Aus Liebe zum Überleben

Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 90 Minuten

Regie: Bertram Verhaag

Dokumentarfilm über acht landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland und der Schweiz, die sich konsequent dem ökologischen Landbau verschrieben haben. Die hochzufrieden scheinenden Bauern berichten von den Gründen für ihr Umdenken, zum Beleg rücken immer wieder auch glücklich wirkende Tiere ins Bild. Ausgeklammert bleiben dagegen alle Informationen zu Umsätzen, Absatzmärkten oder Konkurrenz, sodass der Film mit den aneinander montierten Porträts recht einseitig gerät. Da er den Öko-Bauern, die schon in früheren Werken des Regisseurs zu sehen waren, nicht wirklich nahekommt, erscheint der Film zudem auch in seiner Aussage eher redundant. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Bertram Verhaag
Buch
Bertram Verhaag
Kamera
Waldemar Hauschild · Gerald Fritzen · Stefan Schindler
Musik
Erwin Rehling · Florian Moser
Schnitt
Corinna Lösel · Verena Schönauer · Uwe Klimmeck
Länge
90 Minuten
Kinostart
17.10.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Ein Dokumentarfilm mit hintereinander montierten Porträts über acht landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland und der Schweiz, die sich konsequent dem ökologischen Landbau verschrieben haben.

Es gibt nicht eben wenige Dokumentarfilme, die sich mahnend mit der konventionellen Landwirtschaft mit ihren überdüngten Äckern und der Massentierhaltung auseinandersetzen. Auch der Filmemacher Bertram Verhaag hat dieses Anliegen, setzt in seiner Arbeit jedoch weniger darauf, die Missstände anzuprangern, als ihnen positive Beispiele ökologischen Landbaus entgegenzusetzen. In seinem neuen Film „Aus Liebe zum Überleben“ stellt er acht solcher Betriebe vor, die bis auf einen allesamt in Süddeutschland angesiedelt sind. Darunter finden sich neben Bauernhöfen auch eine Käserei und eine Bio-Brauerei.

Die Bauern erzählen, was sie einst zum Umdenken gebracht hat und wie glücklich sie ihr heutiges Dasein macht. Meist sind auch die jeweiligen Partnerinnen zu sehen, die allerdings eher selten zu Wort kommen. Eine Ausnahme ist Susanne Schwärzeler aus dem Allgäu, die erklärt, wie wichtig das Belassen der Hörner bei Kühen für eine gesunde Verdauung und die Milchproduktion ist. Ein anderer Landwirt kalkt einen Stall, damit sich seine Tiere wie in einem Wohnzimmer fühlen sollen, und ein weiterer meint, dass man eigentlich im Sonntagsanzug aufs Feld gehen sollte, um dem nährstoffreichen Boden Respekt zu zollen.

Die Bedeutung des Bodens

Von der Bedeutung des Bodens für die ökologische Landwirtschaft ist überhaupt sehr viel die Rede. Davon, dass eine bestimmte Fruchtfolge eingehalten werden muss, oder wie sehr die Mikroorganismen des Ackers unter der Komprimierung des Bodens durch schwere Traktoren leiden. Und der Schweizer Käsemacher rühmt die Milch seiner Hochlandkühe wegen all der nahrhaften Bergkräuter und freut sich, dass er allen Skeptikern, die meinten, Bio-Läden funktionierten nur in Großstädten, das Gegenteil bewiesen hat. Zwar berichtet auch der Bierbrauer von anfänglichen Kritikern seiner Erzeugnisse („Schmeckt nicht!“), insgesamt zeigen sich die Protagonisten jedoch allesamt hochzufrieden mit ihrem Leben und ihren Betrieben.

Von Geld, Umsätzen, Absatzmärkten, Krisen, überregionaler oder gar internationaler Konkurrenz ist während des gesamten Films nicht die Rede. Und wo die Menschen derart mit sich im Reinen sind, geht es natürlich auch dem Vieh bestens. So wimmelt es hier von (vermutlich) glücklichen Kühen, Schweinen, Hühnern und anderem Getier. Selbst bei den Regenwürmern meint man irgendwann, ein Lächeln zu erkennen.

Karl Ludwig Schweisfurth und andere alte Bekannte

Da mutet es schon fast wie ein Schock an, dass gegen Ende des Films auf dem Hof von Karl Ludwig Schweisfurth doch noch ein Schwein geschlachtet wird. Das Ganze findet im Rahmen einer öffentlichen Demonstrationsveranstaltung statt, deren Besucher anschließend auch mal das noch warme Herz des Tieres anfassen dürfen. Schweisfurth ist einer der bekanntesten Umsteiger, der vom größten europäischen industriellen Fleisch- und Wurstproduzenten nach dem Verkauf seiner Firma 1984 zum überzeugten Bio-Bauern mutierte. Der Mann erscheint nicht zum ersten Mal in einem Film von Bertram Verhaag. Und auch die meisten der anderen Protagonisten waren in anderen Dokumentationen des Filmemachers bereits zu sehen. Selbst wenn nicht klar wird, wie viel Material der neuen Produktion aus früheren Beiträgen stammt und wie viel neu gedreht wurde, ist das Ganze eine Art „Best-of-Verhaag“ Kompilation. Die acht Porträts erscheinen hier nicht in Form einer Parallel-Montage verwoben, sondern werden schlicht hintereinander montiert. Da der Film seinen Protagonisten bis auf eine Ausnahme nicht wirklich nahekommt, leidet diese Aneinanderreihung von glücklichen Menschen und Tieren auf die Dauer doch sehr unter Redundanzen.

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