Winterland (2019)

Dokumentarfilm | USA 2019 | 78 Minuten

Regie: Todd Jones

Der Dokumentarfilm begleitet mehrere Freestyle-Ski-Akrobaten, die in den Rocky Mountains und anderen Hochgebirgen fast senkrechte Steilwände hinuntersausen und im halsbrecherischen Tempo ins Tal rasen. Die technisch makellosen, spektakulären Bilder aus allen erdenklichen Perspektiven verlieren auf Dauer aber an Reiz, weil man über die Skifahrer kaum etwas erfährt, die Läufe alle ähnlich aussehen und der Film außer Ortswechseln und einigen Archiv-Sequenzen über keine nennenswerte Dramaturgie verfügt. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
WINTERLAND
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Todd Jones · Jon Klaczkiewicz · Steve Jones
Kamera
Todd Jones · Dan Gibeau · Frederick Nordquist · Ben Dann · Austin Hopkins
Schnitt
Jill Garreffi · Charlotte Percle · Cam Boll
Länge
78 Minuten
Kinostart
05.12.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm | Sportfilm

Doku über Freestyle-Skiakrobaten, die nahezu senkrechte Wände hinuntersausen und im halsbrecherischen Tempo ins Tal rasen.

Diskussion

Filme, in denen Ski-Artisten ihr Können demonstrieren, gehören in den Kinos seit Jahren verlässlich zum Vorweihnachtsprogramm. Wahrscheinlich hat man die spektakulären Aktionen tollkühner Männer und Frauen auf Snowboards oder Skiern noch nie so atemberaubend in Szene gesetzt gesehen wie in „Winterland“. Die Routen, auf welchen die Freestyle-Asse die Berge hinunterrasen, haben mit gängigen Skipisten ungefähr so viel zu tun wie ein Fünf-Kilometer-Volkslauf mit dem Ironman auf Hawaii.

Da stürzen sie sich von Berggipfeln an nahezu senkrechten Wänden in die Tiefe, rasen haarscharf an Felsen oder Bäumen vorbei, durchfahren schmale Rinnen und bauen, wenn es das Gelände erlaubt, auch noch ein paar Salti oder Pirouetten ein. Als Normalsterblicher, der diese Routen nicht einmal schneefrei zu Fuß bewältigen könnte, sitzt man im Kinosessel und reibt sich verwundert die Augen.

Von den Rocky Mountains bis zu den Lofoten

Der Film folgt einem halben Dutzend dieser Ski-Akrobaten bei ihren Trips auf zwei Kontinenten. Von den Rocky Mountains geht es über die österreichischen Alpen und die norwegischen Lofoten bis nach Alaska. Wobei sich zu den Weltreisenden jeweils ein paar Lokalmatadoren gesellen.

Die spektakulären Abfahrten sind mit allen Mitteln der aktuellen Technik in Szene gesetzt. Die Perspektiven wechseln zwischen Totalen, in denen man die Akteure in breiten Hängen erst ausfindig machen muss, Helikopter- und Drohnen-Aufnahmen, und Bildern aus Helmkameras, bei denen man als Zuschauer unmittelbar im Steilhang nach unten schießt. Und da jeder Extremsportler auch mit einem Mikro ausgestattet wurde, ist man quasi auch live dabei, wenn es zwischendurch doch mal zu spektakulären Stürzen kommt und die Akteure handfeste Flüche ausstoßen. Doch die beiden Unfälle, die der Film dokumentiert, gehen letztlich glimpflich aus.

So spektakulär wie auf Dauer auch öde

Zudem arbeiten die Macher des Films, die in der Vergangenheit bereits eine Reihe ähnlicher Produktionen realisiert haben, exzessiv mit Zeitraffern und Zeitlupen und unterlegen das Geschehen nahezu durchgehend mit einem Soundtrack, der sich zwischen Grunge und Metal bewegt.

Das alles ist spektakulär bis atemraubend, aber auf Dauer auch ziemlich öde. Denn dem Film fehlt letztlich jede Form von Dramaturgie. Die Protagonisten werden nur kurz vorgestellt, und bei ihren Abfahrten erscheinen lediglich ihre Namen als Inserts, welche Persönlichkeiten sich hinter den verspiegelten Skibrillen verbergen, bleibt im Dunklen. Wer sie sind oder was sie antreibt, wird jenseits ein paar spärlicher Off-Kommentare nicht erklärt. Und auch die Steilhänge in den Rockies, Österreich oder Norwegen sehen allesamt ziemlich ähnlich aus. Durchaus dankbar ist man deshalb, wenn die Akteure zwischendurch im verschneiten Oslo ihre Fertigkeiten auf Skiern in der Manier von Skateboardern auf innerstädtischen Treppengeländern vorführen. Doch wenn ein paar Ski-Artisten sich nachts mit Stirnlampen auf den Weg machen, barfuß eiskalte Bäche durchqueren, um schließlich einen Gipfel als Ausgangspunkt ihrer rasanten Abfahrt zu erreichen, ist das nur eine inszenierte Alternative zu den sonst üblichen Helikopter-Anflügen. Dass es zu den Ortswechseln ein paar kurze, relativ belanglose Sequenzen mit Archivbildern über Pioniere des artistischen Skifahrens gibt, vermag den Film kaum aufzuwerten.

Ungeniertes Productplacement

Die letzten fünf Minuten sind einem 12-jährigen Nachwuchsstar der Szene namens Kai gewidmet, der seinen erwachsenen Vorbildern kaum nachsteht. Das mag man bewundern oder aber öde finden, weil seine Läufe exakt so aussehen wie die all seiner Mitstreiter zuvor. Und wer sich wundert, dass alle Beteiligten Klamotten desselben Outdoor-Ausrüsters tragen und abends am Lagerfeuer Whisky-Flaschen einer bestimmten Marke kreisen lassen, wird im Abspann in der Rubrik „Sponsoren“ fündig.

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