Drama | China 2018 | 111 Minuten

Regie: Zhang Yimou

Ein Martial-Arts-Epos aus der Frühzeit Chinas, das Regisseur Zhang Yimou als monochromes Schattentheater der Macht inszeniert: Basierend auf Elementen des Romanklassikers "Geschichte der Drei Reiche" geht es um Hofintrigen und Kämpfe rund um eine strategisch bedeutsame Stadt, zwei verfeindete Königreiche und den Doppelgänger eines Generals, der als "Schatten" seines Herrn in die Konflikte verstrickt wird. In weitgehend in Schwarz, Weiß und Grau gehaltenen, exquisiten Bildern und meisterlich choreografierten Kampfszenen entfaltet der Film ein kühl-distanzierten Historiendrama, in dem die oft heroisch verklärte Epoche der "Drei Reiche" zum melancholischen Totentanz gerät. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
YING
Produktionsland
China
Produktionsjahr
2018
Regie
Zhang Yimou
Buch
Zhang Yimou · Li Wei
Kamera
Zhao Xiaoding
Musik
Loudboy
Schnitt
Zhou Xiaolin
Darsteller
Deng Chao (Jing Zhou / Zi Yu) · Sun Li (Xiao Ai) · Ryan Zheng (Pei Liang) · Wang Qianyuan (Tian Zhan) · Wang Jingchun (Lu Yan)
Länge
111 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Literaturverfilmung | Martial-Arts-Film

Heimkino

Verleih DVD
Constantin
Verleih Blu-ray
Constantin
DVD kaufen

Ein Martial-Arts-Epos aus der Frühzeit Chinas, das Regisseur Zhang Yimou als monochromes Schattentheater der Macht inszeniert.

Diskussion

Ein Schatten, so erfährt man zu Beginn von Zhang Yimous Martial-Arts-Epos, ist ein Doppelgänger, der als Schutz für eine hochgestellte Persönlichkeit fungiert; in gefährlichen Situationen soll er an die Stelle seines Herrn treten und sich im schlimmsten Fall für ihn opfern.

Der Sklave Jing (Deng Chao), der solch ein Dasein als Stellvertreter eines hochrangigen Generals fristet, steht im Zentrum von „Shadow“; doch nicht nur er führt in dem weitgehend in Schwarz, Weiß und Grau gehaltenen Film eine Schattenexistenz, sondern auch alle anderen bis hin zum König: Das Leben scheint, wie die Farbe, in der höfisch-mittelalterlichen Welt vom ständigen Regen wie ausgewaschen zu sein; zusammenhalten wird die feudale Gesellschaft von äußeren Formen und einer strikten Hierarchie. Die Intrigen, die gesponnen, und die Kämpfe, die ausgefochten werden, gerinnen in den exquisiten Bildern, die Zhang Yimous bewährten Kameramann Zhao Xiaoding geschaffen hat, zum tragischen Schattentheater der Macht: Das alte Symbol von Ying und Yang, das immer wieder herbeizitiert wird, erscheint als Fanal einer kalten Ordnung; das Mit- und Gegeneinander polarer Kräfte erzeugt hier keine wirkliche Bewegung, sondern nur einen ewigen Kreislauf der Gewalt.

Kühler und emotional distanzierter getönt

„Reiche wachsen und schwinden. Staaten kommen und vergehen“, heißt es im chinesischen Klassiker „Die Geschichte der Drei Reiche“ von Luo Guanzhong, aus dessen Erzählschatz der Film seinen Stoff entlehnt. Obwohl „Shadow“ als Martial-Arts-Epos durchaus Ähnlichkeiten mit Zhang Yimous „House of Flying Daggers“ und „Hero“ aufweist, da auch hier die Kampfsequenzen mit tänzerischer Grazie choreografiert sind und sich durch Kamera und Ausstattung in schmerzhaft-schönen Tableaus verwandeln, wirkt der Film nicht nur in seiner monochromen Ästhetik kühler, sondern ist auch emotional distanzierter getönt.

Dabei besäße die Handlung durchaus das Potenzial eines Shakespeare’schen Königsdramas, „full of sound and fury“. Ein General hat im Zuge der Auseinandersetzungen mit einem anderen Reich eine strategisch wichtige Stadt im Duell mit dem feindlichen Befehlshaber verloren, bei dem er schwer verwundet wurde; sein eigener junger König denkt jedoch nicht daran, diese Scharte auszuwetzen und das gegnerische Reich anzugreifen; er zieht eine Festigung der bestehenden Verhältnisse vor, die durch eine Ehe zwischen seiner (dem Vorhaben gegenüber sehr widerwilligen) Schwester und dem Sohn des Gegners erreicht werden soll. In Folge seiner Verletzung kann der General daran nichts ändern und vegetiert in einem unterirdischen Keller vor sich hin; an seiner Stelle wird allerdings sein „Schatten“ darauf vorbereitet, ein neuerliches Duell siegreich zu bestreiten, wobei ihm nicht zuletzt die Ehefrau des Generals behilflich ist, indem sie ihm ihre eigene, weibliche Kampftechnik beibringt.

Zwischen Hofintrige und Schlachtgemälde

Doch die Gefühle, die zwischen den beiden schwelen, können in dieser Welt so wenig Licht und Wärme erzeugen wie irgendeine andere menschliche Regung. Alle sind nur Schachfiguren in einem epischen „Game of Thrones“, das in der ersten Hälfte vor allem durch Diplomatie und politische Winkelzügen bestritten wird, während der zweiten Teil einem großen, furiosen Schlachtgemälde Platz macht, bei dem unter anderem schauträchtig mit Regenschirmen gekämpft wird, die aus scharfen Klingen bestehen.

Wer am Ende gewinnt und wer verliert, wem die von Wassern umtoste Stadt schlussendlich gehört, scheint indes unwichtig. Die sonst oft heroisch verklärte Frühzeit der „Drei Reiche“ wird hier zum Stoff eines eleganten Totentanzes, eines Spiels der Spiegelungen und Doppelungen, in dem das individuelle Leben des Einzelnen höchstens stört – das Rot des reichlich vergossenen Blutes löst sich im ewigen Grau in Grau der Geschichte auf.

Kommentar verfassen

Kommentieren