Komödie | USA/Irland 2019 | 87 Minuten

Regie: Steve Barron

Ein gealterter Superheld lebt mit anderen früheren Mitkämpfern in einem Altersheim in Irland und hadert als einziger offen mit seinem würdelosen Schicksal. Erst als die Kräfte der alten Helden immer weiter schwinden, raffen sie sich noch einmal auf, um gegen die mutmaßliche Verschwörung anzugehen. Eine als Superhelden-Parodie annoncierte Komödie, die sich mit müdem Witz in präpubertären Scherzen suhlt und in ihren Spitzen gegen die Comic-Jugendkultur ausgesprochen altbacken daherkommt. Das Thema des Alters wird zudem nur in Form fahrlässiger Karikaturen verhandelt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SUPERVIZED
Produktionsland
USA/Irland
Produktionsjahr
2019
Regie
Steve Barron
Buch
Andy Briggs · John Niven · Roger Drew · Ed Dyson
Kamera
Sam Renton
Musik
Ed Harcourt
Schnitt
Catherine Creed · Mark Davies
Darsteller
Tom Berenger (Ray) · Beau Bridges (Ted) · Fionnula Flanagan (Madera) · Louis Gossett jr. (Pendle) · Aaron Heffernan (Flynn)
Länge
87 Minuten
Kinostart
12.12.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Komödie über eine Gruppe alter, erschöpfter Superhelden, die angesichts beunruhigender Entwicklungen aus dem Altersheim heraus noch einmal zur Heldenmission aufbrechen.

Diskussion

Das Kino spiegelt sein Publikum wider. Der durchschnittliche Besucher wird zunehmend älter, und so sind Arthouse-Kinos wie Multiplexsäle voll von letzten Gefechten. Die alte Garde der Actionhelden – Schwarzenegger, Stallone & Co. – kämpft verzweifelt gegen die eigene Obsoleszenz. In den Filmkunsttheatern verliebt man sich ein letztes Mal oder bricht aus Altenheimen aus; man beweist, dass in den morschen Knochen noch die Kraft für eine eigene Geschichte ruht.

Selbst in der Welt der unverwüstlichen Superhelden ist mit Filmen wie „Logan“ vereinzelt ein Hauch von Sterblichkeit zu spüren. Sowohl große Blockbuster-Serien wie „Star Wars“ als auch angesehene Autorenfilmer wie Martin Scorsese arbeiten mit einer Technologie, die Darsteller jünger erscheinen lässt. Deshalb hätte „Supervized“ eigentlich der Film der Stunde werden können, ein logischer Endpunkt verschiedener Entwicklungen, ein Blick mit Tränen im zwinkernden Auge. In Wirklichkeit ist die fast senile Superhelden-Parodie von Steve Barron aber ein Film über nichts und für niemanden. Eine Seherfahrung, die dem Windstoß aus einer modrigen Luftpumpe gleicht.

Vom Verfallen der Körper

Vom Verfallen der Körper zeugt schon die erste Einstellung: Nach der vermutlich vom Neffen des Regisseurs mit „Microsoft Paint“ animierten Titelsequenz hält Tom Berenger seinen nackten siebzigjährigen Hintern in die Kamera, was das Niveau des Films vorgibt. Das faltige Gesäß gehört Ray, der lang unter dem Namen „Maximum Justice“ für Gerechtigkeit und gegen finstere Schurken gekämpft hat. Jetzt fristet er ein trost- und würdeloses Restleben in einem zum Altersheim für Superhelden umfunktionierten Anwesen in Irland. Von seinen telekinetischen Fähigkeiten ist kaum noch etwas übriggeblieben, von seiner Familie hat er sich entfremdet.

Als Ersatzfamilie dienen ihm jetzt die anderen Ex-Heroen: sein früherer Rivale „Total Thunder“ (Louis Gossett Jr.), mit dem er um das Herz der mächtigen Madera (Fionnula Flanagan) gekämpft hat. Dazu kommen sein Freund „Shimmy“ Ted (Beau Bridges) und ein ehemaliger Sowjet-Schurke (Elya Baskin), der dank des CIA-Zeugenschutzprogramm jetzt unter dem Namen Brian mit ihnen lebt.

Als die Helden ihre Kräfte schwinden und wenig später gänzlich verschwinden fühlen, wittert Ray eine große Verschwörung. Die altersmüden Superkämpfer bündeln ihre verbliebenen Kräfte für ein letztes Abenteuer.

Noch abgekämpfter als seine Figuren

Das zentrale Problem von „Supervized“ ist, dass er noch abgekämpfter und kraftloser daherkommt als seine Figuren. Trotz seiner gerade mal 87 Minuten Laufzeit wirkt er vier Stunden zu lang. Den zweifelsohne begabten Darstellern will man in manchen Szenen gerne einen Defibrillator auf die Brust drücken, da sie derart untot über die schummrig-engen Sets wanken. Alles hat überdies die Anmutung eines ausgedehnten YouTube-Sketches.

Humor ist natürlich etwas ungemein Subjektives. Der von „Supervized“ könnte als großer Einheitsbringer in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spaltung dienen. Doch unabhängig von Herkunft und Weltanschauung sollte man sich darauf verständigen kann, dass Gag-Placebos von minderer Qualität sind. Lustlos werden die erwartbaren Scherze abgespult, wobei das Naheliegendste noch fürs Allernaheliegendste aufgegeben wird. Es geht nicht um tiefhängende Früchte, sondern um tonnenweise Fallobst. Da „Hurricane Jane“ einst Windkräfte besaß, blödeln die Figuren über „Blow-Jobs“. Ein an „Thor“ erinnernder Hammer wird zum Krocket-Spielen eingesetzt.

Das Thema des Alters, das mit seinem Potenzial zur Verunsicherung immer schon eine Quelle großen Witzes war, wird humoresk nie erforscht, sondern lediglich fahrlässig karikiert. Präpubertäre Scherzchen über Viagra und Erektionsprobleme wirken anmaßend, wenn die Spannungskurve des Films sich nie so recht aufrichten will. Meist suhlt sich die Inszenierung auf träge Weise im Vulgären, ohne dass je ein Gefühl des Anarchisch-Befreienden entstehen würde. „Supervized“ ist wie ein peinlich-angetrunkene Onkel auf dem Familienfest, um den man einen großen Bogen macht. Nicht, weil sein Humor zu schneidend wäre, sondern aus einer Mischung von Abscheu und Mitleid.

Im Zeitgeist der 1990er-Jahre stecken geblieben

Der ehemalige Musikvideo-Regisseur Steve Barron wurde mit Musikvideos, Popkultur-Artefakte wie „Teenage Mutant Ninja Turtles“ (1989) oder Projekten ehemaliger Mitglieder der „Saturday Night Live“-Show bekannt. Sein früher ungemein zeitgeistiges Kino wirkt heute hoffnungslos überholt. Barrons ästhetisches und erzählerisches Ausdrucksvermögen hat sich seitdem wohl nicht weiterentwickelt. Wenn hohle und ungemein homophobe „gay panic“-Witze wie aus alten Sitcoms ausgegraben werden, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. In seiner Rhetorik wirkt „Supervized“ oft wie aus den 1990er-Jahren. Ein Mahnmal für die kollektive Entwicklungshemmung der Nerd- und Geek-Kultur.

Seinem Gegenstand, dem Superheldenfilm, kommt „Supervized“ nie wirklich nahe. Mit den modernen Effekt- und Materialstürmen des Genres hat er nichts gemein. Dabei gäbe so viel zu veralbern und zu kritisieren; die Angriffsfläche des hegemonialen Übermenschen-Zirkus ist gewaltig. Es bräuchte Gegenstimmen wie zuletzt die von Scorsese, Coppola & Co. Eine kritische Reflexion des Leinwand-Status-Quo könnte nicht nur befriedigend, sondern auch befreiend sein. Filme drehen, um Filme zu kritisieren, wie bei der Nouvelle Vague. Humor ist eine Art des Denkens mit schwer beherrschbarer Gestaltungskraft. Doch Barrons Schläge sind nur angetäuscht; außerdem zielen sie auf einen Gegner, den es seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. So werden Superhelden hier als Droge präsentiert, an der sich Teenager berauschen. Dabei richten sich Comic-Geschichten längst nicht mehr an die Jugendkultur, sondern interessieren bis weit ins mittlere Alter.

Man sollte nur das parodieren, was man auch versteht! Zumal selbst einst so geschmähte Kinderunterhaltung wie „Batman & Robin“ oder „Superman IV“ in jedem Einzelbild mehr Esprit, Erfindergeist und Unterhaltungswert enthält, als Barrons Film während der gesamten Laufzeit entwickeln kann. „Supervized“ ist das Produkt eines Kinos, das sich längst aufgegeben hat.

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