Über Grenzen - Der Film einer langen Reise

Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 114 Minuten

Regie: Johannes Meier

Mit 64 Jahren schwingt sich eine nordhessische Rentnerin auf ihr Motorrad und fährt damit bis nach Zentralasien und zurück. Wenn sie gerade nicht von den Filmemachern begleitet wird, filmt und kommentiert sie sich selbst. Am Ende hat sie in 117 Tagen über 18 000 Kilometer zurückgelegt. Die zum populären Genre des Reisefilms gehörende Dokumentation konzentriert sich aufs Weiterkommen und die zu bewältigenden Herausforderungen. Betrachtungen der Landschaft oder Begegnung mit Menschen spielen eine eher nachgeordnete Rolle. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Johannes Meier · Paul Hartmann
Buch
Johannes Meier
Kamera
Johannes Meier · Paul Hartmann
Musik
Fabian Kratzer
Schnitt
Johannes Meier
Länge
114 Minuten
Kinostart
12.09.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Reisedokumentation über eine 64-jährige Rentnerin aus Nordhessen, die mit ihrem Motorrad bis nach Zentralasien und zurück fährt.

Schon auf dem Weg zu ihrer ersten Hochzeit hatte Margot Flügel-Anhalt den dringenden Impuls verspürt, aus dem Auto zu steigen, abzuhauen und nie wieder zurückzukehren. Auch wenn sie dann doch zwei Mal geheiratet hat, ist bei der inzwischen 64-jährigen Rentnerin der Wunsch nach Aufbruch und Unterwegssein geblieben.

Von Thurnhosbach, einem kleinen Dorf in Nordhessen, begibt sich die ehemalige Sozialpädagogin auf eine Reise nach Zentralasien – mit dem Motorrad. Einen Führerschein besitzt sie dafür eigentlich nicht, doch ihr „alter grauer Lappen“ erlaubt das Fahren mit Zweirädern bis 125 Kubikzentimetern. Nach ein paar Vorbereitungen, bei denen sie etwas Persisch lernt und einen Selbstverteidigungskurs macht, schwingt sie sich auf ihre 125er Enduro und knattert Richtung Polen los. Am Ende der Reise hat sie 18 046 Kilometer in 117 Tagen zurückgelegt.

Ein Film wie ein Dia-Abend

„Über Grenzen“ gehört zu dem äußerst populären Genre des Reisefilms, eine in teilweise subjektive Bewegtbilder (Handykamera, GoPro) umgesetzte und mit tagebuchartigen Kommentaren begleitete Form des aus der Mode gekommenen Dia-Abends. Filme wie „Weit“, „Expedition Happiness“, „Pedal the World“ oder jetzt „Über Grenzen“ lassen sich eigentlich kaum mit filmkritischen Maßstäben fassen. Adressiert sind sie an eine Community: Fernreisende oder Menschen, die ihr Fernweh auch gut mittels einer Stellvertreterfigur wie Margot Flügel-Anhalt ausleben können.

Der Filmemacher Johannes Meier, ehemals Gemeindepfarrer und theologischer Referent im Landeskirchenamt sowie der Drohnen-Operator Paul Hartmann kennen Margot Flügel-Anhalt durch ihre Theaterprojekte in Eschwege. Mit einem professionellen Equipment begleiten sie ihren Aufbruch. Bis zum Pamirgebirge im Iran, wo die beiden erneut dazustoßen, filmt die Reisende selbst.

Eng getaktete Dramaturgie

An ihren Erfahrungen lässt der Film jedoch nur bedingt teilhaben. Meist reicht ein kurzer Schwenk über Landschaft und ein paar winkende Kinder und schon geht es wieder weiter. In der russischen Stadt Borissoglebsk würde man gerne in dem Lenin-Museum verweilen, das sich ein Mann in seinem Gartenhaus eingerichtet hat. Doch intensivere Einblicke sieht die eng getaktete Dramaturgie trotz 234 Stunden Videomaterial nicht vor.

Etwas mehr Zeit nimmt sich der Film für technische Probleme der Motorrad-Touristin; die Filmemacher sind inzwischen wieder an ihrer Seite. Auf dem Pamir Highway, der zweithöchstgelegenen befestigten Fernstraße der Welt, die auf 1252 Kilometern die kirgisische Stadt Osch mit der tadschikischen Hauptstadt Dushanbe verbindet, kämpft Flügel-Anhalt mit der dünnen Luft in über 4000 Metern und den widrigen Wetterbedingungen. Immer wieder bleibt sie mit dem Motorrad im Schlamm stecken. Ein Sturz, von dem sie eine Fußverletzung davonträgt, führt zu einer Krise.

Herausforderungen im Blick

Die Haltung des Films ist eher sportlich. Es geht um die Bewältigung von Herausforderungen, ums Weiterkommen. Im Iran, wo Margot als Motorradfahrerin ein kleines Spektakel ist, das erstaunte Blicke auf sich zieht, verlagert sich der Fokus auf die Situation der Menschenrechte. Margot fixiert sich dabei auf die Kopftuchdebatte; dass die Komplexität des Themas nicht annähernd erfasst wird und stattdessen in Betroffenheitspathos untergeht, stößt auf, passt aber durchaus zur Logik des Films.

Zurück in Thurnhosbach, wird die Globetrotterin von der ganzen Gemeinde herzlich begrüßt. Man bewundert sie wie eine Heldin. „Da ist man doch in seinen Zwängen so gefangen“, sagt eine Dorfbewohnerin noch, bevor sich die Drohnenkamera hoch in die Lüfte bewegt.

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