Midway - Für die Freiheit

Abenteuer | USA 2019 | 139 Minuten

Regie: Roland Emmerich

Aus Sicht amerikanischer Piloten und Befehlshaber erzählender Kriegsfilm über die Ereignisse im Pazifik während des Zweiten Weltkrieges vom japanischen Überfall auf Pearl Harbor bis zur Schlacht um die Midwayinseln. Das in den Kampfhandlungen stets triumphale Actionspektakel bildet beide kriegsführenden Parteien ab und versucht alle Fäden im finalen Gefecht zusammenzuführen. Das Durcheinander heroischer Einzelleistungen im tödlichen Flakfeuer macht aber weder die Tragik der Ereignisse sichtbar, noch entwickelt es eine zugkräftige Dramaturgie. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
MIDWAY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Roland Emmerich
Buch
Wes Tooke
Kamera
Robby Baumgartner
Musik
Harald Kloser · Thomas Wanker
Schnitt
Adam Wolfe
Darsteller
Ed Skrein (Lt. Richard "Dick" Best) · Patrick Wilson (Edwin Layton) · Luke Evans (Lieutenant Commander Wade McClusky) · Woody Harrelson (Admiral Chester Nimitz) · Mandy Moore (Anne Best)
Länge
139 Minuten
Kinostart
07.11.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Abenteuer | Action | Historienfilm
Diskussion

Kriegsspektakel von Roland Emmerich, der aus Sicht US-amerikanischer Piloten und Befehlshaber die Ereignisse im Pazifik während des Zweiten Weltkrieges vom japanischen Überfall auf Pearl Harbor bis zur Schlacht um die Midwayinseln aufrollt.

Der legendäre Regisseur John Ford ist einer der ersten Amerikaner, der bei Midway Kontakt mit dem Feind aufnimmt. Fords Einheit, die „Field Photo Unit“ ist auf dem Atoll stationiert, um Filmaufnahmen von der Schlacht zu machen, die als eine der berühmtesten Seeschlachten in die Geschichte eingehen wird. Die Pfeife im Mundwinkel hängend, blickt Ford in heroischer Pose den auf Midway zusteuernden japanischen Jagdfliegern entgegen. Als die ersten Kugeln einschlagen, schnappt sich der Regisseur selbst eine Kamera und bellt die verängstigte Crew an, weiter zu filmen.

Die Bilder, die die Kameraleute der Navy auf den Midwayinseln aufzeichneten und die John Ford als Basis für den Propagandafilm „The Battle of Midway“ dienten, entsprechen ebenso der Ästhetik von Roland Emmerichs „Midway“ wie die Pose der Regielegende. Der Himmel über dem Pazifik – bei Ford wolkenverhangen, bei Emmerich digital poliert und paradiesisch blau – wird über weite Strecken des Films zu einer Leinwand, die amerikanische und japanische Streitkräfte bemalen – mit den Leuchtspurgeschossen ihrer Flugabwehrkanonen und den schwarzen Explosionswolken, die diese am Himmel hinterlassen. Ein dichtes Streufeuer des Todes, durch das die eigentlichen Protagonisten der Schlacht, die Piloten der amerikanischen Sturzbomber, ihren Weg zum Ziel suchen.

GI-Prototypen mit breiten Kauleisten

Geflogen werden sie von den gleichen GI-Prototypen, die Regisseur Jack Smight schon 1976 für Schlacht um Midway versammelte: Draufgänger mit breiten Kauleisten. Ed Skrein, Luke Evans, Dennis Quaid und Aaron Eckhart sind Emmerichs Frontmänner. Generäle, Offiziere und einfache Soldaten nach historischen Vorbildern, für die Befehle nur grobe Handlungsrahmen sind, die sie nach ihrem Gusto auslegen. Hinter ihnen stehen die Berater und Befehlshaber, allen voran Geheimdienstoffizier Edwin Layton (Patrick Wilson) und Oberbefehlshaber Admiral Nimitz (Woody Harrelson), die vom Festland aus die Operationen im Pazifik koordinieren. Ein Ensemble, das die Männer des alten Hollywood imitiert, die die Schlacht nicht nur auf der Leinwand, sondern als Marinesoldat und Flieger teilweise selbst erlebten.

Die Geburtsstunde dieser Helden ist nicht die Schlacht um Midway selbst, sondern der Überfall auf Pearl Harbor. Nach einem kurzen Prolog, in dem der japanische Admiral Yamamoto (Etsushi Toyokawa) dem zu dieser Zeit als Marineattaché berufenen Layton die strategisch prekäre Position Japans erklärt, beginnt Emmerich die Feuertaufe für seine Helden. Eine einzelne Träne wird ein amerikanischer Offizier im computergenerierten Inferno von Pearl Harbor vergießen, bevor die US-Marine nach dem Desaster Personal und Strategie auswechselt. Der Film folgt den Fäden, die gezogen werden, um den Pazifik und damit das größte Schlachtfeld aller Zeiten wieder unter Kontrolle der alliierten Streitkräfte zu bringen.

Planungsgespräche und Scharmützel

Planungsgespräche in der Kommandozentrale, in Hinterzimmern und auf Cocktailpartys wechseln sich mit den Scharmützeln der Jagdfliegerstaffeln von Dick Best (Ed Skrein) und Wade McClusky (Luke Evans) ab. Beide navigieren unaufhaltsam auf das zu, was Emmerichs Kino schon immer bestimmt hat: das Spektakel. Doch die letztendliche Schlacht, die das gesamte Finale des rund 140-minütigen Films einnimmt, schafft es kaum, die Stärken des Blockbuster-Veteranen auszuspielen. Am blauen Himmel über dem Pazifik verliert sich Emmerich in den weitgehend unüberschaubaren Flugmanövern. Ähnlich wie „Die Schlacht um Midway“ folgt Emmerichs Film überwiegend der Chronologie der Ereignisse bei der See- und Luftschlacht. Sturzflug um Sturzflug erringen die Piloten, die Kamera im Schlepptau, den Sieg über die japanische Flotte.

Das sich in Flakfeuer, Luftgefechten und Torpedo-Angriffen zuspitzende Spektakel wächst aber nie zu einer zugkräftigen Dramaturgie zusammen. Es scheint fast, als hätte die Geschichtsschreibung Midway eingeholt und die Schlacht, die immer wieder als Wendepunkt des Pazifikkriegs bezeichnet wird, wieder zu einem symbolisch bedeutsamen, aber für den Kriegsverlauf letztlich nicht entscheidenden Ereignis gemacht. 

Zwar bleibt Midway bei Emmerich der Wendepunkt, den Hollywood seit John Fords Propagandafilm „The Battle of Midway“ regelmäßig wieder ins Programm aufnimmt. Doch Emmerichs Neuauflage fehlt das Gefühl eines von Amerikanern und Japanern geteilten, tragischen Schicksals, das Smight mit dem elegischen Ton seines Films in jeder Minute vor und nach den Kampfhandlungen spürbar machte. Auch wenn Emmerichs „Midway“ ebenfalls die Perspektiven beider Parteien abbildet, bleibt der Duktus dabei doch stets triumphal. Amerika erringt einen großen Sieg und Japan geht erhobenen Hauptes mit seinen Flugzeugträgern unter.

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