Love, Death & Robots

Action | USA 2019 | 227 (17, 12, 12, 17, 13, 6, 17, 17, 11, 16, 10, 10, 15, 10, 9, 11, 8 & 16) Minuten

Regie: Tim Miller

Eine Science-Fiction-Anthologie des „Deadpool“-Regisseurs Tim Miller, die in 18 kurzen Episoden mit unterschiedlichen Animationsstilen arbeitet und dabei eine Vielzahl von Fantasy- und Science-Fiction-Motiven verquickt, um einen wilden Ritt durch die „conditio humana“ im Zeitalter des Transhumanismus zu unternehmen, die Grenzen des Zeigbaren auszuloten und ein großteils dystopisches Bild zu entwerfen. Dabei fallen die Geschichten sowohl in ihrer inhaltlichen als auch ästhetischen Qualität sehr gemischt aus. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
LOVE, DEATH & ROBOTS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Tim Miller · Dave Wilson · Victor Maldonado · Alberto Mielgo · Franck Balson
Buch
Philip Gelatt · Alberto Mielgo · Janis Robertson · Vitaliy Shushko
Musik
Rob Cairns · Pawel Gorniak · Junkie XL · Ben Locket
Länge
227 (17, 12, 12, 17, 13, 6, 17, 17, 11, 16, 10, 10, 15, 10, 9, 11, 8 & 16) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 18.
Genre
Action | Animation | Comicverfilmung | Drama | Fantasy | Geisterfilm | Horror | Komödie | Kriegsfilm | Literaturverfilmung | Science-Fiction | Splatterfilm | Tragikomödie | Zeichentrick | Zombiefilm
Diskussion

Ein Serienprojekt von "Deadpool"-Regisseur Tim Miller: Eine Science-Fiction-Anthologie, die in 18 kurzen Episoden mit unterschiedlichen Animationsstilen arbeitet und dabei eine Vielzahl von Fantasy- und Science-Fiction-Motiven verquickt.

Sinniger, als es der Titel tut, könnte man den Inhalt der 18 Kurzfilme nicht umschreiben, die Netflix zusammen mit den Produzenten David Fincher, Jennifer Miller sowie der kreativen Seele des Projekts Tim Miller hier kompiliert hat. Nicht ein politisches oder gesellschaftliches oder gar ein künstlerisches Oberthema dient als bindendes Konzept. Erlaubt und gewünscht ist, was im Bereich der dystopischen Science Fiction möglich ist. Wenn man einen roten Faden spinnen möchte, dann besteht er eben aus Sex (um Liebe geht es hier nur marginal), Tod und Robotern, besser vielleicht „agierende Materie“, denn wenn es keine Maschinenmenschen sind, die im Dunstkreis menschlichen Dahinsiechens posieren, sind es Ghouls oder andere Geistwesen, die nach blutender Nahrung suchen.

Die Geschichten, die sich unter „Love, Death & Robots“ versammeln, sind allesamt beseelt von Transgression. Autoren und Regisseure versuchen das Medium der Animation zu nutzen, um an den Grenzen des Zeigbaren im Zeitalter des Transhumanismus zu kratzen. Sei es beim gegenseitigen Zermalmen von Menschen gelenkter Cyborgs in Gladiatorenarenen (Episode 1: „Sonnies Vorteil“), sei es in der Interaktion zwischen dem Mensch auf der einen und Untoten auf der anderen Seite (Episode 8: „Gute Jagdgründe“, Episode 5: „Seelenfänger“), sei es durch freies Neudenken von Zeitgeschichte (Episode 17: „Alternative Zeitachsen“).

Cyborgs, Untote & Werwölfe

Drehbuchautor Philip Gelatt, der sieben der 18 Geschichten erdachte, war darauf erpicht, die dunkle Seite menschlich-maschineller Interaktion zu beleuchten – und sogar zu erörtern, ob man Werwölfe erniedrigen kann (Episode 10: „Gestaltwandler“). Oder er thematisiert recht reißerisch die Weiterführung des Genderkampfes auf Homunkulus-Ebene in „Sonnies Vorteil“, indem sich eine Frau an der Niedertracht der Männer rächt, indem sie mittels ihrer Ausgeburt der Hölle die „Spielzeuge“ des starken Geschlechts verschrottet.

Die Zukunft, in der die Geschichten Gelatts spielen, ist beseelt von Dekadenz und Endzeitlichkeit. Sie wird bevölkert von eher brachialen Charakteren beiderlei Geschlechts. Jegliche Normalität scheint als „uncool“ verschrien, Extreme in jeder erdenklichen Beziehung sind angesagt. Darüber definieren sich die Kurzgeschichten, die mal klassisch auf verstörende Pointen hin inszeniert sind (Episode 3: „Die Augenzeugin“ und Episode 12: „Nacht der Fische“), mal als absurde Karikatur daherkommen (Episode 17: „Alternative Zeitachsen“) oder als Minifilm mit Plotwendungen und Spannungskurven (Episode 10: „Gestaltwandler“) funktionieren.

Zwischen Hyperrrealismus und grafischer Abstraktion

Bei aller Gleichförmigkeit des Sujets haben die Teile der Anthologie jedoch durchaus filmische Alleinstellungsmerkmale, die den ein oder anderen über den Durchschnitt des Actionkinos herausheben. Während die Hälfte der Arbeiten (Episoden 1, 2, 3, 7, 9, 10, 11, 13, 18) formal der gängigen Animationsoptik des Hyperrealismus aus den Highend-Computerspielen folgen und die Überwindung des Artifiziellen mit möglichst naturalistisch animierten Settings und menschlicher Physiognomie suchen, beschreiten andere auf künstlerisch höchst unterschiedlicher Ebene genau den entgegengesetzten Weg. Die Episoden 4, 5, 8, 12 und 15 verarbeiten ihr Sujet auf die klassische 2D-Trickfilmart, die in Hollywood ansonsten verpönt und eher im Anime in Japan gepflegt wird. Die Episoden 6, 14 und 17 wandeln indes auf extraordinären grafischen Pfaden. Hier definiert sich die Animation durch Flächigkeit, Abstraktion und Dekonstruktion. Doch selbst diese formalen Eigenheiten schützen mitunter nicht vor inhaltlicher Plattheit, wie bei „Episode 14: Zima Blue“. Dessen faszinierende Grundidee von dem Aufstieg eines kleinen Poolreinigungsroboters zum größten bildenden Künstler der Geschichte lahmt am Zwang, eine griffige (natürlich dystopische) Pointe zu kreieren. Dennoch ist das an Futurismus und Neue Sachlichkeit erinnernde Design sicherlich das ambitionierteste der gesamten Staffel.

Da die Kurzfilm-Anthologie im Zeitalter der Streamingdienste nicht mehr als integrales (Kino-)Erlebnis, sondern viel mehr in Segmenten goutiert wird (ein inhaltlicher roter Faden ist hier wie gesagt ohnehin nicht gegeben) seien im Folgenden die bemerkenswertesten Episoden von „Love, Death & Robots“ herausgestellt:

Episode 2: „Drei Roboter“/„Three Robots“

Eine komödiantisch, mit leicht philosophisch angehauchten Zwischentönen angelegte Farce über drei befreundete Roboter, die nach der Auslöschung der Menschheit als Touristen eine Geisterstadt besuchen.

Episode 3: „Die Augenzeugin“/“The Witness“

In Musikvideo-Clip-Dramaturgie atemberaubend geschnittener Minithriller über die vermeintliche Zeugin eines Mordes. Formal besonders aufgrund seiner beachtlichen Hintergrundanimation großstädtischer Häuserschluchten stark an Klassiker wie „Ghost in the Shell“ erinnernd.

Episode 6: „Als der Joghurt die Kontrolle übernahm“/“When The Yogurt Took Over“

Grimmig-klamaukiges Gedankenspiel über das, was passieren könnte, wenn Genexperimente außer Kontrolle geraten.

Episode 10: „Gestaltwandler“/“Shape-Shifters“

Interessante Parabel über Diskriminierung und Ausgrenzung, in der die Marine Werwölfe für den Einsatz im Afghanistan-Krieg einsetzt. Dabei bekommen sie es nicht nur mit einem mächtigen Artgenossen, sondern mit den eigenen Kameraden zu tun, die sie als unwerte Lebensform erachten.

Episode 13: „Raumschiff Nr. 13“/“Lucky 13“

Klassischer Christine-Horror im Gewand einer „Krieg der Sterne“-Geschichte über die Seelenverwandtschaft einer Pilotin zu ihrem Raumfahrzeug, die in Einsätzen zu einem untrennbaren Team verschmelzen.

Episode 16: „Eiszeit“/“Ice Age“

Die einzige Episode, die Realfilm mit CGI mischt. Ein alter Kühlschrank eröffnet einem frisch in die möblierte Wohnung gezogenen Paar, dass es noch Welten jenseits der eigenen gibt. Ganz im Stil von Horton hört ein Hu!“ offenbart sich im Eisfach eine Mini-Welt, deren Menschheitsgeschichte von der Eiszeit bis zu einer futuristischen Moderne in Zeitraffer vollzogen wird. Erstaunt realisieren die „Besitzer“, dass ihr Einwirken auf die Geschichte auch Folgen auf sie persönlich hat.

Episode 17: „Alternative Zeitachsen“/“Alternate Histories“

Was wäre, wenn Adolf Hitler auf unschöne Art und Weise vor seinen Untaten das Zeitliche gesegnet hätte? Der auf abstruse Pointen gebürstete Kurzfilm gibt sechs Beispiele. Die grafisch sehr ambitionierte Umsetzung entschädigt für die allzu sehr auf krude Pointen abzielenden „gespielte Witze“.

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