Drama | Kanada 2018 | 95 Minuten

Regie: Jonathan Sobol

Ein Kleinganove gibt sich in einem kleinen kolumbianischen Dorf als Pastor aus, als ihm ein pensionierter US-Marshal auf die Spur kommt. Auf seiner Flucht trifft er auf ein 16-jähriges Mädchen, das sich dem Gauner anschließt, dabei aber auch ihre eigenen Ziele verfolgt. Mit Elementen des Road Movies, des Thrillers und des Dramas stellt der Krimi das ungleiche Duo in das Zentrum der Geschichte, die weniger auf eine überraschende Dramaturgie als vielmehr auf das gelungene Zusammenspiel der Protagonisten und eine kurzweilige Inszenierung setzt. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
THE PADRE
Produktionsland
Kanada
Produktionsjahr
2018
Produktionsfirma
Darius Films
Regie
Jonathan Sobol
Buch
Stephen Kunc
Kamera
Paul Sarossy
Musik
Grayson Matthews
Schnitt
Bryan Atkinson
Darsteller
Tim Roth (Padre) · Valeria Henríquez (Lena) · Nick Nolte (Nemes) · Luis Guzmán (Gaspar) · Juana Arboleda (Mariana)
Länge
95 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Krimi | Road Movie
Externe Links
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Heimkino

Verleih DVD
Sony (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion

Eine gelungene Mischung aus Thriller, Roadmovie und Drama: Zwei Cops (Nick Nolte, Luis Gúzman) jagen ein ungleiches Duo, bestehend aus Tim Roth und einem jungen Mädchen.

Unterschiedlicher könnten sie kaum sein: Auf der einen Seite Padre (Tim Roth), ein abgeklärter und einzelgängerischer Hochstapler, auf der anderen Seite die 16-jährige Lena (Valeria Henríquez), eine quirlige und voller Tatendrang sprudelnde Jugendliche. Ihre Wege kreuzen sich in einem kleinen Dorf in Kolumbien, wo sich der nur als Padre bezeichnete Protagonist als Pastor ausgibt, sich gleichzeitig jedoch auch auf der Flucht befindet. Der pensionierte US-Marshall Nemes (Nick Nolte) sucht den eigentlich unbedeutenden Gauner zusammen mit dem einheimischen Polizisten Gaspar (Luis Guzmán) und macht ihn schließlich in dem kleinen Dorf ausfindig. Als sie kurz davor sind, den Kleinkriminellen zu fassen, gelingt diesem jedoch mit einem gestohlenen Fahrzeug erneut die Flucht. Dabei hat er die Rechnung ohne Lena gemacht, die von der Fahndung und der ausgesetzten Belohnung Wind bekommen und sich an die Fersen von Padre geheftet hat. Da sie ihm in Sachen kleinkrimineller Energie in nichts nachsteht, erpresst sie ihn kurzerhand und begleitet ihn schließlich.

Die Dynamik eines ungleichen Duos

Die Flucht durch das Land erinnert an ein Road Movie, die Jagd von Nemes auf Padre bedient Formen des Thrillers, die Figuren und ihre Schicksale erinnern an ein Drama: „Padre“ vereint Elemente verschiedener Genres und fügt sie so gekonnt wie unterhaltsam zusammen. Vor allem mit dem Zusammentreffen des ungleichen Duos gewinnt der Film viel Dynamik. Mit ihrer frischen, lebendigen und cleveren Art stößt Lena auf wenig Gegenliebe bei Padre, der sie am liebsten an der nächsten Ecke stehen lassen würde.

Die lässt sich nicht nur nicht abschütteln, sondern verfolgt noch ihre ganz eigenen Pläne: Als Kind wurde die Waise von ihrer jüngeren Schwester getrennt, die mittlerweile in Minnesota lebt. Neben dem großen Wunsch des Wiedersehens plant sie einen Coup, der sich gegen die Kirche richtet und damit gegen den Verantwortlichen für ihr Heimleben als Kind sowie die schmerzhafte Trennung von ihrer Schwester. Daneben steht mit Padre eine Figur, die nicht nur vor dem Marshall flieht, sondern ebenso mit den Folgen ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat. Tim Roth wirkt dabei ebenso ausdrucksstark wie sein Gegenspieler Nick Nolte, dessen Rachefeldzug gegen Padre einen persönlichen Hintergrund hat.

Inszenatorisches Gespür fürs Detail

Auf welches Ende die Erzählung schließlich hinaussteuert, lässt sich durchaus im Laufe der Handlung erahnen. Der Unterhaltung und der Spannung tut dies kaum einen Abbruch. Die wenigen, jedoch kurzweilig inszenierten Actionszenen reihen sich an humorvollere Dialoge und werden von einer schönen Kinematographie eingefangen: Farbenfrohe, weite Landschaften und nicht weniger bunte, kleine Dörfer prägen das Bild, das so etwas wie Sehnsucht ausstrahlt und damit dem Innenleben der 16-Jährigen sehr nahe kommt. Daneben streift der Film immer wieder die soziale Situation der Menschen in dem Land. So eckt Nemes mit seiner Art immer wieder an, woraufhin Gaspar die Situationen klären muss. Padre hingegen verschaffen seine Zurückhaltung und allein die Tatsache, dass er weiß ist, einen Freifahrtsschein, wie Lena einmal – durchaus zu Recht – behauptet. Letztlich sind es neben dem erfrischenden und sympathischen Spiel von Valeria Henríquez, den teils malerischen Bildern eben auch solche vermeintlich kleinen Aspekte, die den Film trotz der einfachen Prämisse kurzweilig und sehenswert machen.

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