Drama | USA 2019 | 111 Minuten

Regie: Lorene Scafaria

In einem New Yorker Striptease-Club in der Nähe der Wall Street nimmt eine erfahrene Tänzerin eine Anfängerin unter ihre Fittiche und zeigt ihr alle Kniffe des Berufs. Das geht lange gut, bis mit dem Finanzcrash von 2008 die reichen Broker ausbleiben. In ihrer Not kommen die Frauen auf die Idee, Männer mit K.o.-Tropfen willenlos zu machen und dann ihre Bankkonten auszuplündern. Die nach einem wahren Fall erzählte Krimikomödie kreist um weibliche Solidarität, vernachlässigt aber die moralischen Probleme ihres kriminellen Handelns. Der stilistisch selbstbewusst inszenierte Film erliegt überdies seinen Oberflächenreizen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HUSTLERS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Lorene Scafaria
Buch
Lorene Scafaria
Kamera
Todd Banhazl
Schnitt
Kayla Emter
Darsteller
Jennifer Lopez (Ramona) · Constance Wu (Destiny) · Julia Stiles (Elizabeth) · Keke Palmer (Mercedes) · Lili Reinhart (Annabelle)
Länge
111 Minuten
Kinostart
28.11.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Komödie | Krimi

Heimkino

Verleih DVD
Leonine
Verleih Blu-ray
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Vier New Yorker Nightclub-Tänzerinnen verfallen auf kriminelle Ideen, als nach dem Börsencrash 2008 die zahlungskräftige Klientel ausbleibt.

Diskussion

Vier New Yorker Nightclub-Tänzerinnen verfallen auf kriminelle Ideen, als nach dem Börsencrash 2008 die zahlungskräftige Klientel ausbleibt.

New York, zu Beginn der 2000er-Jahre. Eine lange, ungeschnittene Kamerafahrt von der Garderobe über einen Flur eine Treppe hinab auf die Bühne, wo die kreischende Menge schon wartet, macht mit der Örtlichkeit vertraut: ein Stripclub. Hier fängt die unerfahrene Destiny zu arbeiten an, noch ungelenk und wenig überzeugt von dem, was sie da tut. Doch dann kommt Ramona. Im weißen G-String-Kostüm, das viel zeigt und trotzdem alles bedeckt, legt sie zu dem Fiona-Apple-Song „Criminal“ einen aufregenden Tanz an der Pool-Stange hin.

Ein Höchstmaß an Körperbeherrschung

Die Schauspielerin Jennifer Lopez und die von ihr gespielte Figur sind in dieser Szene von „Hustlers“ mit ihrer exhibitionistischen Lust, sich zu zeigen, fast deckungsgleich; zu dieser Performance gehört ein Höchstmaß an Energie und Körperbeherrschung! Die Männer im Publikum geraten aus dem Häuschen und bewerfen die Tänzerin mit Banknoten. Später nimmt Ramona Destiny unter ihre Fittiche. Sie zeigt ihr die Tricks und die richtigen Posen. Sie weiß, wie man den reichen Wall-Street-Brokern das Geld aus der Tasche zieht. Die Kasse stimmt.

Doch dann folgt der große Crash von 2008. Das Geld sitzt nicht mehr so locker, der Club bleibt leer. In ihrer Ratlosigkeit verfällt Ramona auf einen perfiden Plan: Mit K.-o.-Tropfen sollen potenzielle Opfer in einer Bar gefügig gemacht und dann in den Stripclub gelotst werden, wo man ihre Kreditkarten plündert. Mit Mercedes und Annabelle rekurriert sie zwei weitere Tänzerinnen. Zu viert machen sie sich, aufgebrezelt wie moderne Sirenen, ans Werk. Doch irgendwann geraten die nächtlichen Kontoplünderungen außer Kontrolle.

Von Frauen übers Ohr gehauen

Regisseurin Lorene Scafaria lässt die moralische Problemstellung der Handlung bewusst links liegen. Lange Zeit argumentiert der Film, dass die Männer, allesamt böse, verachtenswerte Broker, selbst schuld seien, wenn sie den Stripperinnen zum Opfer fallen. Da ihr Tun, nämlich einen Strip-Club zu besuchen, verwerflich ist, werden sie sich nicht beschweren. Mehr noch: Welcher Mann wird zugeben, dass er von einer Frau übers Ohr gehauen wurde?

Das ändert allerdings nichts am Straftatbestand der Körperverletzung und des Raubs. „Diese Stadt, das ganze Land, ist ein Stripclub. Auf der einen Seite sind die Leute, die mit dem Geld werfen, auf der anderen Seite die Menschen, die dafür tanzen“, behauptet Ramona – und denkt damit zu kurz. „Hustlers“ liegt eine eigentümliche Doppelmoral zugrunde: Die Frauen rechtfertigen ihr kriminelles Handeln, indem sie sich über Männer entrüsten, die ihnen auf der anderen Seite ein fürstliches Auskommen garantieren. Es gibt in diesem Film keine einzige positive Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, die den Geschlechterkampf zumindest ansatzweise auffangen könnte.

Die Grenzen weiblicher Solidarität

Im Gegenzug behauptet Scafaria eine starke Solidarität unter den Frauen, was zu Beginn auch gut funktioniert. Wenn Ramona auf dem Dach des Clubs die spärlich bekleidete Destiny einfach mit unter ihren Pelz bittet, ohne sie zu kennen, ist das eine große Geste. Auch die Selbstlosigkeit, mit der sie ihr alle Kniffe dieses Berufs beibringt, passt dazu. Doch als Polizei und Justiz aktiv werden, ist es mit dem Zusammenhalt schnell vorbei.

Das ergaunerte Geld indes wird mit vollen Händen ausgegeben, für Pelze und Schmuck und teure Wohnungen. Der hedonistische Konsumwahn findet in der von Julia Stiles gespielten Journalistin Elizabeth ein originelles Gegengewicht, die diese Geschichte recherchiert und dem Film eine Rückblenden-Struktur erlaubt. „Hustlers“ beruht lose auf einem Artikel von Jessica Pressler, der im „New York Magazine“ erschienen ist. In unscheinbaren Pullovern sitzt die Reporterin ihren Gesprächspartnerinnen gegenüber; ihre Wohnung ist klein und schlicht, den ergaunerten Reichtum nimmt sie neidlos zur Kenntnis. Diese Frau erwartet etwas anderes vom Leben.

Ein fetziger Soundtrack

Stilistisch haut Scafaria mit „Hustlers“ ordentlich auf die Pauke, mit Off-Erzählung, Zeitlupe, Zooms, einem fetzigen Soundtrack von Janet Jackson über Britney Spears bis Bob Seger, und natürlich mit viel nackter Haut. Es gibt also viel zu sehen, aber nur wenig zu spüren. Nur Geld zählen und ausgeben, ist als Lebensentwurf (und abendfüllende Unterhaltung) doch etwas wenig.

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