Kim hat einen Penis

Drama | Deutschland 2018 | 90 Minuten

Regie: Philipp Eichholtz

Eine junge Pilotin lässt sich aus Neugier in einer Schweizer Klinik mit männlichen Geschlechtsteilen ausstatten, was nicht nur im Bett, sondern generell zu Problemen mit ihrem Lebenspartner führt, da sie fortan in allen Dingen den aktiven Part übernimmt. Die launige Einlassung auf Geschlechterrollen und alltägliche Beziehungsprobleme nutzt das stilistische Vokabular einer deutschen Mumblecore-Komödie für eine absurde Versuchsanordnung, in der auch die #MeToo-Debatte ironisch kommentiert wird. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Philipp Eichholtz
Buch
Maxi Rosenheinrich · Philipp Eichholtz · Martina Schöne-Radunski · Christian Ehrlich
Kamera
Fee Scherer · Manuel Ruge
Musik
Tina Pepper
Schnitt
Markus Morkötter
Darsteller
Martina Schöne-Radunski (Kim) · Christian Ehrich (Andreas) · Stella Hilb (Anna) · Matthias Lier (Tim) · Lana Cooper (Mikee)
Länge
90 Minuten
Kinostart
13.06.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Komödie
Diskussion

German-Mumblecore-Komödie um eine junge Pilotin, die aus Neugier das Angebot einer Schweizer Klinik nutzt und sich mit männlichen Geschlechtsteilen ausstatten lässt.

„Es gibt keine Geschlechter, es gibt nur Entscheidungen“, verkündet der Werbe-Clip einer Schweizer Privatklinik, die ihr Geschäftsmodell in einer möglichst schnellen Geschlechtsumwandlung gefunden hat, ohne Wartezeiten, psychologische Vorbereitung oder mühsames Ausprobieren während der „Probezeit“. Das ist offenbar der perfekte Deal für die Flugzeugpilotin Kim, die sich zur Beförderung einen Penis gönnt, die Hormonbehandlung aber auslässt und auch keine Anstalten macht, Mann werden zu wollen.

„Ich war neugierig“, begründet sie ihre Entscheidung gegenüber ihrem Lebenspartner Andreas, einem eher antriebslosen Lehrer im Berliner Stadtteil Neukölln, der die Veränderung erst beim missglückten Paarungsversuch bemerkt und sein Entsetzen nicht verbergen kann. Denn Kim ist jetzt nicht nur um ein Geschlechtsteil reicher. Sie erwartet plötzlich, dass nur noch ihre Wünsche im Vordergrund stehen. Im Bett dreht sich alles um ihre Bedürfnisse, wozu neuerdings auch Anal-Sex gehört, bei dem sie den aktiven Part übernehmen möchte.

Feministische Forderungen

Da sie deutlich mehr Geld verdient als Andreas, möchte sie ein Haus in der Nähe des Flughafens kaufen, was für ihn eine zweistündige Anreise zum Arbeitsplatz nach sich ziehen würde. Seitensprüngen mit androgynen Automechanikerinnen ist Kim ebenfalls nicht abgeneigt. Wenn der zunehmend seiner „natürlichen“ Dominanz beraubte Andreas aber mal mit einer Ex-Freundin fremdgeht, die wiederum von ihrem eigenen Partner betrogen wurde, tobt Kim vor Eifersucht, ohne aber auf den Gedanken zu kommen, dass ihre eigenen Affären ein gleichwertiger Fehltritt sein könnten.

Regisseur Philipp Eichholtz und seine entwaffnend lebensnah spielenden Darsteller haben sichtlich Freude an ihrem gegen die Laufrichtung rasenden Mumblecore-Geschlechterkarussell. Männer, die in Komödien als Frauen verkleidet den Sexismus am eigenen Leib spüren, gibt es in der Filmgeschichte genügend, von Manche mögen’s heiß bis zu Tootsie. Der ungewohnte Blick bei Eichholtz ergibt sich daraus, dass der Gegenwind von einer Frau stammt, die nicht nur organtechnisch mitzieht, sondern bei der Lebensplanung schlicht feministische Forderungen durchzieht und dabei einfach das Verhalten annimmt, das ihre männlichen Gegenüber für selbstverständlich halten.

Ein Mann schlägt zurück

Zu denen gehört auch Kims eigener, überangepasster Bruder, der ihr Egoismus vorwirft und Mitleid für den diskriminierten Andreas einfordert. Nicht ohne Grund lamentiert ihr Partner, dass sie alles gleichzeitig haben wolle, immer und sofort, wozu ausgerechnet aber nicht Kinder gehören, worauf er, besorgt um den eigenen Stellenwert und die Weitergabe seiner Gene, in einem herrlich aus dem Ruder laufenden Finale prompt zurückschlägt.

Was als absurde Versuchsanordnung beginnt, da Kim nach dem Willen der hyperflexiblen Klinik nach vier Monaten entscheiden kann, ob sie die Operation rückgängig machen möchte, entwickelt sich zu einem waschechten Geschlechterkampf und einem überaus komischen Begleitkommentar zur #MeToo-Debatte, der leichtfüßig die Problemzonen benennt, die in vielen Beziehungen tagtäglich ausgefochten werden.

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