The First Temptation of Christ

Komödie | Brasilien 2019 | 46 Minuten

Regie: Rodrigo Van Der Put

Ein Weihnachtsspecial der brasilianischen Komiker-Formation Porta dos Fundos als komödiantischer Jesusfilm, bei dem die Feier des 30. Geburtstags des Messias einen unerwarteten Verlauf nimmt, als das Geburtstagskind seinen neuen Freund zur Heiligen Familie mitbringt. Die Parodie der Weihnachtsgeschichte liegt in der konsequenten Vermenschlichung des Heiligen, in der Verbindung des Göttlichen mit profanen menschlichen Schwächen und Begierden. Die kindlich-karnevaleske Freude an der Umkehrung aller Werte läuft allerdings immer Gefahr, in derben Schenkelklopf-Humor abzugleiten. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
A PRIMEIRA TENTACAO DE CRISTO
Produktionsland
Brasilien
Produktionsjahr
2019
Regie
Rodrigo Van Der Put
Kamera
Rodrigo Graciosa
Darsteller
Gregório Duvivier (Jesus) · Fábio Porchat (Orlando) · Antonio Tabet (Gott) · Evelyn Castro (Maria) · Rafael Portugal (Josef)
Länge
46 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie | Satire

Die brasilianische Komikertruppe „Porta dos fundos“ stellt die Weihnachtsgeschichte in parodistisch-polemischer Absicht nach.

Diskussion

Im Weihnachtsstall hängt der Haussegen schief: Maria (Evelyn Castro) und Josef (Rafael Portugal) haben eine Überraschungsparty für ihren Sprössling organisiert, und 30 Jahre nach der Heiligen Nacht sind auch die Heiligen drei Könige wieder unterwegs. Doch Jesus (Gregorio Duvivier) ist von seinem 40- tägigen Ausflug in die Wüste noch nicht zurückgekehrt. Unter den Gästen wartet auch Gottvater (Antonio Tabet), den Jesus nur als Onkel Vitorio kennt. Zum Geburtstag möchte er den jungen Mann endlich über die wahre Vaterschaft aufklären; er hat seine ganz eigenen Pläne mit ihm. Josef grollt und Maria ist nervös. Zwischen Gottvater und dem Zimmermann herrscht tiefe Feindschaft.

Als Jesus endlich das Haus betritt, ist die Stimmung entsprechend angespannt – und wird bald noch angespannter. Denn das Geburtstagskind bringt einen jungen Mann mit, Orlando (Fabio Porchat), der mit seinen geschminkten Augen, den gefärbten Haaren und einer lasziv gespreizten Stimme schnell zum Zentrum der Feier wird. Jesus selbst, frisch verliebt in seinen Gefährten, ist ein naiver junger Mann, der lieber Jongleur sein möchte als Gottes Sohn. Die ganze Last wird ihm zu viel, auch wenn er jetzt Wasser in Wein verwandeln kann.

Im Traum begegnet er Buddha, Shiva und anderen Gottheiten, die im alle zureden, Gott zu werden. Aber schon hat sich Orlando zu Gottes Sohn erklärt und will sich fortan die Weltherrschaft nicht mehr streitig machen lassen. Er outet sich als Luzifer und fängt wild mit Maria zu flirten an.

Wenn das Heilige vermenschlicht wird

Der nur 43 Minuten lange „Weihnachtsfilm“ der brasilianischen Komikertruppe „Porta dos fundos“ (zu Deutsch: Hintertür) besitzt starke Anklänge an Monthy Pythons „Das Leben des Brian“; die brasilianische Version der Heiligen Familie erinnert aber auch an Jacques Offenbachs komischen Götterclan in „Orpheus in der Unterwelt“; der amtsmüde Onkel Vitorio hat mehr mit dem Frauenheld Jupiter als mit dem gestrengen alttestamentarischen Zebaoth gemein. Die bekannten Figuren wirken menschlich, allzu menschlich, von den ewig zerstrittenen Heiligen drei Königen über den Versager Josef bis zu einer sehr selbstbewussten Maria, die sich überlegt, ob sie in ihrem Leben nicht einiges falsch gemacht hat.

Die Provokation dieser und anderer Parodien der Weihnachtsgeschichte liegt in der konsequenten Vermenschlichung des Heiligen, in der Verbindung des Göttlichen mit profanen menschlichen Schwächen und Begierden. Die kindlich-karnevaleske Freude an der Umkehrung aller Werte läuft allerdings immer Gefahr, in derben Schenkelklopf-Humor abzugleiten.

Taugt das Kreuz als Logo?

Für die brasilianischen Komiker, deren erfolgreichem Youtube-Kanal derzeit 16,2 Mio. Abonnenten folgen, ist die Religion kein Neuland: In ihren Weihnachtsprogramm „Special de Natal“ widmen sie sich schon länger bekannten Bibelgeschichten. In einer Art Realityshow wird Jesus darin mit seinem vermeintlichen und seinem wirklichen Vater konfrontiert, an anderer Stelle erzählt Noah die wahre Geschichte der Arche, und in einem Sketch streiten die Apostel, ob sich das Kruzifix wirklich als Markenzeichen für ihre neue Religion eigne.

„The First Temptation of Christ“ ist das erste Projekt der Gruppe, das via Netflix auch in Deutschland zu sehen ist. Richtigen Biss entfaltet die spielerische, aber keineswegs bösartige Verballhornung der Heiligen Familie hierzulande freilich wohl kaum, im Gegensatz zu Brasilien, wo „Porta dos fundos“ von konservativen Politikern, den wachsenden evangelikalen Gruppen, aber auch von Katholiken als gezielte Provokation empfunden wird und eine homosexuelle Jesus-Figur Stürme der Entrüstung auslösen kann.

Der Youtube-Kanal von „Porta dos Fundos“ wurde 2012 von den ehemaligen Fernsehmitarbeitern Fábio Porchat, Antonio Pedro Tabet, Gregorio Duvivier, João Vicente de Castro und Ian SBF gegründet. Er bietet ihnen Raum für Themen, die im herkömmlichen Fernsehen Anzeigenkunden, Geldgeber, oder Parteien, Institutionen und Verbände verprellen könnten, etwa die katholische Kirche und die evangelikalen Gemeinden. Ein Klassiker ist mittlerweile das Video „Oh, Meu Deus!“ („Oh mein Gott!“), in dem ein Frauenarzt zwischen den Beinen einer Patientin den Heiland sieht und eine exaltierte Frömmigkeit die Praxis erfüllt, während die Schwangere auf dem Stuhl nur fassungslos zuschauen kann.

Wütende Proteste in den Sozialen Medien

Marco Feliciano, ein bekannter Kongressabgeordneter und evangelikaler Pastor, twitterte erregt gegen das Video: „Es ist demütigend, wenn auf so eine gemeine Weise von Jesus Christus gesprochen wird“. Und forderte strafrechtliche Konsequenzen. Auch auf „The First Temptation of Christ“ folgten schon wütende Reaktionen in den sozialen Netzwerken: „Jesus als naiver Schwuler, das ist zu viel!“, polterte es auf einer evangelikalen Seite. Andere sammeln Unterschriften, damit Netflix die „gräuliche Gotteslästerung“ aus dem Programm nimmt, und auch das katholische Portal „rainha Maria“ („Königin Maria“) forderte von Netflix einen Boykott: „In 2000 Jahren Christentum hatte Blasphemie niemals so eine große Reichweite.“ Die sich durch die Protestkampagnen wahrscheinlich noch erhöhen wird.

 

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