmomente huldigt nicht nur dem Zombie-Genre, sondern bedient sich großflächig beim Motiv-Arsenal von B-Pictures und Actionfilmen und fackelt ein ebenso irrwitziges wie unterhaltsames Feuerwerk an Spannungs- und Schreckmomenten ab. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
OVERLORD
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Julius Avery
Buch
Billy Ray · Mark L. Smith
Kamera
Laurie Rose · Fabian Wagner
Musik
Jed Kurzel
Schnitt
Matt Evans
Darsteller
Wyatt Russell (Sgt. Ford) · John Magaro (Tibbet) · Pilou Asbæk (Dr. Wafner) · Mathilde Ollivier (Chloe) · Jovan Adepo (Pvt. Boyce)
Länge
110 Minuten
Kinostart
08.11.2018
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Actionfilm | Horrorfilm
Diskussion

Nazi-Zombies gelten eigentlich als eigene Unterabteilung im Schundkino. Seit Jörg Buttgereits „Blutige Exzesse im Führerbunker“ (1982), einem Klassiker dieses Genres, sind sie auch in der deutschen Filmgeschichte präsent. Die Grundidee besteht darin, dass die Nazis von den Toten auferstehen, aber in einer angemessenen Form: als blutverschmierte Zombies. Bislang waren solche Filme regulärer Bestandteil von Fantasy- oder Horror-Festivals, doch allmählich finden sie auch Anklang im Mainstreamkino. „Operation: Overlord“ von Julius Avery mischt ein Kriegsabenteuer über den D-Day mit diesem Thema.

Es beginnt bombastisch. Üppige Totalen, Flotten von Schiffen im Meer und von Flugzeugen am Himmel, alle unterwegs Richtung Normandie. Der Filmtitel „Operation: Overlord“ zitiert den Decknamen für die Landung der Alliierten an der französischen Küste im Juni 1944. Exakt diese Geschichte erzählt auch der Film, allerdings etwas abgewandelt, denn Avery deckt darin ein paar Geheimnisse auf, die der Geschichtsschreibung bislang entgangen sind.

Das passiert allerdings erst spät. Zunächst sieht man abwechselnd die Weite des Nachthimmels und die Enge im Innern eines US-Bombers. Man ist mitten in einem Kriegsfilm, der sich wie großes Actionkino geriert. Die Kamera widmet sich den Insassen des Fliegers, rückt ihre verkrampften Hände oder unruhigen Augen ins Bild, damit man merkt, dass sie nicht glücklich sind über ihre Situation. Sie müssen gleich über Frankreich mit dem Fallschirm abspringen, und statt Erfahrung besitzen sie höchstens Großspurigkeit, um ihre Angst zu kaschieren.

Einer der jungen Soldaten ist der Afroamerikaner Boyce. Er wird von den anderen gehänselt, was implizit klar macht: Jetzt ist er noch ein Underdog, aber bald wird er den Film anführen. Mit dem Soldaten Ford verhält es sich etwas anders: Zunächst ist er ein unnahbarer Sprengstoffexperte, der für sein blondes Surferhaar bewundert wird, doch später wird auch er den Film anführen. Ford wird von Wyatt Russell gespielt, der dem an visuellen Attraktionen reichen Film ein zusätzliches Highlight vermittelt, das der aufmerksamen Betrachtung lohnt.

Eine fantastische Sequenz lang ist der Himmel voller brennender Flieger, bis auch der US-amerikanische Bomber abgeschossen wird. Boyce und Ford landen unversehrt auf französischen Boden, was nur wenigen aus ihrer Mannschaft vergönnt ist. Die Soldaten finden ein Dorf und eine Helferin namens Chloé, die sie auf ihrem Speicher versteckt. Dann treten die ersten Nazis auf. Der Offizier Wafner beispielsweise, der Chloé sehr höflich vergewaltigen möchte. Parallel zu den Nazis erscheinen auch die ersten Zombies am Bildrand, zumindest eine zombieähnliche Tante von Chloé, die jederzeit in der Lage ist, das Kinopublikum aus den Sitzen zu schrecken. Mit ihr kommt das Horrorgenre auf die Leinwand; die Jump-Scares hören nie mehr auf, dafür zieht die Geschichte sich auf Klischees zurück.

Es sind aber gar keine richtigen Zombie-Klischees, die hier zusammengestellt werden, sondern eine Mischung aus allem, was genretypisch tödliche Gefahr verheißt: ein „Mad Scientist“, der im Dienst der Nazis experimentiert, Labore voll mit Körperflüssigkeiten, ein Serum, das Tote zum Leben erweckt und Lebende wahnsinnig macht, unbesiegbare Soldaten aus der Retorte. Regisseur Avery holt eine ganze Ladung bekannter Motive aus dem Arsenal der B-Pictures und der Actionknaller und setzt sie möglichst fantasievoll ins Bild. Dazu übernimmt er ein paar sanftere Zitate aus der Filmgeschichte – Soldaten als Kavaliere, kleine Jungs mit großer Anhänglichkeit –, die auch eine romantische Ebene ins Spiel bringen. Das mildert das Getöse der Nazi-Zombie-Ideen angenehm ab.

Diese Ideen werden von den US-Soldaten nach und nach entdeckt, während sie ihrer Mission nachgehen, die den Alliierten die Landung ermöglichen soll. Dazu müssen sie einen schwer bewachten Turm sprengen, was raffinierte Methoden des unerkannten Eindringens erfordert. Andererseits sind Boyd und Ford häufig abgelenkt durch die bizarren Experimente, derer sie in den Gewölben unter dem Turm gewahr werden. Während Ford ein brutales Blutbad nach dem anderen durchlebt, wandert Boyce sehr lang mit großen Augen herum und staunt über all den futuristischen Irrsinns, den der Film auffährt. Genre-Aficionados könnten jetzt sagen: Kennen wir, haben wir schon besser gesehen. Und Zyniker den US-Patriotismus beklagen, den die Figuren stolz auf ihrem Scheitel tragen. Aber wenn man mit einem Gruselfilm Spaß haben will, dann kann man das mit „Operation: Overlord“ trotzdem ziemlich gut.

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