Self Made: Das Leben von Madam C.J. Walker

Biopic | USA 2020 | Minuten

Regie: Kasi Lemmons

Eine Serie über die afroamerikanische Unternehmerin, Philanthropin und Aktivistin Sarah Breedlove alias Madam C.J. Walker (1867-1919), die es mit Kosmetik- und Haarpflegeprodukten für schwarze Frauen zur Selfmade-Millionärin brachte und sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung einsetzte. In der Schilderung der Aufstiegsgeschichte konzentriert sich die Serie weitgehend auf die schwarze Community; das Ringen der Hauptfigur um Gleichberechtigung wird dabei nicht nur als Widerstand gegen ethnische Diskriminierung, sondern auch gegen die von Frauen erkennbar. Die Komplexität des Themas wird zwar etwas simplifiziert und geglättet, nichtsdestotrotz gelingt ein unterhaltsames Porträt mit einer charismatischen Hauptfigur. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SELF MADE: INSPIRED BY THE LIFE OF MADAM C.J. WALKER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Kasi Lemmons · DeMane Davis
Buch
Nicole Jefferson Asher · Janine Sherman Barrois · Elle Johnson
Kamera
Kira Kelly
Musik
Larry Goldings
Schnitt
Kathryn Himoff · Liza D. Espinas
Darsteller
Octavia Spencer (Sarah Breedlove) · Blair Underwood (C.J. Walker) · Tiffany Haddish (Lelia) · Carmen Ejogo (Addie) · Garrett Morris (Cleophus)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Biopic | Serie

Eine Serie über die afroamerikanische Unternehmerin, Philanthropin und Aktivistin Sarah Breedlove alias Madam C.J. Walker (1867-1919), die es mit Kosmetik- und Haarpflegeprodukten für schwarze Frauen zur Selfmade-Millionärin brachte.

Diskussion

Das Paradies stellt man sich je nach Land, Epoche, Höhe des monatlichen Einkommens, Geschlecht und auch Hautfarbe sicher unterschiedlich vor. Für schwarze Amerikanerinnen und Amerikaner im Jahr 1913 ist der New Yorker Stadtteil Harlem der Prototyp einer besseren Welt: Die Geburtsstätte und der Anziehungspunkt für den stolzen, fortschrittlichen „new negro“, der, anders als die Generationen vor ihm, gegen den Status quo im Land aufbegehrt. In Harlem ist black schon damals beautiful, und das Schwarzsein wird in seiner ganzen Vielfalt zelebriert: „down south“, afrikanisch oder karibisch geprägt, gekleidet in Pariser Moden oder traditionelle bunte Wickelkleider, mit Gesichtsbemalungen und Kopfumwicklungen, die hoch wie Babeltürme sind. Hier und da gar schon mit hippen Afro-Looks. „Anything goes“ ist in Harlem das Motto, im Leben wie in der Liebe. Und die Haare trägt man, wie man will.

Als Sarah Breedlove alias Madam C.J. Walker (Octavia Spencer) mit ihrer Tochter Lelia (Tiffany Haddish) zum ersten Mal aus Illinois nach Harlem kommt, begreift sie sofort: Mit ihrer Firma für Haarpflegeprodukte, speziell auf Bedürfnisse der schwarzen Frauen abgestimmt, war sie also schon immer auf dem richtigen Weg. Die unglaubliche Geschichte ihres Aufstiegs von der Waschfrau zu Amerikas erster weiblicher Millionärin erzählt die vierteilige Miniserie „Self Made“ chronologisch nach.

Ein Haarwuchsmittel und viel Unternehmungsgeist werden zum Erfolgsrezept

Alles beginnt in St. Louis, hier arbeitet sich Sarah Tag für Tag die Finger wund. Von Erschöpfung und permanenter Geldnot bekommt sie kahle Stellen auf dem Kopf. Ihr Mann verlässt sie. „Meine Haare und ich waren wie Kain und Abel“, das ist Sarahs Geschichte. Haarverlust ist ein fieser Gegner.

Als die schöne Addie Munroe (Carmen Ejogo) eines Tages an ihrer Tür klopft, findet sie Sarah buchstäblich am Boden zerstört. Addie stellt ein eigenes Haarwuchsmittel her, das zwar übel riecht, aber echte Wunder bewirkt. Addie Munroes Magical Hair Grower, 50 Cent pro Dose. Der Deal – saubere Wäsche gegen Haarbehandlungen – stellt die beiden Parteien eine Weile zufrieden. Bis die dankbare Sarah ihren Wunsch äußert, eine Partnerin zu werden und den Vertrieb des Wundermittels zu verantworten. Ihr kleines, pummeliges Äußeres sei nicht gut fürs Geschäft, bekommt sie zu hören. Sie sei zu dunkel, um zu strahlen. Zu weit vom geltenden Schönheitsideal entfernt, das selbst für schwarze Frauen hellere Haut und glattere Locken vorsieht.

Nur ist Sarahs Selbstvertrauen inzwischen mit den Haaren gewachsen. Sie mischt, kocht, rührt und probiert ihr eigenes Haarwuchsmittel aus. Dann zieht sie aus St. Louis in den Norden, kocht, rührt und probiert weiter aus. Mal verkauft sich das Mittel wie warme Semmeln, mal läuft es für die ganze Familie (die in Sarahs Sache eingespannt und davon ernährt wird) eher mau.

Octavia Spencer als zähe, trotzig beharrliche Heldin

„Self Made“ ist eine klassische Aufstiegsgeschichte mit großzügig eingestreuten Hürden und Konflikten auf allen Ebenen. Die „Oscar“-Preisträgerin Octavia Spencer wurde bisher eher für Nebenrollen besetzt, hier verkörpert sie Madam C.J. Walker auf großartig ansprechende Art. Zäh, trotzig, ihre Beharrlichkeit ist beeindruckend. Stets mit einem Zitat von Rockefeller auf den Lippen, hat sie aber etwas Größeres vor als nur Wohlstand: Sie will die eigenen Leute emporheben. Nie geht es ihr nur um Kosmetik, sondern stets auch um Politik. Haare stehen für Gefühle, Erbe und Identität, sie verleihen Macht.

„Self Made“ bleibt durchweg in der schwarzen Community. So zeigen sich die Schichtungen von Hierarchien und Ungleichheiten, die jenseits der weißen Dominanz bestehen. Stets findet sich Sarah in einem „Double Bind“ wieder: zwischen ansetzendem Empowerment der Schwarzen und weiter betriebener Unterdrückung der Frauen seitens der eigenen Männer. Ladies haben schön zu sein und fürs Büffet zu sorgen, viel mehr nicht.

Politische Implikationen werden entwirrt und geglättet

Was Gender, Politik und Schick-Aussehen miteinander und all das zusammen mit der holistisch aufgefassten Gleichheit zu tun haben – diese Verknüpfung entwirrt, kämmt, glättet und stylt „Self Made“ auf eine stark vereinfachte und leicht bekömmliche Art. Dramaturgisch kommt hier einiges zu kurz, sitzt etwas schief oder wirkt trivial. Den Drehbuchautorinnen Nicole Jefferson Asher, Janine Sherman Barrois und Elle Johnson ist dennoch ein durchaus charmantes Ausstattungsstück gelungen. Das Production Design macht Spaß, all die Kleider, Frisuren und Wandtapeten. Für Historienfilme ist eine gewisse inszenatorische Beschränktheit typisch, alles bewegt sich in einem eng abgesteckten Raum. Dies macht die Serie im englischen Original mit lebendigem Sprachrhythmus wieder wett, mit langgezogenen Vokalen, mit kurviger Melodie.

Die bis zum Schluss bestehende Rivalität zwischen Madam C.J. Walker und Addie Munroe ist in waschechter Soap-Opera-Manier in Szene gesetzt: mit scharfer Trennung zwischen Gut und Böse, mit Ex-Machina-Auftritten, mit Augenrollen, Lippenbeißen und schurkenhaft bösen Blicken. Als Versuch eines weiblichen Narrativs betrachtet, das weiblich konnotierte Erzählklischees mit genüsslichem Vorführen der eingeschnappten Männlichkeit verbindet, ist „Self Made“ schon wieder sehr amüsant.

Die Miniserie ist kein ganz großer Wurf. Dennoch bietet sie genügend Dinge an, die man für den eigenen Bedarf herauspicken kann. Ganz viel Ansporn und Lebensmut, zum Beispiel. Davon gibt es in diesen Tagen und auch sonst einfach nie genug.

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