Killers Anonymous - Traue niemandem

Action | Großbritannien 2019 | 95 Minuten

Regie: Martin Owen

Mehrere Berufsmörder treffen sich im Gemeindesaal einer Kirche in London, um über ihre Probleme und ihre Vergangenheit zu reden. Doch der Anschlag auf einen US-Senator vergrößert die Spannungen zwischen den Mitgliedern. Zu allem Überfluss stößt auch noch eine unbekannte junge Frau zur Gruppe, deren Motive im Dunkeln bleiben. Schwung- und witzlose Mischung aus Komödie, Thriller und Actionfilm, die weder unterhält noch mit bildlichen Attraktionen aufwarten kann. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
KILLERS ANONYMOUS
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Martin Owen
Buch
Seth Johnson · Elizabeth Morris · Martin Owen
Kamera
Håvard Helle
Musik
Roger Goula
Schnitt
Stephen Hedley
Darsteller
Gary Oldman (The Man) · Tommy Flanagan (Markus) · Rhyon Nicole Brown (Alice) · MyAnna Buring (Joanna) · Michael Socha (Leandro)
Länge
95 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Krimi | Mystery-Film

Heimkino

Die BD präsentiert den Film auf deutsch und englisch mit optionalen deutschen Untertiteln. Zu den Extras zählen Audiokommentare von Regisseur Martin Owen und dem Kameramann Havard Helle. Ein alternatives Ende, geschnittene Szenen, Outtakes, der Trailer und eine Bildergalerie vervollständigen das Angebot.

Verleih DVD
Koch/KSM
Verleih Blu-ray
Koch/KSM
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Killer sein ist ganz schön hart: Eine schwarze Komödie über eine mörderische Selbsthilfegruppe

Diskussion

Killer sind auch nur Menschen, und so ist es durchaus denkbar, dass sie unter den Folgen ihres Berufes leiden, körperlich, seelisch und moralisch. Schließlich ist es nicht so selbstverständlich, wildfremde Menschen zu töten. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist gering, vielleicht regt sich das Gewissen, nicht zu vergessen der Fahndungsdruck durch die Polizei, die Unzufriedenheit schlechtgelaunter Auftraggeber oder der Neid missliebiger Kollegen. Kurzum: Killer leben gefährlich, das weiß man, wenn schon nicht aus eigener Erfahrung, zumindest aus dem Kino. Warum sich also nicht unter Leidensgenossen austauschen, in der Hoffnung auf seelischen Beistand? Statt Anonyme Alkoholiker nun Anonyme Killer: „Mein Name ist Leandro, und ich habe seit 284 Tagen nicht mehr getötet.“ Das ist als Idee vielleicht originell, und doch steckt in ihr ein großer Denkfehler: Berufsmörder sind unsympathische Menschen, weil sie unsympathische Dinge tun. Warum sollte man sich für ihre Probleme interessieren?

Wer ist „The Man“?

Trotzdem erzählt dieser Film von Regisseur und Co-Autor Martin Owen die Geschichte der Priesterin Joanna, die im Gemeindesaal ihrer Kirche in London die titelgebende Selbsthilfegruppe leitet. Zum Sitzkreis der problemgeplagten Killer gehören ein Arzt mit leichtfertigem Hang zur Sterbehilfe, ein taffer Gangster der alten Schule, eine schlagfertige Powerfrau namens Violet (Suki Waterhouse), der viel zu sensible Leandro und der hypernervöse Ben. An diesem Abend sind alle gereizt: Ein US-Senator wurde erschossen, die Straßen wimmeln nur so von Polizisten. Zu allem Überfluss stößt auch noch eine unbekannte junge Frau zur Gruppe. Wer ist sie, was will sie? Und wer ist der ältere Herr, der das ganze Geschehen mit dem Feldstecher aus der Ferne beobachtet?

Den älteren Herrn – Gary Oldman spielt ihn – hat der Zuschauer bereits im Prolog als The Man kennen gelernt, in einer Unterhaltung mit der Türsteherin Jade, die werbewirksam von Jessica Alba verkörpert wird und als eine von drei Hauptdarstellern beziehungsweise Hauptdarstellerinnen das BD-Cover ziert. Doch schon nach einer Viertelstunde verschwindet Alba aus dem Film, verprügelt und erschossen von der bereits erwähnten Violet.

Konfuse Killer-Therapie

Spätestens wenn Violet zur Selbsthilfegruppe stößt, wird deutlich, dass weder der Prolog noch die Figur von Gary Oldman irgendeinen Sinn ergeben. Seltsam „erfunden“ wirkt The Man, seltsam konstruiert seine Funktion. Ein Strippenzieher könnte er sein, der die Killer wie Marionetten manipuliert und ihr Verhalten überwacht. Doch das ist nur Spekulation, für die es keine Anhaltspunkte gibt. Gary Oldman bleibt außen vor, seine Szenen wirken isoliert und zusammenhanglos.

Die Szenen im Gemeindesaal hingegen – sie machen den überwiegenden Erzählanteil des Filmes aus – sind, trotz der originellen Prämisse, weder humorvoll noch unterhaltsam. Kein cleverer Gedanke, kein witziges Bonmot, stattdessen versucht Owen, mit Rückblenden in die Vergangenheit der Berufsmörder den zähen Gesprächsfluss aufzulockern.

Manierismus siegt

Doch gerade diese Einsprengsel sind so manieriert inszeniert, dass sie kaum als Erklärung für die Berufswahl der Gruppenmitglieder gelten können. Wenn Alice, die mysteriöse Unbekannte, erzählt, wie sie als Kind ihren hundsgemeinen Vater mit zahllosen Messerstichen tötete, und wir sie dann blutüberströmt auf dem Bett sitzen sehen, ist das nur geschmacklos. Trotz aller wortreich dargebotenen Problemwälzerei gibt es immerhin noch zwei Actionszenen, das bereits erwähnte Duell zwischen Jade und Violet und das Finale. Doch beide Szenen sind so träge, schwunglos und uninspiriert choreographiert, dass sie kaum als kinetische Attraktion taugen.

 

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