Coming-of-Age-Film | Argentinien/Chile 2018 | 79 Minuten

Regie: Martín Rodríguez Redondo

Ein Bauernsohn aus der argentinischen Pampa kann nur im Geheimen seinen Hang ausleben, in Frauenkleidern die Tanzsäle der nahen Kleinstadt aufzusuchen. Die Enttarnung und Misshandlung durch einen Nachbarn sowie die immer schwierigere finanzielle Lage seiner Familie lassen den jungen Mann aber mehr und mehr auf eine Katastrophe zusteuern. Betont reduziert und mit dokumentarischer Haltung inszeniertes Coming-of-Age-Drama, das die Ereignisse nüchtern und fast beiläufig registriert. Fatalistisch gestimmt, skizziert der Film die Unvereinbarkeit rigider Gesellschaften mit von der herrschenden Norm abweichendem Verhalten. (O.m.d.U.) - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
MARILYN
Produktionsland
Argentinien/Chile
Produktionsjahr
2018
Regie
Martín Rodríguez Redondo
Buch
Mariana Docampo · Mara Pescio · Martín Rodríguez Redondo
Kamera
Guillermo Saposnik
Musik
Laurent Apffel · Kumbia Queers
Schnitt
Felipe Gálvez Haberle
Darsteller
Walter Rodríguez (Marcos) · Catalina Saavedra (Olga) · Germán de Silva (Carlos) · Ignacio Giménez (Carlitos) · Rodolfo García Werner (Facundo)
Länge
79 Minuten
Kinostart
19.09.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Coming-of-Age-Film | Drama | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
Pro-Fun
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Diskussion

Ein Jugendlicher aus der argentinischen Provinz, der heimlich gerne Frauenkleider trägt, sieht sich der Unversöhnlichkeit einer rigiden Gesellschaft ausgesetzt, die keine Abweichung von der herrschenden Norm toleriert. Ein betont reduziertes, quasi-dokumentarisches Drama.

Marcos (Walter Rodríguez) hat Talent. Zumindest, wenn es um den Umgang mit den Kleidern seiner Mutter Olga (Catalina Saavedra) geht, die er mit sicherem Blick kurzerhand einkürzt. Auch bei seiner Freundin Laura (Josefina Paredes) beweist er ein sicheres Händchen, wenn es um die Auswahl von Lidschatten und Lippenstift geht. Der junge Mann liebt es, mit weiblichen Attributen zu spielen. Er genießt es, als „Marilyn“ tanzen zu gehen und sich dabei mit Langhaarperücken, Make-up und wallenden Kleidern auszustaffieren. Auf dem argentinischen Land, als Sohn eines Farmers, der nur schwerlich ein Auskommen hat, muss diese Leidenschaft jedoch ein Geheimnis bleiben. In der Dorfgemeinschaft gilt jegliche Abweichung von der Norm als Sakrileg.

Doch auch als Marcos’ Vater einen Herzinfarkt erleidet, wird das Leben auf dem Land nicht einfacher. Die Lage spitzt sich auf fatale Weise zu, als sich der rüde, aber attraktive Nachbarssohn Facundo (Rodolfo García Werner) bei einer Karnevalsparty von "Marilyn" getäuscht sieht. Der Abend endet im Fiasko. Marco wird von Facundos Clique geschlagen und missbraucht und gilt fortan als „Nutte“. Dast ist für Marcos’ Mutter und seinen Bruder ein Grund mehr, die Flucht in die Stadt anzutreten. Während der Suche nach einer Wohnung lernt Marco den örtlichen Krämersohn Federico (Andrew Bargsted) kennen und lieben. Erneut eskaliert die Situation.

Das Land duldet keine Abweichung

Das Land duldet keine Abweichung von der Norm. Das hat bereits Ang Lee in Brokeback Mountain auf eindrückliche Art aufgezeigt. „Marilyn“ erzählt nun seine Geschichte nach wahren Begebenheiten in der Pampa Argentiniens. Wesentlich nüchterner und rauer als bei Lee ist der Erzählstil von Regisseur Martín Rodríguez Redondo. Als würden die Kargheit und die chronische Armut keinerlei Emotionen, keinerlei überflüssiges Wort, keinerlei schwelgerische Panoramen und keinen Wehmut über die Filmmusik zulassen.

Der Argentinier Rodríguez Redondo wählt für seine Tragödie einen dokumentarischen Stil, sodass sie wie eine Chronologie der Ereignisse wirkt. Er hält die Spannungskurve dabei bewusst niedrig, sodass das niederschmetternde Finale wie ein Faustschlag wirkt, der den Zuschauer taumelnd in den Abspann schickt. Alles was in „Marilyn“ passiert, passiert eigentümlich beiläufig. In einem Land, in dem der Tango zu Hause ist und die Liebe mit Inbrunst gefeiert wird, ist für einen Jungen wie Marcos kein Platz. „Marilyn“ ist ein weiteres filmisches Indiz dafür, dass die Gesellschaft noch weit davon entfernt ist, Vielfalt als Gewinn zu betrachten.

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