Science-Fiction | Russland 2019 | 111 Minuten

Regie: Nikita Argunow

Ein Architekt erwacht nach einem Unfall in einer irrealen Zwischenwelt, in der Menschen leben, die in der realen Welt im Koma liegen. Von einigen Schicksalsgenossen wird er in die Sicherheitszone einer Industrieruine gebracht, wo sich ihm nach einiger Zeit enthüllt, warum er in dieser dystopischen Sphäre gelandet ist. Russischer Science-Fiction-Film mit digital erzeugten Welten von eindrucksvoller visueller Kraft, deren Vorführcharakter lange Zeit die Spannungseffekte niedrig hält. Erst mit dem späten Auftritt eines konkreten Feindes erhält der mäandernde Film eine dramaturgische Richtung, was seiner Zerfahrenheit aber nur bedingt entgegenwirkt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
KOMA
Produktionsland
Russland
Produktionsjahr
2019
Regie
Nikita Argunow
Buch
Nikita Argunow · Timofei Dekin · Alexej Grawitski
Kamera
Sergej Dyschuk
Musik
Ilja Andrus
Darsteller
Rinal Muchametow (Victor, der Architekt) · Alexei Serebrjakow (Yan) · Anton Pampusnij (Phantom) · Wilen Babitschew (Tank) · Albert Kobrowski (Alba)
Länge
111 Minuten
Kinostart
06.02.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Science-Fiction

Visuell beeindruckender russischer Science-Fiction-Film, in der ein Architekt in einer irrealen dystopischen Welt erwacht und von einem finsteren Plan erfährt, in den er eingebunden werden soll.

Diskussion

„Es gibt einen Ausweg.“ Doch das Versprechen, dass sich immer wieder in Erinnerungsfetzen auf einem ominösen Plakat manifestiert, ist für Viktor (Rinal Muchametow) noch in diffuser Ferne. Denn, wo ist er überhaupt? Seine Welt, wie er sie bislang kannte, stürzt im wahrsten Sinne des Wortes über ihm zusammen. Als er aufwacht, führen all die bekannten Destinationen aus seiner Erinnerung wie in Schleifen über sein Haupt in die Unendlichkeit. Ist die Welt aus den Angeln gehoben? Gelten die Regeln der Schwerkraft wirklich nicht mehr? Oder ist es nur ein Fiebertraum nach seinem Verkehrsunfall?

Noch ganz unsicher auf den Beinen und übermannt von den surrealen Eindrücken wird er von Phantom (Anton Pampusnij) und Fly (Ljubow Aksjonowa) mitgerissen. Sie sind auf der Flucht durch die Dimensionen, gejagt von einem vermeintlich todbringenden „Reaper“. Die Menschen, die sich in dieser fragmentarischen Welt begegnen, finden allenfalls Zuflucht in einer abgelegenen Industrieruine, in der Fantom die physische und Yan (Aleksei Serebriakow) die organisatorische Führungsposition innerhalb der wenig homogenen Gruppe von Außenseitern innehat.

In der farbenfrohen Zwischenwelt

Hier, in vermeintlicher Sicherheit, erfährt Viktor auch, was sein wirkliches Schicksal ist: Er befindet sich in einer Art Zwischenwelt, in der sich alle versammeln, die in der realen Welt im Koma liegen. Hier ergeben die Gedankenfetzen der körperlich Sedierten ein erstaunlich farbenfrohes, abenteuerliches Amalgam aus Natur und Kultur, in der alles möglich scheint. Wären nicht die schwarzen amorphen Reaper, die Welt hier im Koma könnte eine verheißungsvolle sein, in der sich sogar Zuneigungen entwickeln, wie zwischen Victor und Fly.

Nikita Argunows Science-Fiction-Thriller „Coma” ist zuallererst ein optisches Erlebnis. Die Welten, die das Effekte-Team hier aus dem Computer zaubert, sind von Christopher Nolans Inception ebenso inspiriert wie von Alex Proyas’ Dark City. Doch die Dystopie, mithin die Spannung will sich zunächst nicht wirklich einstellen. Zwar werden gruppendynamische Zwistigkeiten angedeutet, und der Kampf gegen die mysteriösen Geistwesen bewirkt ein kurzes Aufflackern der Spannungskurve, doch das große Ganze in der Geschichte bleibt eigentümlich diffus.

Man muss gut eine Stunde warten, bis der Kern des Dramas und mithin Viktors Bestimmung klar wird. Denn die Zusammenkunft der bunt gemischten Truppe ist alles andere als zufällig. Mal wieder hält ein Wissenschaftler die Fäden in der Hand und kreiert eine fast schon epische Versuchsanordnung. Denn es gibt eine sektenartige Verbindung in Russland, deren Kopf eine heile Welt außerhalb der unsrigen kreieren will, in der sich reiche Kunden flüchten könnten, um der Tristesse der aktuellen Welt entfliehen zu können. Diese heile Koma-Welt für die Geister einer Elite bedarf nur eines schön und zweckmäßig designten Luxusumfelds. Und das soll Viktor durch reine Gedankenkraft erstellen. Denn er ist Architekt, und ein höchst visionärer noch zudem.

Plötzlich ein greifbarer Feind

Nach der Hälfte planlosen Mäanderns bekommt „Koma“ mit der „Mad Scientist“-Figur und deren Weltveränderungsplänen plötzlich einen greifbaren Feind, der den Aktionen der Handelnden eine Richtung gibt. Denn Viktor ist alles andere als begeistert von den grotesken Plänen des Weltverbesserers und möchte mit Fly zurück auf die reale Erde mit all ihren Unzulänglichkeiten, aber auch mit der Möglichkeit einer rein physisch erfahrbaren Liebe.

Es gibt einen Ausweg aus diesem Multidimensions-Schlamassel und Victor ist kurz davor, ihn zu entdecken. Für den dramaturgischen Teil des Films kommt diese Erkenntnis indes ein wenig zu spät. Doch „Coma“ bleibt zumindest die visuelle Ebene, die trotz aller losen und verhedderten Handlungsfäden des Films von einer atemberaubenden Kraft zeugt.

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