Biopic | Deutschland/Großbritannien/Irland 2018 | 120 Minuten

Regie: Marcus H. Rosenmüller

Nach Erlebnissen des Fußballers Bernhard Carl „Bert“ Trautmann (1923-2013) inszenierte Heldengeschichte über einen Fallschirmjäger der Wehrmacht, der in britischer Gefangenschaft als Torwart entdeckt und 1949 sogar von Manchester City verpflichtet wurde, sehr zum Unwillen der englischen Fans. Durch seine Leistung im Cup-Finale 1956 im Wembley-Stadion wurde Trautmann jedoch zur Legende. Die aufschlussreiche, wenngleich etwas zu nostalgische Biografie zeichnet das Bild eines Menschen, der nicht nur durch seine sportlichen Verdienste, sondern auch als Botschafter ehemals verfeindeter Staaten von sich reden machte. In der Titelrolle überzeugend gespielt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Großbritannien/Irland
Produktionsjahr
2018
Regie
Marcus H. Rosenmüller
Buch
Nicholas J. Schofield · Marcus H. Rosenmüller
Kamera
Daniel Gottschalk
Musik
Gerd Baumann
Schnitt
Alexander Berner
Darsteller
David Kross (Bert Trautmann) · Freya Mavor (Margaret) · John Henshaw (Jack Friar) · Harry Melling (Sgt. Smythe) · Gary Lewis (Jock Thompson)
Länge
120 Minuten
Kinostart
14.03.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Biopic | Drama | Liebesfilm | Sportfilm
Diskussion

Biografischer Film über das Leben des Torwarts Bernhard Carl „Bert“ Trautmann (1923-2013), der als ehemaliger deutscher Kriegsgefangener bei Manchester City landete und zur Versöhnung der verfeindeten Nationen beitrug.

Karl-Heinz Schnellinger gilt als der erste deutsche Fußballer, der Anfang der 1960er-Jahre das Land verließ und für einen ausländischen Verein spielte. Doch es gibt einen anderen Sportler, dem das noch früher gelang, nämlich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Bernhard Carl „Bert“ Trautmann (1923-2013). Dies ist seine Geschichte. Der in Bremen geborene Fußballer kämpfte als Wehrmachtssoldat zuerst an der Ost- und später an der Westfront, bis der er als Kriegsgefangener in der Nähe von Manchester landete. Dort entdeckte ihn Jack Friar, der Coach des Provinzfußballclubs St. Helens.

Die Fans rebellieren gegen den „Nazi-Torwart“

Friar sieht Bert beim Kicken im Lager, wie er zwischen den Pfosten spektakulär zur Seite hechtet, fast jeden Ball aus der Luft fischt, die Feldspieler geschickt einsetzt und an manchen Tagen geradezu unüberwindbar ist. Diesen Mann braucht Friar für seinen vom Abstieg bedrohten Verein. Der Deutsche freut sich über die Abwechslung vom Lagertrott, lernt Friars Tochter kennen und verliebt sich – wenig später heiraten sie sogar. Trautmann bewahrt St. Helens vor dem Abstieg. Fortan eilt ihm sein Ruf voraus. 1949 wird er von Manchester City verpflichtet – sehr zum Unwillen der Fans, die den „Nazi-Torwart“ entrüstet auspfeifen. Dass so kurz nach dem Krieg ausgerechnet ein Deutscher als Schlussmann ein englisches Tor hüten soll, ist für viele nicht tragbar. Bis es zum legendären Cup-Finale von 1956 im Wembley-Stadion kommt, in dem Manchester Birmingham City 3:1 bezwang.

Regisseur Marcus H. Rosenmüller und Drehbuchautor Nicholas J. Schofield haben sich für eine Heldengeschichte entschieden. Trautmann stand in über 500 Spielen für Manchester City im Tor; er gewann zahlreiche Trophäen und wurde von der Queen 2004 sogar mit dem Order of the British Empire für die Völkerverständigung zwischen England und Deutschland ausgezeichnet. Trautmann war also immer schon mehr als ein Torwart, er war ein Botschafter, der Brücken schlug und dabei immer auch auf Unterstützung angewiesen war, auf seinen Trainer, die Mitspieler, sogar einen Rabbiner, der in einem offenen Brief die Menschen um Toleranz bat.

Widerhaken und Brüche

Der Film hat Widerhaken und Brüche, weil Trautmann nicht nur Feindseligkeit entgegenschlägt, sondern er in gelegentlichen Rückblenden auch mit seiner Rolle im Krieg hadert. Trautmann leidet an einem (nicht verbürgten) Kriegstrauma, das für den jungen Mann zahlreiche Fragen aufwirft: Hat er sich schuldig gemacht? Hätte er Kriegsverbrechen verhindern können? Gibt es eine Kollektivschuld der Deutschen? Bilder der Befreiung des KZ Bergen-Belsen unterstreichen die Dringlichkeit dieser Fragen und stehen gleichzeitig im Kontrast zu Trautmanns Bemühen, sich an den britischen Alltag anzupassen.

Der liebevoll ausgestattete Film pflegt das 1950er-Jahre-Flair vielleicht etwas zu sehr, doch trotz aller Nostalgie erhalten auch die Schwierigkeit Großbritanniens, nach dem Krieg wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen und einen Wohlstand aufzubauen, genügend Raum. Die Fußballszenen sind ansprechend und spannend inszeniert, schließlich geht es hier um Sieg oder Niederlage, Abstieg oder Klassenerhalt, Pokal oder zweiten Platz. David Kross meistert die körperliche Herausforderung der Titelrolle und hält fast jeden Ball. Darüber hinaus überzeugt er als junger Mann, der seine Vergangenheit hinterfragt und gleichzeitig in einem anderen Land trotz aller Widerstände einen beruflichen und privaten Neuanfang wagt.

Die deutsche Synchronfassung des auf Englisch gedrehten Films enttäuscht hingegen, da die Sprachunterschiede nivelliert werden, was dem Film eine wichtige atmosphärische Komponente nimmt.

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