The Walking Dead: World Beyond

Drama | USA 2020 | (Staffel 1, 11 Folgen) Minuten

Regie: Dan Liu

Ein Spin-off der Serie "The Walking Dead": Zehn Jahre, nachdem eine Zombieapokalypse die Zivilisation zerstört hat, wachsen zwei junge Frauen in Nebraska in einer Welt auf, in der die alten gesellschaftlichen Strukturen obsolet geworden sind und sich neue Städte als Zentren der Zivilisation profilieren. Die Suche nach ihrem Vater treibt sie schließlich zusammen mit zwei Freunden aus ihrer Enklave in die erste Konfrontation mit der von Untoten bevölkerten Welt. Blasse Figurenzeichnungen und eine Fokussiereung auf Teenie-Dramen, die in der Welt des Zombie-Franchise künstlich und deplaziert wirken, lassen in dem Spin-off kaum je die Spannung der Mutterserie aufkommen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE WALKING DEAD: WORLD BEYOND
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Dan Liu · Magnus Martens · Jordan Vogt-Roberts
Buch
Scott M. Gimple · Matthew Negrete
Kamera
Ross Riege
Schnitt
Maria Gonzales · Shaheed Qaasim
Darsteller
Aliyah Royale (Iris) · Alexa Mansour (Hope) · Nicolas Cantu (Elton) · Hal Cumpston (Silas Plaskett) · Nico Tortorella (Felix)
Länge
(Staffel 1, 11 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Horror | Science-Fiction | Serie

Nach „Fear the Walking Dead“ das zweite Spin-off der Zombie-Erfolgsserie „The Walking Dead“. Die Serie spielt zehn Jahre nach dem Zivilisationszusammenbruch und beleuchtet die Abenteuer einer jungen Generation, für die das Leben vor der Apokalypse nur eine ferne Kindheitserinnerung ist.

Diskussion

Zehn Jahre, nachdem die Zombieapokalypse Rick, Carol, Daryl und Co., die Stars aus „The Walking Dead“, aus allem verjagt hat, was sie bis dahin als Normalität kannten, ist die Welt eine andere. Die Untoten, die jetzt „die Verlassenen“ genannt werden, scheinen ein Teil der Natur geworden zu sein: Die meisten sind von Moos, Gras und Flechten bewachsen, einige von Tieren bevölkert, etwa als bewegliche Bienenstöcke – noch mehr als die Zombies aus der Mutterserie, deren erste Staffel vor zehn Jahren erstmals ausgestrahlt wurde, ist bei ihnen die Verwesung fortgeschritten.

Doch es gibt keine Ruhe für die Untoten – nicht, solange sich das auf den Comics von Robert Kirkman und Tony Moore fußende Franchise noch irgendwie weiterführen lässt. Nachdem vor einiger Zeit angekündigt wurde, dass die Mutterserie mit Staffel 11 2021 enden wird, spinnt „The Walking Dead: World Beyond“ nun nach „Fear the Walking Dead“ das zweite Spin-off der Erfolgsserie aus. Nach wie vor stellen die Zombies darin eine reale Bedrohung dar, aber eine, die für die Reste der Menschheit ihren unmittelbaren Schrecken längst erheblich eingebüßt hat. Der größte Teil der Überlebenden, so erfährt man in der neuen Serie, lebt an Städte-ähnlichen Orten, in denen sie sich weitgehend das gewohnte Maß an Sicherheit, Zivilisation und sogenannten geordneten Verhältnissen zurückerobert haben. Ihre Städte – oder „Kolonien“ – liegen zwar, ähnlich den ersten befestigten Orten in der Frühzeit der Menschen, hinter dicken Mauern und schwer bewachten Toren, aber die Menschen dahinter führen ein vergleichsweise normales Leben: Erwachsene gehen zur Arbeit; es gibt Ärzte und sogar Wissenschaftler, die systematische Forschungen zum „Verhalten“ der Verlassenen betreiben. Dabei wird untersucht, auf welchen Wegen sie sich fortbewegen, wann sie Herden bilden und anderes mehr. Angeblich gibt es sogar fortgeschrittene Arbeiten an einem Heilmittel, dass der Zombie-Seuche bald ein Ende bereiten könnte.

Zombieapokalypse, Pubertät und „The New Normal“

Zur neuen, post-zombieapokalyptischen Normalität gehört auch, dass Kinder und Jugendliche wieder Schulen besuchen, Musik hören, feiern und genau festlegen, wer zur eigenen, coolen Peer Group gehören darf und wer nicht. Teenager trinken (und brauen) heimlich Alkohol und rebellieren entweder gegen die gesetzten Regeln oder versuchen, diese auf weniger aufrührerischen Wegen zu verändern. Doch natürlich haben die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit auch bei ihnen tiefe Spuren hinterlassen. Fast alle haben Traumatisches erlebt. Und gerade für die Jüngeren vermischen sich oft persönliche Dramen mit dem Beginn der Apokalypse. Viele scheinen eine Art „Survivor-Syndrom“ entwickelt zu haben und tragen tiefe Schuldgefühle, dass sie überlebt haben, während ihre Eltern, Geschwister oder Freunde es nicht geschafft haben, in sich. Auch deshalb wird einmal im Jahr das Leben gefeiert. Am „Monument Day“ sollen alle daran erinnert werden, wo sie herkommen und dass sie „Monumente der Vergangenheit“ sind. In den Schulen wird im Unterricht gelehrt, wie die Schüler sich systematisch gegen Zombies zur Wehr setzen können. Aber de facto haben die meisten seit 10 Jahren keinen „Verlassenen“ mehr gesehen, geschweige denn, dass sie sich selbst gegen einen behaupten mussten.

„Wir sind das Licht der Welt!“

Zu dieser Gruppe der „nächsten Generation“ gehören auch Hope (Alexa Mansour) und Iris Bennet (Aliyah Royale), die unter der Obhut von Felix Carlucci (Nico Tortorella) in der Campus Colony eine Zuflucht und ein Zuhause gefunden haben. Ihre Mutter wurde gleich zu Beginn der Apokalypse getötet; ihr Vater, ein brillanter Wissenschaftler, hat die beiden, möglicherweise nicht ganz freiwillig, allein zurückgelassen, um an einem von der sogenannten Civic Republic (CR) geheim gehaltenen Ort namens New York an wichtigen Forschungen im Zusammenhang mit dem Zombievirus zu arbeiten. Klar ist, dass die CR mit Abstand die größte Macht in den neuen „Städten“ darstellt und nahezu alle wichtigen Entscheidungen maßgeblich beeinflussen kann: Die CR und ihre militärische Einheit verfügen über modernste Waffentechnologie, zu der längst nicht nur die Militärhubschrauber gehören, die unter anderem in der 8. Staffel der Mutterserie auf dem Nichts auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden. Ihre Ressourcen nutzt die CR, um in anderen Kolonien eine nicht unbedingt demokratisch legitimierte Machtrolle einzunehmen.

Zugleich scheinen gerade die ranghöheren Mitglieder, allen voran Lieutenant Colonel Elizabeth Kublek (Julia Ormond), einer Art sektenartigem Sendungsbewusstsein – „Wir sind das Licht der Welt“ – verfallen zu sein, mit dem sie jegliche Gewalttat und Machtausübung vor sich selbst rechtfertigen.

Aufbruch nach New York

Unter diesen Bedingungen machen sich Iris und Hope auf, um ihren Vater zu suchen, der es trotz strengster Verbote seitens der CR geschafft hat, ihnen heimlich Nachrichten aus seinem unter Verschluss gehaltenem Forschungsversteck zukommen zu lassen. Als die beiden schließlich eine besorgniserregende Botschaft erhalten, braucht es nichts mehr, um sie und ihre Freunde Elton Ortiz (Nicolas Cantu) und Silas Plaskett (Hal Cumpston) zu überzeugen, ihren Vater zu suchen und notfalls zu befreien. Ausgestattet mit Rucksäcken und tragbaren Koffern machen die vier sich heimlich auf den Weg.

Zum ersten Mal in ihrem Leben verlassen sie allein und länger als für kurze Momente die geschützten Mauern der Kolonie. Wie wenig sie tatsächlich über die Verlassenen gelernt haben, zeigt sich, als Iris das erste Mal wie erstarrt vor einem steht und nur durch Glück mit dem Leben davonkommt. Offenbar ist sie in keinster Weise auf das vorbereitet, was sie „draußen“ erwartet.

Die Teenie-Weichspül-Version der Zombiewelt

Leider zeigen sich spätestens jetzt die Schwächen der Serie, die ähnlich wie bereits das Spin-off „Fear the Walking Dead“ größtenteils von blassen Showeffekten lebt und es kaum schafft, ihren Figuren Leben einzuhauchen oder der Handlung anhaltend Spannung zu verleihen. Was ein Aufbruch in eine lebensgefährliche Welt, in der es mit allen Sinnen wach zu sein gilt, werden sollte, mutet eher an wie ein Ausflug ins Abenteuerland mit Pfadfinder-Ausrüstung und Zeltlageratmosphäre. Auch nach Tagen, in denen die vier auf sich selbst gestellt durch die niedergebrannten Reste der einstigen Zivilisation irren, sitzen Frisur, Make-up und Szene-Klamotten perfekt und die Charaktere wirken unpassend durchgestylt. Die kalte Angst und Ausweglosigkeit, die einen großen Teil der Faszination der Mutterserie ausmacht, erreicht „World Beyond“ damit nicht im Ansatz.

Trotz der zumindest für eingefleischte TWD-Fans spannenden Grundidee, wie die nächste Generation sich an dem Zivilisationszusammenbruch und -wiederaufbau abarbeitet, mangelt es diesem Spin-off an fast allem, was fesselnde Unterhaltung ausmacht. Dazu gehört vor allem, dass es der Serie trotzt der Rückblenden, die die Erlebnisse und Innenwelten der einzelnen Charaktere genauer ins Bild rücken sollen, mit wenigen Ausnahmen kaum gelingt, die Figuren interessant und ihre Motive plausibel nachvollziehbar zu machen. Die meisten Charaktere sind nur oberflächlich konzipiert und nach simplen Gut-Böse-Schemata angelegt, und auch die Dialoge, die ihnen in den Mund gelegt werden, und die Teenie-Dramen, an denen sie sich abarbeiten, wirken in der Zombie-Welt deplatziert und künstlich – was weniger die Schuld der jungen Darsteller als vielmehr von Drehbuch und Inszenierung ist.

Auf der Haben-Seite sind zumindest das Creature- und Set-Design in den meisten Szenen mit Sinn für stimmige Details und Atmosphäre aufgebaut. Fast scheint es, als hätte Showrunner Matthew Negrete, der zusammen mit Scott M. Gimple als Schöpfer der Serie gilt, sich zunächst sehr genau die Welt ausgemalt, in der seine neue Serie spielen soll, um dann im Nachhinein notdürftig eine Handlung des auf drei Staffeln ausgelegten Spin-offs hineinzuzimmern. Dabei hätten die beiden es besser wissen können. Negrete arbeitete bereites als Drehbuchautor und Produzent an den TWD-Staffeln 4 bis 9 mit, Gimple zeichnet als „Chief Content Officer“ heute hauptverantwortlich für das gesamte Franchise und war ebenfalls an einigen Staffeln der Mutterserie beteiligt.

Wer sich von „World Beyond“ eine Auskopplung erhofft hat, die an Spannung, Drama, Überraschung und Komplexität an „The Walking Dead“ anknüpft, wird enttäuscht werden; einzig der Reiz, etwas mehr über die mysteriöse „Civic Republic“ zu erfahren, dürfte den ein oder anderen Fan bei der Stange halten. Insgesamt müsste „World Beyond“ ganz schnell um einiges erwachsener werden, um auch nur ansatzweise mit der Mutterserie mithalten zu können.

 

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