Abenteuer | USA 2017 | 81 Minuten

Regie: Bill Watterson

Ein 30-jähriger Mann nutzt die Abwesenheit seiner Freundin, um im Wohnzimmer aus alten Kartons eine gewaltige Burg zu errichten, in der er sich auf mysteriöse Weise verirrt. Ebenso ergeht es ein paar Freunden, die ihm zu Hilfe eilen, sich in dem Labyrinth aus Pappe aber ebenfalls verlaufen und magischer Geschöpfe erwehren müssen. Der abstrus-fantastische Abenteuerfilm entführt in eine höchst lebendige Welt aus Papier, in der es viele Herausforderungen zu meistern gilt. Eine dramaturgisch nicht immer zwingende, aber wunderbar fabulierende Melange aus Horror und Bastelstunde. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
DAVE MADE A MAZE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Bill Watterson
Buch
Steven Sears · Bill Watterson
Kamera
Jon Boal
Musik
Mondo Boys
Schnitt
David Egan
Darsteller
Meera Rohit Kumbhani (Annie) · Nick Thune (Dave) · Adam Busch (Gordon) · James Urbaniak (Harry) · Frank Caeti (Tonassistent)
Länge
81 Minuten
Kinostart
16.05.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Abenteuer | Horror | Komödie
Diskussion

Ein 30-jähriger Mann nutzt die Abwesenheit seiner Freundin, um im Wohnzimmer aus alten Kartons eine gewaltige Burg zu errichten, in der er sich auf mysteriöse Weise verirrt.

Sie hätte ihn vorher verlassen sollen. Denn nun steht eine riesige Kartonburg mitten im Wohnzimmer. Fast liebevoll gestaltet, mit Entrée und Lüftungsschächten; ungefähr so, wie sich ein Kind eine trockene Abenteuerhöhle bei Regenwetter vorstellt. Darin ist Dave verschwunden – oder hat sich verirrt. Zumindest klingen die fast schon weinerlichen Worte von Annies ansonsten sehr erwachsenem Freund aus dem Inneren der Kartonage.

Was für eine absurde Situation. Da ist sie mal ein paar Tage nicht zuhause –  und schon hat sich Dave in seinem „Spielzeug“ verirrt. So können Liebesgeschichten auf der Leinwand auch beginnen: mit einer völlig abstrusen Grundkonstellation, der man dann einfach weiter folgt und schaut, was passiert, wenn man diese Idee weiterspinnt.

Im Reich aus Pappe

Dave kommt also nicht mehr heraus, und Annie soll ihm tunlichst nicht folgen.  Das sei zu gefährlich. Besser wäre es, ein paar Freunde zu organisieren, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Kurze Zeit später stehen eine Handvoll staunender Erwachsener kopfschüttelnd in Daves Wohnung. Und machen das, was wohl jeder machen würde: Sie schauen nach. Ein verhängnisvoller Fehler.

Der Titel des Films, „Dave made a Maze“, erklärt fast erschöpfend das Problem. Nur, dass das „Höhlen-Labyrinth“, das sich Dave hingebungsvoll aus alten Umzug- und Möbelkartons gebastelt hat, ein bizarres Eigenleben entwickelt und zum Höllen-Labyrinth mutiert.

Seine „Hölle“ scheint von innen weit geräumiger als von außen. Geradezu riesig. So unermesslich, dass sich neben Dave auch alle seine Freunde in den verwinkelten Gängen verirren.

Ein wunderbar absurdes Kinostück

„Dave made a Maze“ ist ein wunderbar absurdes Kinostück, denn man kann über die Chuzpe nur staunen, mit der Regisseur Bill Watterson diese Geschichte umsetzt. Wie weiland Alice im Wunderland geraten Dave und seine Freunde in einen Kosmos, der komplett aus recyclebarer Pappe besteht – und in dem Naturgesetze nicht viel zählen, weil hier sogar wie von origamikundiger Geisterhand gefaltete Tiere ein wundersames Eigenleben fristen. Und nicht nur Tiere, denn zu dieser Welt gehören auch Widersacher und Monster.

Warum das alles passiert? Im Kino des Absurden reicht der Umstand, dass etwas passiert. Erklärungen sind obsolet. Und so irren die Protagonisten von einem Zimmer zum anderen, verlieren sich und finden sich wieder, nehmen andere Gestalten an und wollen zum Kern des Ganzen vordringen. Dass das nicht ohne Verluste vonstattengeht, liegt an einem mächtigen Minotaurus, dessen scharfes Pappschwert hässlich-tiefe Wunden schneidet.

Melange aus Horror und Bastelstunde

Sicher, man hätte sich gewünscht, dass der Autor und Regisseur Bill Watterson seine zwingende Grundidee dramaturgisch noch etwas ausgebaut, die Figuren noch ein wenig mehr mit Tiefe versehen und das Finale noch mit abstruseren oder auch romantischeren Wendungen versehen hätte. So verwandelt sich das anfängliche Staunen über die Kreativität, wie der Stoff zwischen Paranoia-Horror und Kindergarten-Bastelei umgesetzt wurde, langsam zur Erkenntnis, „nur“ eine fantastische Idee zu teilen. Das reicht aber problemlos aus, um sich in den abstrusen „Gebäuden“ einzumummeln und für einen Film lang wieder Kind auf einem papiernen Abenteuerspielplatz zu sein. Auch mal eine schöne Vorstellung!

Kommentar verfassen

Kommentieren