Eine moralische Entscheidung

Drama | Iran 2017 | 103 Minuten

Regie: Vahid Jalilvand

Ein Teheraner Gerichtsmediziner wird mit dem Leichnam eines Jungen konfrontiert, den er Tage zuvor mit dem Auto angefahren hat. Obwohl als Todesursache eine Fleischvergiftung diagnostiziert wird, steigert sich die innere Unruhe des Arztes bis zur Obsession, weil ihn die Frage nach seinem Anteil an dem Unglück quält. Dabei geht es weniger um moralisches Versagen als vielmehr um Scham und Ehre sowie die Frage, wie in einer islamisch-patriarchalen Gesellschaft Schuld ausgeglichen wird. Das in blasse, entsättigte Farben getauchte Gesellschaftsdrama betont die überindividuelle Dimension des Konflikts und hebt die Rolle der Klassenunterschiede sowie die Rolle der Anerkennung zwischen den Geschlechtern scharf hervor. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
BEDOONE TARIKH, BEDOONE EMZA
Produktionsland
Iran
Produktionsjahr
2017
Regie
Vahid Jalilvand
Buch
Vahid Jalilvand · Ali Zarnegar
Kamera
Morteza Poursamadi · Payman Shadmanfar
Musik
Peyman Yazdanian
Schnitt
Vahid Jalilvand · Sepehr Vakili
Darsteller
Navid Mohammadzadeh (Moosa) · Hediyeh Tehrani (Dr. Sayeh Behbahani) · Amir Aghaee (Dr. Kaveh Nariman) · Zakieh Behbahani (Leila) · Saeed Dakh (Inspektor)
Länge
103 Minuten
Kinostart
20.06.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Drama | Thriller
Diskussion

Ein Arzt aus Teheran ringt mit der Frage, inwieweit er für den Tod eines Jungen mitverantwortlich ist. In dem außergewöhnlichen Gesellschaftsdrama geht es aber weniger um moralisches Versagen als vielmehr um Scham und Ehre sowie die Frage, wie in einer islamisch-patriarchalen Gesellschaft Schuld ausgeglichen wird.

Im engen Sichtfeld der Autoscheinwerfer fährt ein Mann in seinem Wagen durch die Teheraner Nacht. Da drängt ihn jemand mit Lichthupe von der Fahrbahn ab. Es ist nur ein Augenblick, der allerdings eine Verkettung tragischer Ereignisse nach sich zieht. Durch das Herumreißen des Steuers streift das Auto des Mannes ein Mofa am Straßenrand; eine ganze Familie kommt dabei zu Fall. Die geübten Handgriffe, mit denen der Fahrer die Gestürzten sorgfältig untersucht, verraten ihn als Arzt und markieren auch den Klassenunterschied, der zwischen den Personen sichtbar wird. Anstatt die Polizei zu rufen, bietet der Fahrer dem Familienvater sein offenes Portemonnaie als Wiedergutmachung an. Der deutlich ärmere Mann nimmt nach einigem Zögern zwei große Geldscheine heraus. Den Ermahnungen des Arztes, mit dem Sohn zur Sicherheit doch noch ins Krankenhaus zu fahren, kommt er aus Stolz aber nicht mehr nach.

Die Beschämung, die fortan beide verbindet, steht im Zentrum des außergewöhnlichen Gesellschaftsdramas von

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