Blinded by the Light

Biopic | Großbritannien 2019 | 118 Minuten

Regie: Gurinder Chadha

Ein 16-jähriger Teenager pakistanischer Herkunft steht 1987 in der britischen Stadt Luton zwischen den Ansprüchen seiner hart arbeitenden Familie, dem Wunsch nach Zugehörigkeit und seinen schriftstellerischen Ambitionen. Erst in der Begegnung mit der Musik von Bruce Springsteen findet er einen Weg, seine Träume mit seiner Herkunft zu versöhnen. Auf den Memoiren eines Journalisten basierende Coming-of-Age-Komödie, mit der Regisseurin Gurinder Chadha versucht, das Erfolgsrezept von „Kick it Like Beckham“ (2002) zu wiederholen. Der Film bringt seine angeschnittenen Problemszenarien jedoch nicht überzeugend unter einen Hut und ist auch in der Einbettung der Musik recht einfallslos. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
BLINDED BY THE LIGHT
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Gurinder Chadha
Buch
Paul Mayeda Berges · Gurinder Chadha · Sarfraz Manzoor
Kamera
Ben Smithard
Musik
A.R. Rahman
Schnitt
Justin Krish
Darsteller
Viveik Kalra (Javed) · Kulvinder Ghir (Malik) · Meera Ganatra (Noor) · Aaron Phagura (Roops) · Dean-Charles Chapman (Matt)
Länge
118 Minuten
Kinostart
22.08.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Biopic | Drama | Komödie
Diskussion

Die Begegnung eines zwischen Ausgrenzung und dem Wunsch nach Akzeptanz lebenden 16-Jährigen pakistanischer Herkunft im englischen Luton, für den die Musik von Bruce Springsteen zum entscheidenden Erlebnis wird. Gurinder Chadha versucht mit mäßigem Ertrag, das Erfolgsrezept ihrer Komödie „Kick it Like Beckham“ (2002) zu wiederholen.

1987 haben die Pet Shop Boys mit „It’s a Sin“ einen Riesenhit. Auch in der nördlich von London gelegenen Stadt Luton, Schauplatz von „Blinded by the Light“, hört man ihn rauf und runter. Die Regisseurin Gurinder Chadha stellt den gleichermaßen gut gelaunten wie düsteren Song an den Anfang des Films, nicht zuletzt als Kontrast zu jener Musik, die die Erzählung schon bald – buchstäblich – im Sturm erobern wird. Zu den Synthie-Klängen von „It’s a Sin“ sieht man im Split-Screen Alltagsszenen im wilden Mix mit zeitgeschichtlichen Momenten: das Job-Center, Margaret Thatcher, Ronald Reagan, Skinheadaufmärsche – und Javed, ein Teenager pakistanischer Herkunft: unmodischer Pulli, Walkman um die Hüfte, Kopfhörer auf den Ohren.

Unter den Wham-Boys, Bananarama-Girls, den Gruftis und sonstigen „Tribes“ ist der 16-Jährige ein Außenseiter. Während die anderen Jugendlichen sich die Haare stylen, herumknutschen und Partys feiern, sitzt Javed in seinem Zimmer und schreibt Gedichte. Schikanen von prügelnden Skins sind an der Tagesordnung, doch auch der Druck seiner hart arbeitenden Familie setzt ihm zu. Der Vater möchte auf keinen Fall, dass er wie die meisten pakistanischen Einwanderer als Taxifahrer endet, er soll studieren, einen gut bezahlten Beruf erlernen. Dabei möchte Javed insgeheim Schriftsteller werden – ein Traum, der in weite Ferne zu rücken scheint, als der Vater wie so viele Arbeiter von Luton seinen Job in der Fabrik verliert.

Die Rettung durch „The Boss“

Initiiert und gerettet wird der Teenager schließlich durch die Melodien und Texte eines Musikers, der von den „Boys“ kaum weiter entfernt sein könnte. Javed hat gerade voller Wut und Trauer seine Gedichte zerknüllt und einem heftigen Wirbelsturm überlassen, als er „The Boss“ eher zufällig in seinen Walkman einlegt. „I get up in the evening / And I ain’t got nothing to say / I come home in the morning / I go to bed feeling the same way / I ain’t nothing but tired / Man, I’m just tired and bored with myself ...“, singt Bruce Springsteen in „Dancing in the Dark“. Die Textzeilen tanzen dynamisch um Javeds Kopf. Erstmals erkennt er in einem Song seine Erfahrungen als Kind einer Arbeiterfamilie wieder. Springsteen ist für ihn das Erweckungserlebnis.

Mit „Blinded by the Light“ versucht sich Chadha an einer Wiederauflage ihrer erfolgreichen Komödie Kick it Like Beckham (2002), in der ein Mädchen aus einer traditionsbewussten indischen Familie eine Fußballleidenschaft entwickelt. Was dem einen Film der Fußball ist, ist dem anderen das Schreiben. Javed findet über die Begegnung mit Springsteen nicht nur seine eigene Autorenstimme, sondern auch gleich noch seine erste Freundin (eine bedauernswert konturlose Figur). Mit seiner wachsenden Emanzipation verschärfen sich jedoch auch die Spannungen mit seinem Vater.

„Beckham“ ohne dessen Witz und Charme

Wie schon „Kick it Like Beckham“ ist „Blinded by the Light“ ein eher grob zusammengeschusterter Mix aus Problemszenarien: Rassismus, Arbeitslosigkeit, generationelle, interkulturelle -und familiäre Konflikte et cetera. An den Witz und Charme von „Beckham“ kommt der Film jedoch nicht annähernd heran – auch weil er als Musikfilm keine affizierende Kraft entfalten mag. Für Javeds Springsteen-Obsession – der „Guardian“-Journalist und Co-Drehbuchautor Sarfraz Manzoor, auf dessen Erlebnissen der Film basiert, soll 150 Konzerte besucht haben – findet Chadha keine passende Form. Schon beim zweiten Mal hat sich die Idee der ins Bild eingebetteten Texte verbraucht. Und auch die Überführung der rustikalen Gitarren-Songs in Musical-Nummern gelingt nicht recht, es fehlt ihnen an Rock’n’Roll und Swing. Am Ende muss selbst Javed einräumen, dass er von zu viel Springsteen ein wenig „verblendet“ war.

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