Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 140 Minuten

Regie: George Inci

Dokumentarfilm eines Paares über den eigenen Sohn, der aufgrund fehlender Nieren kurz nach der Geburt starb. Trotz der Diagnose, dass ihr Kind nicht lebensfähig sein würde, hatten die Eltern entschieden, es auf die Welt zu bringen. Die Dokumentation zeichnet in eigenen Erinnerungen und denen zahlreicher Weggefährten die Monate der Schwangerschaft nach. Dazu kommen von der Mutter verfasste und rezitierte, poetische Hymnen an ihren Sohn, die mit meditativen Naturbildern unterlegt sind. Der positiv gestimmte Film über Trauerarbeit bewegt sich allerdings oft am Rande zur Esoterik und kommt den Personen trotz seiner Länge kaum nahe. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
George Inci
Buch
George Inci
Kamera
George Inci
Musik
George Inci
Schnitt
George Inci
Länge
140 Minuten
Kinostart
16.01.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Dokumentarfilm eines Paares über den eigenen Sohn, der aufgrund fehlender Nieren kurz nach der Geburt starb, in einer Abfolge positiver Erinnerungen an die Schwangerschaft und Hymnen an den Sohn als persönliche Form der Trauerarbeit.

Diskussion

Die Geburt eines Kindes gilt gemeinhin als der Beginn eines neuen Lebens. Aber wie geht man als Eltern damit um, wenn man schon vorher weiß, dass der Geburtstag des erwarteten Kindes vermutlich auch sein Todestag sein wird? In der zwanzigsten Schwangerschaftswoche bekamen Beatrice und ihr Mann George die niederschmetternde Diagnose, dass ihrem Sohn die Nieren fehlten und er somit nach der Geburt keine Überlebenschance haben würde. Die große Mehrzahl angehender Eltern würde in einem solchen Fall vermutlich einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Beatrice und George entschieden sich anders und beschlossen, dass ihr Sohn, dem sie inzwischen den Namen Timon gegeben hatten, trotz der düsteren Prognose auf natürlichem Weg das Licht der Welt erblicken sollte. Timon verstarb, wie zu befürchten stand, kurz nach seiner Geburt.

Die Dokumentation „Berührt“, die erst nach dem Tod des Sohnes entstand, ist der Versuch des Paares George Inci und Beatrice von Moreau, die in Eigenregie und -verleih schon mehrere Filme umgesetzt haben, die Zeit der Schwangerschaft noch einmal Revue passieren zu lassen. Zum einen kommt darin eine Vielzahl von Wegbegleitern zu Wort. Freunde und Freundinnen, Hebammen, Ärztinnen, Psychologen und eine Bestatterin. Sie sind allesamt voll des Lobes für Beatrice und George und ihre Entscheidung. Die Statements sind zum Teil intime Erinnerungen, die in erster Linie an das Paar gerichtet sind, das dabei zuweilen auch im Bild zu sehen ist. Da fallen Sätze wie „Ich habe euch beide als sehr authentisch in Erinnerung.“ (Hebamme), „Der Seele höchstes Gut ist nicht das Leben, sondern die Liebe.“ (Psychologe) oder „Der Tod ist eine Himmelsgeburt.“ (Bestatterin).

Übersteigerte Geistigkeit und Hymnen auf den verstorbenen Sohn

Wem solche übersteigerte Geistigkeit fremd ist, wird mit diesen Formulierungen so wenig anfangen können wie mit dem Rest des Films. Denn zu den Erinnerungen kommen noch viele von Beatrice von Moreau verfasste und im Off rezitierte Gedichte. Die eher schlichten Poeme sind allesamt Hymnen („Unser Stern, unser Himmelsgeschenk“) auf den verstorbenen Sohn, die in der Regel zu meditativen, teils verfremdeten Bildern von Blumen und anderen Gewächsen vorgetragen werden.

Dabei ist der Grundton des Films nicht von Verbitterung oder Klagen geprägt, sondern durchaus heiterer. Die Eltern wie ihre Weggefährten haben nur positive Erinnerungen an die Zeit der Schwangerschaft. Ob es da zwischendurch nicht doch mal Zweifel ob der Richtigkeit der Entscheidung gab, bleibt ebenso außen vor wie – von ein paar Urlaubssequenzen abgesehen – das sonstige Leben von Beatrice von Moreau und George Inci, denen man trotz der großen Intimität des Films so wenig nahekommt wie all den anderen Protagonisten. Den ganzen Film über ist von nichts anderem als von Timon die Rede, mit dem die Mutter nach eigenem Bekunden auch heute noch Zwiesprache hält. Dass während seiner Geburt ein heftiges Gewitter tobte und „Blitze wie ein Feuerwerk“ (Beatrice von Moreau) zuckten, hält sie natürlich für ein Zeichen. Für was auch immer.

Persönliche Trauerarbeit

Letztlich lässt sich in der von den Eltern gedrehten und produzierten Dokumentation ein Stück persönlicher Trauerarbeit sehen. Der Film hat fraglos seine berührenden Momente, bewegt sich bisweilen aber auch an der Grenze zu esoterischen Erkundungen und ist zudem mit 140 Minuten Laufzeit entschieden zu lang geraten.

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