Horror | Spanien/USA 2019 | 95 Minuten

Regie: Alice Waddington

Eine junge, rebellische Frau soll in einem Therapiezentrum, das sich auf einer kleinen, einsamen Insel befindet, dazu gebracht werden, endlich den von ihren Eltern ausgesuchten Ehemann zu akzeptieren. Mit ihren Zimmergenossinnen plant sie die Flucht, als ein Jugendfreund von ihr auftaucht, der als Wärter auf der Insel arbeitet. Visuell greller, stilistisch uneinheitlicher Horrorthriller, der sich zeitlich und räumlich nicht verorten lässt, sich aber auf viele Vorbilder bezieht. Der Themenkreis um Identität und Gleichschaltung, Macht und Kontrolle geht in der Vielzahl der Einflüsse und Bezüge folgenlos unter. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
PARADISE HILLS
Produktionsland
Spanien/USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Alice Waddington
Buch
Brian DeLeeuw · Nacho Vigalondo
Kamera
Josu Inchaustegui
Musik
Lucas Vidal
Schnitt
Guillermo de la Cal
Darsteller
Emma Roberts (Uma) · Eiza González (Amarna) · Awkwafina (Yu) · Milla Jovovich (Die Gräfin) · Danielle Macdonald (Chloe)
Länge
95 Minuten
Kinostart
29.08.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horror | Mystery-Film | Thriller
Diskussion

Visuell greller Horrorthriller, in dem junge, rebellische Frauen auf einer einsamen Insel Gehorsam lernen sollen und gemeinsam die Flucht planen.

Als Uma (Emma Roberts), eine rebellische, junge Frau, an diesem Morgen aufwacht, traut sie ihren Augen nicht: Sie liegt in einem hellen Schlafraum in einem weißen Bett, das eher einer übergroßen Wiege gleicht als einer praktischen Schlafstatt. Ihr erster Impuls ist Flucht, doch als sie endlich einen Ausgang aus dem labyrinthartigen Schloss findet, bemerkt sie voller Schrecken, dass sie sich auf einer kleinen, einsamen Insel befindet: Paradise Hills. Doch dies ist, trotz der rosafarbenen Wege, der gewölbten Räume und der märchenhaften Dekors, kein Paradies, sondern ein Therapiezentrum, das von einer Herzogin (Milla Jovovich) geleitet wird. Deren Versprechen: Sie wird aus der unabhängigen, sensiblen Uma eine glückliche, angepasste Frau machen. Mehr noch: Sie wird ihre Abneigung gegenüber dem jungen Mann, den ihre Eltern für sie ausgesucht haben, ablegen.

Uma wohnt mit drei anderen Mädchen zusammen, die ähnliche Autoritätskonflikte austragen und nun gleichgeschaltet werden sollen. Täglich müssen sie verschiedene Behandlungen ertragen, von der Schönheitskur über Yoga und Gymnastik bis zur Gehirnwäsche, bei der Uma, auf einem Karussell-Pony sitzend, in luftiger Höhe ein Hologramm mit Bildern ihres zukünftigen Ehemanns über sich ergehen lassen muss. Uma will nur noch weg. In dem Moment taucht ihr Jugendfreund Markus auf, der hier eine Arbeit als Wärter angenommen hat. Ob sie nicht gemeinsam per Boot fliehen könnten?

„Obere“ und „Untere“ in offener Verortung

So ganz ist nicht klar, wo Regiedebütantin Alice Waddington und die Co-Autoren Nacho Vigalondo und Brian DeLeeuw „Paradise Hills“ in Raum und Zeit verortet haben. Spielt er in der Zukunft? Oder in einer parallelen Welt? Ist es vielleicht ein Horrorfilm? Oder ein altes Märchen? Eingebettet ist die Geschichte in eine Rahmenhandlung, die eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von „Oberen“ und „Unteren“ zeichnet. Bei einer opulenten Hochzeitsfeier soll Uma mit einem arroganten Millionärssohn vermählt werden. Bis der Film zwei Monate zurückspringt und seine eigentliche Geschichte erzählt. Von der Stimmung her ist „Paradise Hills“ irgendwo zwischen der Fernsehserie „Nummer 6“ (1967/68) und Bryan Forbes’Die Frauen von Stepford (1975), zwischen Don Siegels Die Dämonischen (1956) und Michael Bays Die Insel (2005) angesiedelt. Das Gefangensein im öffentlichen Raum, durch die Bewegungsfreiheit der Figuren unterstrichen, vermischt sich dabei mit dem Motiv, dass Frauen durch bessere Versionen ihrer selbst ersetzt werden sollen.

Doch mit zunehmender Dauer verlieren die Filmemacher den Themenkreis um Identität und Gleichschaltung, Macht und Kontrolle aus den Augen. Viel wichtiger war ihnen der Stil des Films, das grelle und aufwändige Produktionsdesign und die phantasievollen, mitunter bizarren Kostüme, die an Entwürfe von Vivienne Westwood oder Paco Rabanne erinnern. Die weißen Tageskleider der jungen Frauen sehen aus wie viktorianische Roben, die mit horizontalen Ledergürteln gestrafft werden und so, in Verbindung mit hohen, steifen Halskrausen, die Mädchen in ihre vorgesehenen Rollen, ob als willige Ehefrau oder brave Tochter, zwingen.

Ein unbestimmtes stilistisches Durcheinander

Doch die Vielzahl der Einflüsse und Bezüge, durch CGI-Effekte optisch ins Unwirkliche übersteigert, sorgt nur für ein stilistisches Durcheinander, bei dem alles möglich und nichts bestimmt ist. Die Disparität der vielen Elemente ergibt kein sinnvolles Ganzes – wenn es auch aufregend anzuschauen ist. Und wenn Milla Jovovich sich in eine böse Fee verwandelt, die wie im Grimmschen Märchen über Wald und Bäume gebietet, ist der Film endlich in den Niederungen des Camp angekommen.

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