Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte

Dokumentarfilm | Deutschland 2018 | 94 Minuten

Regie: Oliver Schwabe

In Köln und Umgebung ist Jürgen Zeltinger eine Kultfigur. Anfang der 1980er-Jahre schaffte er es mit kölschem Punk-Rock in die Konzerthallen und ins Fernsehen. Heute lässt es der schwergewichtige 69-Jährige, der früher für allerlei Exzesse auf und jenseits der Bühnen berüchtigt war, bedeutend ruhiger angehen. Der formal eher konventionelle Film porträtiert den Musiker, wobei er neben ihm auch zahlreiche Weggefährten zu Wort kommen lässt und viele Konzertmitschnitte von damals und heute einbindet. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Oliver Schwabe
Kamera
Nikolas Jürgens
Schnitt
Christian Becker
Länge
94 Minuten
Kinostart
07.02.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm | Musikdokumentation
Diskussion

Dokumentarfilm über den Kölschen Punkrocker Jürgen Zeltinger, der in den 1980er-Jahren eine von Alkohol und Drogen umnebelte Kultfigur war, es inzwischen aber etwas ruhiger angehen lässt.

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Anfang der 1980er-Jahre turnt ein stämmiger Typ mit Schnauzer, blankem Oberkörper und Bierflasche auf der Bühne eines verrauchten Kölner Clubs herum und brüllt eine Punk-Version von „Mein Vater war ein Wandersmann“ ins Mikrofon. Knapp 40 Jahre später sitzt Jürgen Zeltinger im Garten eines bescheidenen Bungalows in einer Vorstadtsiedlung und füttert seine Koi-Fische.

Manchem Insider dürfte angesichts dieser Bilder spontan die Frage rausrutschen: „Wie, der lebt noch?“ Jürgen Zeltinger ist zwar erst 69, aber sein legendärer Lebenswandel in früheren Jahrzehnten, der von Alkohol-Exzessen und anderen Drogen geprägt war, ließ eine eher kürzere Lebenserwartung befürchten. Auf Nachtleben habe er heute keinen Bock mehr; auch Saufen gehe er nur noch selten, sagt Zeltinger auf seinem heimischen Sofa. Stattdessen zockelt der beleibte Mann lieber auf seinem E-Scooter durch die Gegend und hält vor dem Café ein Schwätzchen mit Rentnern. Doch Musik macht er noch immer. Alle paar Jahre bringt er eine neue Platte heraus; mit der „Zeltinger Band“ gibt er hin und wieder auch Konzerte in den Clubs der Umgebung.

Sympathische Reminiszenzen an wüste Tage

Der Dokumentarfilm von Oliver Schwabe porträtiert den Altrocker mit unverhohlener Sympathie und lässt neben ihm auch zahlreiche Weggefährten aus seinen wüsten Jahren zu Wort kommen. „Er war ein wilder Bursche“, sagt der Schauspieler Heiner Lauterbach und erinnert sich an die Zeit, als er mit Zeltinger in Paris Straßenmusik gemacht hat. „Immer nur so lange, bis es für zwei Flaschen Whisky reichte.“ Ein anderer Kumpel sagt: „Der hatte ’ne ziemlich kurze Zündschnur.“ Wenn Zeltinger etwas nicht in den Kram passte, ließ er schon mal die Fäuste sprechen. Und ihm passte damals vieles nicht in den Kram. Wolfgang Niedecken drückt es mit einem Lächeln eher diplomatisch aus: „Er war übel beleumundet.“

Die Stärken des Films sind neben der Offenheit des Protagonisten, der unverblümt von seinen Exzessen, der Kindheit mit einem prügelnden Vater und seiner Homosexualität erzählt, die vielen privaten Archivbilder. Darunter nicht nur Backstage-Sequenzen im Delirium oder Bewegtbilder eines privaten Kalifornien-Trips im Wohnmobil, zusammen mit dem Schauspieler Christian Kahrmann, sondern auch Szenen von Gelagen aus Zeltingers legendärem Penthouse-Appartement, das er sich neben einer Rolex von seinem ersten Plattenvertrag leistete. Die Kölsche Rock-Ikone besaß, bei allem Drang zum Anecken, einmal so etwas wie eine Karriere, wie zahlreiche Ausschnitten aus Fernsehsendungen und Videos belegen.

Vom Punk-Rocker zum Koi-Halter

Heute bleibt Zeltinger als Statussymbol nur noch das Kennzeichen an seinem betagten Benz-Kombi: K-JZ 1949, wobei die Zahl für sein Geburtsjahr steht. Das Porträt wartet überdies mit einer Vielzahl an Konzert-Mitschnitten aus der Vergangenheit wie aus der Gegenwart auf. Unter dem Strich ist der nach einem Zeltinger-Hit aus dem Jahr 1981 benannte Film ein zwar konventionell gestricktes, aber durchaus bewegendes Porträt eines Punkrockers, der auf seine alten Tage zum Koi-Halter wurde.

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