Takeover - Voll Vertauscht

Komödie | Deutschland 2020 | 87 Minuten

Regie: Florian Ross

Zwei Jugendliche, die einander täuschend ähneln, verbringen beide den Sommerurlaub in einem Ferienpark. Da der eine aus einer reichen Familie stammt, der andere hingegen aus bescheidenen Verhältnissen, beschließen sie, sich für eine Woche als der jeweils andere auszugeben. Der Austausch verläuft jedoch nicht ohne Komplikationen. Nach klassischen Mustern aufgebaute Verwechslungskomödie, die auf die Popularität der Youtube-Stars Heiko und Roman Lochmann setzt. Trotz der standardisierten Story und überbordendem Product Placement, das die Botschaft vom nicht allein glücklich machenden Reichtum eher konterkariert, reicht es für kurzweilige Unterhaltung. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Florian Ross
Buch
Tim Gondi
Kamera
Patrick Kaethner
Musik
Karsten Laser
Schnitt
Günter Schultens
Darsteller
Roman Lochmann (Danny) · Heiko Lochmann (Ludwig) · Luna Marie Maxeiner (Lilly) · Lisa-Marie Koroll (Gia) · Alexandra Neldel (Anna)
Länge
87 Minuten
Kinostart
02.07.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Komödie

„Das doppelte Lottchen“, neu aufbereitet als kurzweilige Verwechslungskomödie für die durch Youtube zu Jugendstars avancierten Zwillinge Heiko und Roman Lochmann.

Diskussion

Endlich mal ausbrechen aus dem Alltagstrott, das erträumen sich die beiden Jugendlichen Ludwig und Danny. Ludwig sitzt in Berlin im goldenen Käfig seines neureichen Vaters und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Familienleben. Danny ist in München im bescheidenen Leben seiner liebevollen Pflegemutter gefangen und hofft auf eine Karriere als Musiker. Ihre beiden Welten prallen in den Sommerferien aufeinander, als beide Familien in einem Freizeitpark Urlaub machen. Die beiden Teenager laufen sich zufällig über den Weg und trauen ihren Augen kaum: Sie sind einander wie aus dem Gesicht geschnitten. Schnell ist der Plan gefasst, für die Dauer des Urlaubs die Rollen zu tauschen, um das Leben des Anderen auszuprobieren.

Der Jugendfilm „Takeover – Voll vertauscht“ folgt der klassischen Dramaturgie einer Verwechslungskomödie im Stile von „Das doppelte Lottchen“. Regisseur Florian Ross und Drehbuchautor Tim Gondi verlassen sich auf die altbewährte Struktur und kleiden sie in ein modernes Gewand: Die Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann, bekannt geworden mit ihrem Youtube-Kanal „DieLochis“ spielen Ludwig und Danny, Luna Marie Maxeiner, bekannt aus Rocca verändert die Welt (2019) ist als Dannys kleine Schwester Lilly zu sehen und Lisa-Marie Koroll, die Tina aus der „Bibi und Tina“-Reihe, spielt die Babysitterin Gia. Das Verwechslungsspiel kulminiert in einem Gesangswettbewerb, auf den Danny als Karrierebooster hofft – moderiert in einem Cameo-Auftritt von „The Voice“-Gastgeber Thore Schölermann.

Verwechslungen und ulkige Situationen

Der Tausch sorgt natürlich für allerlei Verwechslungen und ulkige Situationen, etwa wenn Ludwig als Danny mit Begeisterung im Haushalt hilft und unbeholfen den kleinen Bruder wickelt, während Danny in der Familie schon immer als Faulpelz galt. Als Ludwig dann auch noch der hübschen Gia Avancen macht, obwohl diese Danny und Lilly schon immer ein Dorn im Auge war, droht alles aufzufliegen. Lilly ist es dann auch, die Verdacht schöpft und Ludwig für ein Alien hält, das von ihrem Bruder Besitz ergriffen hat.

Dabei ist natürlich klar, dass es hier nicht darum geht, ob die beiden Jungs auffliegen, sondern wie – und welche Lehre sie aus diesem Experiment mitnehmen. Drehbuchautor Tim Gondi nutzt diese Konstellation, um durchzutesten, was eine Familie ausmacht und was nicht. Die Botschaft des Films wird recht schnell deutlich: Geld allein macht auch nicht glücklich, das weiß Ludwig nur zu gut und Danny bekommt es schnell zu spüren, als er den Familienzusammenhalt gegen Luxus eintauscht.

Eine Kino-Bühne für Markenprodukte

Verwunderlich ist in diesem Kontext jedoch, wie offensichtlich der Film als Vehikel für eine Vielzahl von Werbemaßnahmen genutzt wird: Productplacement, also das Zeigen von Markenprodukten, ist in Film und Fernsehen nichts Neues, doch kann das natürlich subtil oder offensichtlich geschehen. Dass hier sowohl dem Freizeitpark, in dem ein Großteil des Films spielt, der Automarke, mit der beide Familien anreisen als auch der Gitarrenmarke, die Danny auf der Bühne verwendet, sehr viel Raum gegeben werden, ist jedoch auffällig. Spätestens ein Gespräch über die Automodelle sowie ein Besuch in einem gebrandeten Gitarrenladen machen deutlich, dass dies kein Zufall ist. Das verleiht dem gesamten Film die Anmutung eines Influencer-Videos, die sich über genau solche Produktplatzierungen finanzieren. In einem Film, der auf die Fanbase der Jungdarsteller abzielt, ist das jedoch durchaus fragwürdig.

Für Heiko und Roman Lochmann kommt der Film wie gerufen, hatten die beiden doch letztes Jahr in einem emotionalen letzten Video Abschied von ihrem YouTube-Kanal genommen, um sich getrennt voneinander ihren Musiker- und Schauspielkarrieren zu widmen – den Talentwettbewerb auf dem Höhepunkt des Films kosten sie in dieser Hinsicht offensichtlich aus. Das ist im besten Falle sowohl für die beiden als auch die Produktion eine Win-Win-Situation: Stars aus einem anderen Medium haben immer wieder ein neues Publikum fürs Kino generieren können. In den USA ist dieses Vorgehen gang und gäbe und auch im deutschen Film hat es sich bewährt. Für Jahrgänge, die älter als die Generation Z sind, waren es nicht die Lochis, sondern Thomas Gottschalk und Mike Krüger mit ihren „Supernasen“-Filmen oder Roy Black mit „Ein Schloß am Wörthersee“.

Als Vermittler zwischen diesen Generationen fungiert in „Takeover“ Ludwigs Chauffeur Günther, gespielt von Jürgen Heinrich, der in den 1990er-Jahren als Kommissar in „Wolffs Revier“ zu sehen war. Das ist eine überraschende wie gelungene Besetzung, denn er spielt Günther als väterlichen Freund, der in all dem Chaos immer den Überblick und sein verschmitztes Lächeln behält. Sein aufrichtiges Interesse am Leben der Jugendlichen ist die zweite, implizitere Message des Films: Neugierde und Offenheit bauen Brücken.

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