Lassie - Eine abenteuerliche Reise

Abenteuer | Deutschland 2020 | 96 Minuten

Regie: Hanno Olderdissen

Neuverfilmung des Romans „Lassie Come Home“ von Eric Knight, die vom England der 1930er-Jahre nach Deutschland verlegt wurde: Ein Junge muss hinnehmen, dass seine geliebte Collie-Hündin in die Obhut eines Grafen gegeben wird, weil in der elterlichen Wohnung keine Tiere erlaubt sind. Als der Graf die Hündin mit auf eine Nordsee-Insel nimmt, ergreift sie die Flucht und macht sich quer durch Deutschland auf den Rückweg zu ihrem Herrchen. Die Neuinterpretation ist für Kinder packend, lenkt allerdings mit zahlreichen dramatischen Stolpersteinen vom eigentlichen Konflikt ab und vermittelt kaum Gefühl für Entfernungen und Anstrengungen. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Hanno Olderdissen
Buch
Jane Ainscough
Kamera
Martin Schlecht
Musik
Enis Rotthoff
Schnitt
Nicole Kortlüke
Darsteller
Nico Marischka (Flo) · Sebastian Bezzel (Andreas) · Anna Maria Mühe (Sandra) · Bella Bading (Priscilla) · Matthias Habich (Graf von Sprengel)
Länge
96 Minuten
Kinostart
20.02.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Abenteuer | Familienfilm | Literaturverfilmung

Eine nach Deutschland verlegte Neuverfilmung des Romans um die unzertrennliche Freundschaft zwischen einem Kind und seiner über alles geliebten Collie-Hündin.

Diskussion

Lassie ist so etwas wie ein Mythos der Moderne. Erfunden hat die Collie-Dame 1938 der Brite Eric Knight (1897-1943), zunächst für eine Kurzgeschichte, dann, 1940, für den Roman „Lassie Come Home“. Das ist auch der Originaltitel von Lassies erstem Kinoauftritt drei Jahre später, in Deutschland als Heimweh gelaufen. Unter anderem ist die damals elfjährige Elizabeth Taylor darin in ihrem zweiten Film zu sehen und wurde zum Star. Ab 1954 folgte dann die berühmte langlebige Serie, die bis 1973 in immerhin 19 Staffeln über die Bildschirme flimmerte. Jon Provost spielte zwischen 1957 und 1964 den kleinen Timmy und wurde zum Inbegriff des adretten, freundlichen Buben, der zu echter Freundschaft fähig war.

Denn die Freundschaft zwischen Mensch und Tier, das gute Verständnis für- und die enge Beziehung zueinander, ist geradezu idealtypisch das A und O für „Lassie“. Was man über der Fernsehserie, die in Kalifornien spielte, gerne vergisst: Lassie gehört eigentlich nach Großbritannien. In „Heimweh“ macht sich die Collie-Hündin über mehrere hundert Kilometer auf den Weg von Schottland nach Yorkshire. Da nun die Rechte an dem Roman freigeworden sind, stand aber auch einer Übertragung vom kriegsgebeutelten England ins friedliche Deutschland des Jahres 2019 nichts mehr im Wege.

Neue Wohnung mit Tierverbot

Daher erzählt Regisseur Hanno Olderdissen nun die Geschichte des zwölfjährigen Florian, kurz Flo genannt, der mit seinen Eltern Anton Maurer (Sebastian Bezzel) und Sandra (Anna Maria Mühe) in Niederbayern lebt. Seine Collie-Hündin Lassie liebt er über alles. Allerdings gibt es da ein Problem: Anton hat seinen Job als Glasbläser verloren, weil die Glasmanufaktur von Graf von Sprengel (Matthias Habich) in Konkurs gegangen ist. In der kleinen Etagen-Wohnung, die die Maurers soeben aus Sparsamkeitsgründen bezogen haben, sind keine Tiere erlaubt. Graf von Sprengel bietet darum an, Lassie auf seinem Anwesen wohnen zu lassen, bis Andreas Maurer eine neue Arbeit und eine neue Wohnung gefunden hat. Allerdings muss der Graf dringend zu seinem Haus auf einer ungenannten nordfriesischen Insel fahren, um dort seinen Besitz zu regeln. Mit von der Partie: Enkelin Priscilla und – Lassie. Doch Lassie hält es nicht lange auf der Insel, sie will zurück zu Flo. Und so beginnt eine Odyssee von Norden nach Süden, durch ganz Deutschland.

Ein arbeitsloser Vater, eine hochschwangere Mutter, ein fauler Hausmeister, der Uhren stielt oder die Belohnung für die entlaufene Hündin kassieren will, eine Enkelin, die im Internat lebt, weil ihre Mutter gestorben ist und der Vater sich nicht um sie kümmert, dann noch der mögliche Umzug der Maurers nach Jena, weil es dort wieder Arbeit gibt – Drehbuchautorin Jane Ainscough (Hanni & Nanni) legt zahlreiche dramatische Stolpersteine, die von der eigentlichen Handlung wegführen und zu viele Baustellen hinterlassen, die am Schluss noch eilig fertiggestellt werden müssen.

Viele Umwege nehmen emotionale Kraft

Dabei ist die Geschichte einer unzertrennlichen Freundschaft zwischen Mensch und Tier stark genug. Die vielen Umwege nehmen dem Film viel von seiner emotionalen Kraft, nur selten ist man angerührt. Zudem vermittelt die Inszenierung kaum ein Gefühl für Raum und Zeit, für Entfernungen und Anstrengungen. Einmal zeigt Flos Lehrerin auf der Landkarte den Weg von Norddeutschland nach Deggendorf, 800 Kilometer immerhin, für die der Hund mehrere Wochen gebraucht haben müsste. Doch hier geht alles schnell, für die Strapazen und Hindernisse findet der Film nur wenige Bilder. Stattdessen versucht die aufdringliche Musik, die Gefühle des Zuschauers zu steuern.

Kinder sind solche Überlegungen vermutlich egal, die Situationen für sie oft sogar sehr aufregend. Und: Die Schauspieler machen ihre Sache gut, auch wenn der junge Nico Marischka in einigen Situationen zu schlecht gelaunt daherkommt. Matthias Habich ist wieder in einer schönen Altersrolle zu sehen, mit Sebastian Bezzel weht ein wenig „Eberhofer“-Atmosphäre über den Film. Und Lassie ist mit dichtem Fell und kräftigen Farben eine makellos schöne, liebenswerte Hündin (allerdings dargestellt von einem Rüden), die ihre Spuren hinterlässt. Einmal läuft sie über einen frisch gestrichenen Zebrastreifen, ihre weißen Pfoten sind wie ein Sprayer-Tag auf der Straße verewigt. Ein Bild, das Flo später zum Handeln veranlassen wird.

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