Smuggling Hendrix

Drama | Zypern 2018 | 92 Minuten

Regie: Marios Piperides

Ein erfolgloser Musiker aus Nikosia bereitet gerade seine Emigration in die Niederlande vor, als sein Hund in den griechisch besetzen Teil der Insel ausreißt. Beim Versuch, das Tier zurückzuholen, verheddert sich der Mann im Gestrüpp der EU-Bürokratie und gerät in immer größere Schwierigkeiten, als er sich mit einem Drogenschmuggler einlässt. Die unterhaltsame Satire wirft bei der Jagd durch die zypriotische Hauptstadt turbulent-melancholische Blicke auf das Lebensgefühl der geteilten Stadt. Interkulturelle Missverständnisse und die Spannungen zwischen unterschiedlichen Lebenseinstellungen schärfen das komische Profil. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SMUGGLING HENDRIX
Produktionsland
Zypern
Produktionsjahr
2018
Regie
Marios Piperides
Buch
Marios Piperides
Kamera
Christian Huck
Musik
Kostantis Papakonstantinou
Schnitt
Stylianos Constantinou
Darsteller
Adam Bousdoukos (Yiannis) · Fatih Al (Hasan) · Vicky Papadopoulou (Kika) · Özgür Karadeniz (Tuberk) · Toni Dimitriou (Pambos)
Länge
92 Minuten
Kinostart
14.11.2019
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Komödie
Diskussion

Unterhaltsame Satire um einen Hund, der vom griechischen in den türkischen Teil Zypern entwischt und in der Folge die menschlichen Dramen der Trennung illustriert.

Die Berliner Mauer ist gefallen, doch Nikosia, die Hauptstadt der Republik Zypern, ist immer noch geteilt. Aus der Ferne hört man den Muezzin, dann läuten die Glocken, und im Fernsehen läuft ein Bericht über Friedensverhandlungen zwischen dem Präsidenten von Zypern und dem Anführer der Zyperntürken. Man erfährt, dass der UN-Sonderbeauftragte sich für ein Ende der 43-jährigen Teilung der Insel ausspricht.

Ein Hund namens Jimi

Die große Altbauwohnung ist ziemlich unaufgeräumt. Ungeduldig springt ein weiß-braun gefleckter Hund auf das schwarze Ledersofa, wo sein Herrchen schläft. Der Kühlschrank ist leer, aber ein bisschen Hundefutter ist noch vorhanden. Yiannis (Adam Bousdoukos), ein 45-jähriger Tagträumer, hat große Pläne, bekommt aber nur wenig auf die Reihe. Seine Freundin hat ihn verlassen, sein Motorrad musste er verkaufen, nur der gemeinsame Hund ist ihm geblieben.

Jetzt hat der Musiker noch drei Tage bis zu seiner Ausreise; er träumt schon von einem besseren Leben und dem künstlerischen Durchbruch in den Niederlanden. Denn auf Zypern kann er nicht mehr bleiben: Seine Vermieterin reklamiert fünf ausstehende Monatsmieten, und auch die lokale Mafia ist hinter ihm her, von der er sich unvorsichtigerweise Geld geliehen hat.

Im Würgegriff der Bürokratie

Während er versucht, auch beim Gassigehen in der Altstadt diskret seinen Häschern auszuweichen, wirft sein Hund Jimi alle Planungen über den Haufen und rennt einfach davon, durch die engen Gassen an der Demarkationslinie und die UN-Pufferzone in den türkisch kontrollierten Teil der Insel. Dort fängt ihn ein türkischer Grenzbeamter ein. Also reist Yiannis mit seinem europäischen Pass über die Grenze in die international nicht anerkannte Republik Nordzypern, um Jimi zurückzuholen. Doch bei der Ausreise erklärt ihm der griechische Grenzpolizist, dass nach EU-Recht keine Tiere in die Europäische Union eingeführt werden dürfen.

Das ist eine so paradoxe wie ausweglose Situation. Yiannis kehrt mit Jimi in den türkischen Sektor zurück und dringt nach mehreren scheiternden Versuchen, mit dem Hund dennoch auf griechisches Gebiet zu gelangen, in ein altes Haus ein. Hier wohnt Hassan mit seiner Familie, doch Yiannis lässt ihn glauben, dass das Gebäude vor dem Krieg seinen Vorfahren gehört habe und jagt Hassan damit schreckliche Angst ein. Denn Hassan ist zwar auf Zypern geboren, allerdings als Kind illegaler türkischer Siedler, die dem Einmarsch der türkischen Armee 1974 in den Norden Zyperns gefolgt waren. Völkerrechtlich existiert Hassan gar nicht.

Neue Allianzen hinter alten Grenzen

Widerwillig und gegen den Rat seiner Familie verpflichtet Hassan sich, Yiannis dabei zu helfen, den Hund über die Grenze zu schmuggeln. Der Schmugglerkönig des türkischen Teils soll das Tier gegen viel Geld auf die andere Seite schaffen. In der Nacht muss Yiannis allerdings miterleben, wie alles schiefgeht, da die komplette Fracht mitsamt dem versteckten Hund beschlagnahmt wird. Jetzt gibt es nur noch eine Lösung: Yiannis’ Ex-Freundin muss helfen, und Hassan muss ein Boot besorgen. Ein weiteres Problem ist inzwischen dazugekommen: Jimi ist bis obenhin mit Drogen vollgestopft.

„Smuggling Hendrix“ ist eine bewegte, recht unterhaltsame Satire über das Lebensgefühl im gegenwärtigen Nikosia. Der Film entführt mit dynamischer Kamera in die Topografie der geteilten Stadt und wirft dabei einen ebenso spannenden wie komischen Blick auf die menschlichen Dramen des Zypern-Konflikts. Die ebenso turbulente wie melancholische Komödie von Regisseur Marios Piperides dreht sich um interkulturelle Missverständnisse zwischen den türkischen und griechischen Zyprioten, um die Spannungen zwischen materialistischen und idealistischen Lebensentwürfen und um neue Allianzen hinter alten Grenzen. Die Figuren sind sympathisch und skurril, aber keineswegs anbiedernd-gefällig. Am Ende bleiben viele Fragen offen, aber das Leben geht weiter und man spürt, dass diese Mauer wohl noch lange bestehen bleiben wird.

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