Latte Igel und der magische Wasserstein

Abenteuer | Deutschland/Belgien 2019 | 82 Minuten

Regie: Regina Welker

Verfilmung des gleichnamigen, 1959 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Kinderbuchs von Sebastian Lybeck über eine kleine Igelin, die sich auf eine abenteuerliche Reise nach dem magischen Wasserstein macht, um den Wald und seine Bewohner aus einer bedrohlichen Dürre zu retten. Dabei erlebt sie zusammen mit einem kleinen Eichhörnchen aufregende Abenteuer. Der in vielen Momenten fast fotorealistisch anmutende Animationsfilm setzt mehr auf technische Brillanz als auf erzählerische Finesse, wobei ein surreal-schräges Wasserballett von Bären in den besten Momenten sogar an den Disney-Klassiker „Fantasia“ heranreicht. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Belgien
Produktionsjahr
2019
Regie
Regina Welker · Nina Wels
Buch
Martin Behnke · Andrea Deppert
Musik
Andreas Hoge
Länge
82 Minuten
Kinostart
26.12.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Abenteuer | Animation | Familienfilm | Kinderfilm

Beinahe fotorealistisch anmutender Animationsfilm nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Sebastian Lybeck.

Diskussion

Eigentlich sollte man meinen, dass inzwischen alles an populärer Kinderbuchliteratur, die in den letzten Jahrzehnten geschrieben wurde, längst auch die große Leinwand erobert habe. Doch weit gefehlt. Mit „Latte Igel und der magische Wasserstein“ kommt nun ein Film in die Kinos, dessen Vorlage bereits mehr als 60 Jahre auf dem Buckel hat. Sie stammt von dem finnischen Autor Sebastian Lybeck, der dafür 1959 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Seine Geschichte um die Abenteuer eines kleinen Igelmädchens namens Latte besitzt auch heute noch erstaunliche Aktualität, geht es doch um eine der global immer knapper werdenden Ressourcen: das Wasser.

Gefährliche Abenteuer auf den Weg zum Bärenkönig

Die ökologische Komponente wird allerdings nur gestreift. Die Regisseurinnen Nina Wels, die erste Animationserfahrungen bei Großprojekten wie „Der kleine Drache Kokosnuss“ oder „Ritter Rost“ sammelte, und Regina Welker, Absolventin des Animationsinstituts Ludwigsburg, wollen lieber kurzweilig und spannend unterhalten. In dem in Bezug auf Story und Struktur stark an die „Der kleine Rabe Socke“-Adaptionen erinnernden Plot geht es um das ebenso freche wie mutige Igelmädchen Latte, das immer an allem schuld ist.

Da in dem Wald, in dem Latte mit vielen anderen Tieren lebt, seit längerem akute Wasserknappheit herrscht, macht sie sich auf die Suche nach dem magischen Wasserstein, mit dessen Hilfe das kostbare Nass wieder in den Wald zurückkehren könnte. Auf ihrer Suche begegnet Latte gefährlichen wilden Tieren wie dem Luchs (der als einzige der handelnden Figuren irritierenderweise nicht sprechen, sondern nur fauchen kann), einem durchtriebenen Wolfs-Trio, einem stotternden Biber und dem mächtigen Bärenkönig. Diese brenzligen Situationen muss die kleine Igelin allerdings nicht allein überstehen; unterstützt wird sie unter anderem von dem eher schüchternen Eichhörnchen Tjum, das nach und nach mit seiner Aufgabe wächst und schließlich zum unersetzlichen Partner und Freund für Latte wird.

Wilde Verfolgungsjagden und Rutschpartien

Die Verfilmung zeichnet sich durch ein Höchstmaß an Sorgfalt aus. Die Bilder besitzen dreidimensionale Tiefe, die Hintergründe sind nicht bloße Staffage, sondern werden immer wieder in das Geschehen miteingebunden. Und Wasser und Felle sehen zumindest ansatzweise wie Wasser und Felle aus. Die Farben sind blass und fahl, es dominieren Grau-, Braun- und Beige-Töne; damit entspricht die Kolorierung konsequent dem, was man sich unter einer Landschaft, in der akuter Wassermangel herrscht, vorstellt.

Zudem geben sich die Regisseurinnen viel Mühe, die Action hochzuhalten. Immer wieder kommt es zu wilden Verfolgungsjagden oder rasanten Rutschpartien, bei denen Latte als stachelige Kugel besonders gut performt, was vor allem das etwas ältere Publikum bei Laune hält; Vorschulkinder dürften sich überfordert fühlen, auch angesichts vieler Nachtszenen in unwirtlicher Umgebung.

Ein Highlight der Inszenierung ist das Wasserballett mit Pirouetten drehenden Tanzbären, das in seinen besten Momenten an den Disney-Klassiker „Fantasia“ erinnert, auch wenn es nicht dessen künstlerische Finesse erreicht. Die Sequenzen mit den Bären verleihen „Latte Igel“ generell etwas Schräges, fast schon Surreales, was nicht immer zu der insgesamt arg konventionell erzählten Geschichte passt.

Der richtige Mix aus Schnoddrigkeit und Lebensfreude

Die Regisseurinnen geben sich Mühe, den Tieren eine moderne, zeitgemäße Sprache in den Mund zu legen („Du alter Motzstachel“, „Jetzt quatsch ich schon mit Steinen“). Das funktioniert gut, zumal man bei der Auswahl der Synchronsprecher auf Qualität und nicht auf Prominenz setzte. So verleiht Luisa Wietzorek der kleinen Igelin genau den richtigen Mix aus Schnoddrigkeit, Draufgängertum und Lebensfreude. Alles in allem ist „Latte Igel und der magische Wasserstein“ ein Werk, das vor allem auf technischer und weniger auf erzählerischer Ebene punkten kann.

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