Tabaluga - Der Film

Abenteuerfilm | Deutschland 2018 | 90 Minuten

Regie: Sven Unterwaldt jr.

Computeranimierte Kinoadaption der Abenteuer des kleinen grünen Drachens Tabaluga, der seit 1983 schon Held mehrerer Alben, Fernseh- und Bühnenformate war. Die Geschichte orientiert sich am dritten Konzeptalbum „Tabaluga und Lili“ und erzählt vom Verlust der Eltern und wie Tabaluga allmählich lernt, wie ein Drache zu fliegen und Feuer zu speien. Der tricktechnisch gelungene Animationsfilm überzeugt durch markante Synchronstimmen und bekannte Songs. Allerdings werden die Erzählung von Liebe und Freundschaft und der Kampf Gut gegen Böse recht undifferenziert entfaltet; die allzu perfekten Bilder wirken oftmals klinisch und steril. - Ab 6.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Sven Unterwaldt jr.
Buch
Toby Genkel · Gerrit Hermans · Marco Petry · Hortense Ullrich · Peter Maffay
Musik
Peter Hinderthür
Schnitt
Nana Novosad
Länge
90 Minuten
Kinostart
06.12.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 6.
Genre
Abenteuerfilm | Animationsfilm | Familienfilm | Fantasyfilm | Kinderfilm
Diskussion

Erstes Kinoabenteuer des kleinen grünen Drachens Tabaluga als tricktechnisch gelungener, in der Erzählung vom Kampf Gut gegen Böse und von Liebe und Freundschaft aber eher vorhersehbarer Computeranimationsfilm.

Seit 35 Jahren sorgt der kleine grüne Drache Tabaluga für leuchtende Augen bei Kindergartenkindern und deren Erziehungsberechtigten. Die Erfindung des Rockmusikers Peter Maffay, an deren Entwicklung unter anderem der Kinderliedermacher Rolf Zuckowski und der Illustrator Helme Heine beteiligt waren, machte vor allem als Bühnenshow nebst Konzeptalben sowie als Fernsehserie und in anderen TV-Formaten von sich reden. Jetzt hat sich Regisseur Sven Unterwaldt der Marke angenommen und ein Animationsabenteuer für die große Leinwand entwickelt. Dabei war es ihm wichtig, „den Film im Geiste des Erfinders“ zu realisieren. Das Ergebnis ist eine Art „Best of Tabaluga“, ein Musical mit komödiantischen wie dramatischen Elementen.

Inhaltlich orientiert sich das als federleichtes Family-Entertainment ausgerichtete Werk am dritten Konzeptalbum „Tabaluga und Lili“ (1994). Analog zu Klassikern wie „Heidi“ oder „Bambi“, in denen die Protagonisten zu Beginn ein Elternteil durch Tod verlieren oder verloren haben, beginnt auch hier das Abenteuer mit einem Verlust, in diesem Fall sogar von Vater und Mutter. In der Folge versucht der heranwachsende Drache in seiner beschaulichen Heimat Grünland das Fliegen und das Feuerspeien zu lernen. Aber erst als Tabaluga sich auf die gefährliche Reise nach Eisland macht und der schönen Prinzessin Lili begegnet, kommt er seinen Zielen näher. Durch die Macht der Liebe gewinnt er Stärke und Selbstbewusstsein, wodurch er endlich seine Flügel aktivieren, das Feuer in sich entfachen und sich so dem mächtigen Herrscher von Eisland entgegenstellen kann.

Eigenständigkeit entsteht vor allem durch die Sprecher

„Tabaluga – Der Film“ erzählt eine nicht wirklich originelle Geschichte von Liebe und Freundschaft und vom Kampf Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß, der wenig differenziert abgehandelt wird. Die einzelnen Figuren entwickeln dafür eine gewisse Einzigartigkeit, die vor allem über ihre herausragenden Synchronsprecher definiert wird, allen voran Heinz Hoenig, der mit seinem leichten Zungenschlag und der krächzenden Stimme dem eisigen Arktos einen Mix aus abgrundtiefer Boshaftigkeit und irrsinniger Lächerlichkeit verpasst. Ebenfalls erwähnenswert ist Rick Kavanian. Er verwandelt den Eisbären Limbo in einen herzensguten, brummelig-tollpatschigen Charakter, den man einfach gernhaben muss. Während Michael Bully Herbig als „komischer“ Glückskäfer Bully und Katharina Thalbach als weise Schildkröte Nessaja solide Leistungen abrufen, überzeugen Wincent Weiss als Tabaluga und Yvonne Catterfeld als Lili eher durch gesangliche Qualitäten. Ihr zuckersüßes Duett „Ich fühl wie du“ vor romantisch-kitschigem Wasserfall dürfte auch bei den Älteren manches Herz zum Schmelzen bringen.

Langjährige Tabaluga-Fans kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn Peter Maffay wird mit drei Songs, die er selbst interpretiert, Tribut gezollt („Es lebe die Freundschaft“, „Zwischen den Welten“, „Ich wollte nie erwachsen sein“). Die tricktechnische Umsetzung, die in Deutschland, Kanada und China stattfand, kann sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Die Grünland-Farben sind kräftig und satt und stehen damit in schönem Kontrast zum Grau und Weiß der Eisland-Welt, die Bewegungen, Gestiken und Mimik der Figuren sind flüssig und wirken ebenso natürlich wie Regentropfen oder Schneeflocken sowie die Verfolgungsjagden durch den Eiskanal. Allerdings hat diese Perfektion auch einen gewaltigen Haken. Denn die Bilder wirken bisweilen klinisch-steril und leblos. Auf diese Weise fehlt es „Tabaluga“ oftmals an Wärme, Herz und Seele.

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