Komödie | USA 2018 | 112 Minuten

Regie: Malcolm D. Lee

Ein afroamerikanischer Grill-Verkäufer will Börsenmakler werden und besucht heimlich die Abendschule an seiner ehemaligen High School, um den Abschluss nachzuholen. Mit seinem losen Mundwerk eckt er überall an; zudem macht ihm der Schuldirektor das Leben schwer, doch eine Lehrerin hilft ihm, mit seinen Eigenheiten klarzukommen. Die prominent besetzte US-Komödie bedient zunächst Klischees und Geschmacklosigkeiten, entfaltet dann aber durch die Charaktere der Abendschüler genug Exzentrik, um mit überdrehter Albernheit alle Fesseln abzustreifen, ohne sich die Sympathien zu verscherzen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
NIGHT SCHOOL
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Malcolm D. Lee
Buch
Kevin Hart · Harry Ratchford · Joey Wells · Matthew Kellard · Nicholas Stoller
Kamera
Greg Gardiner
Musik
David Newman
Schnitt
Paul Millspaugh
Darsteller
Kevin Hart (Teddy Walker) · Tiffany Haddish (Carrie) · Rob Riggle (Mackenzie) · Taran Killam (Stewart) · Romany Malco (Jaylen)
Länge
112 Minuten
Kinostart
15.11.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

Prominent besetzte US-Komödie mit exzentrischen Figuren, die ihren High-School-Abschluss nachholen wollen.

In der ersten Viertelstunde rutscht man sehr tief in den Kinosessel, nicht direkt aus Vergnügen. Auf der Leinwand tobt ein Angeber herum, mit allen Eigenschaften, die Angeber angeblich so lustig machen. Er ist laut, redselig, streitsüchtig, dumm. Im Fall von „Night School“ als afroamerikanische Variante, ein junger Schwarzer namens Theodore Walker (gespielt von dem Comedian Kevin Hart), aber das ändert nur den Slang. Unterhaltsam ist nichts, denn wo bleibt der Witz, wenn ein Junge am Abend vor seiner Abschlussprüfung nicht sicher ist, wie man seinen eigenen Name buchstabiert? Obwohl man im Test tatsächlich schon Punkte bekommt, wenn man seinen Namen richtig aufs Papier schreibt.

Walker jedenfalls schmeißt am Morgen der Prüfung die Schule, nicht ohne die übliche Rede, dass er in der Schule des Lebens gut genug sei, um Bildung problemlos durch Geld zu ersetzen. Dann geht es 17 Jahre später weiter, im Porsche-Cabrio auf Ratenzahlung, schicker Freundin und einem Job als Verkäufer. Darüber spricht Teddy eher wenig, weil Verkäufer sein, selbst Verkäufer-des-Monats, doch nicht ganz so glanzvoll ist, wie er sich selbst gerne inszeniert.

Flucht aus der Hühnerbraterei

Doch wenn Teddy nachts in dem Baumarkt, in dem er arbeitet, seiner Freundin einen Heiratsantrag zwischen 15 brennenden Gasgrills macht, gewinnt die Komödie an Format. Walkers Lebensplan erleidet Rückschläge, er braucht einen neuen Job. Ohne Schulabschluss sind die Optionen aber nicht berauschend. Zunächst kommt Teddy in einer christlichen Hühnerbraterei unter. Dort muss er sich als Hahn verkleidet an den Highway stellen, um Kunden zu fangen; jede Stunde wird gebetet. Um das auf lange Sicht zu vermeiden, beschließt Teddy, das titelgebende Thema anzugehen: die Abendschule.

Natürlich gibt es so einen Night-School-Kurs nur in Teddys ehemaliger Highschool. Dass der verachtete Klassenbeste von damals jetzt Direktor ist, macht die Sache nicht einfacher. Vor allem nicht, weil Teddy, dem ein kurzer Betrug mehr zusagt als langer Unterricht, sich das Abschlusszeugnis eigentlich kaufen will. Direktor Stewart aber, immer noch ein Streber, denkt nicht daran, sich korrumpieren zu lassen; er sieht vielmehr die Stunde seiner Rache gekommen. Teddy wird abgeschmettert und ausgelacht; er kann froh sein, dass er überhaupt noch für die Night School zugelassen wird. Auch der Zuschauer kann froh sein, denn jetzt beginnt der exzentrische Part: der mit den Abendschülern.

Lob der Albernheit

Die Runde der Gescheiterten, die sich in der Klasse von Miss Carrie trifft, ist erstaunlich. Walker bleibt zwar ein elender Schwätzer; eine junge Schulabbrecherin und ein dicker weißer Strafgefangener, der über Skype zugeschaltet wird, sind die Normalen. Zu den anderen gehören ein Mann, der an eine Verschwörung der Roboter glaubt, die Hausfrau, die nur über Sex redet, der Riese, dem niemals ein zusammenhängender Satz gelingt. Kombiniert mit der Lehrerin, die metaphorisch auf das Unterrichtskonzept „Gewalt hilft“ ausweicht, entsteht hier eine so absurde, befreiende Albernheit, dass man jede Distanz verliert. Und Regisseur Malcolm D. Lee macht zum Glück kaum Anstalten, den Plot auf ernsthaftes Terrain zurückzuführen.

Die Geschichte überschlägt sich vor Übermut, es werden Elternabende sabotiert, die Formelsammlung neu erfunden, Tanz-Battles angezettelt, zwischendurch streift der Film die Fesseln des Raum-Zeit-Kontinuums ab und die der Logik gleich mit. Trotzdem haben die Protagonisten am Ende begriffen, was Eltern oder Lehrer ihren Kindern über Schuljahre hinweg einzutrichtern versuchen: sie lernen. Sie lernen Mathe und Loyalität, Mut und Geschichte, Bio und Respekt. Das ist dann das übliche Wunder der US-amerikanischen Komödie, dass sie zu einem didaktischen Ende finden kann, ohne sich die Sympathien zu verscherzen.

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