Crypto – Angst ist die härteste Währung

Thriller | USA 2019 | 101 Minuten

Regie: John Stalberg Jr.

Ein aufstrebender Banker wird von seiner Großbank an der Wall Street in die Provinz versetzt, da seinem Arbeitgeber durch seine gründlichen Recherchen ein lukrativer Deal entgangen ist. Bei der Arbeit in der Kleinstadt, in der er aufgewachsen ist, stößt er auf Ungereimtheiten und hohe Investitionen in eine Kryptowährung zur Geldwäsche. Die Geschichte des Thrillers setzt sich aus bekannten Genre-Standards zusammen, ohne eigene Akzente zu setzen. Unkonventionelle Kameraarbeit und ein stylischer Soundtrack bemühen sich zwar, die Story aufzuwerten, doch bleibt der Film gerade im Umgang mit der titelgebenden Kryptowährung ohne nennenswerte Einfälle. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
CRYPTO
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
John Stalberg Jr.
Buch
Carlyle Eubank · David Frigerio
Kamera
Pieter Vermeer
Musik
Nima Fakhrara
Schnitt
Brian Berdan
Darsteller
Beau Knapp (Martin) · Luke Hemsworth (Caleb) · Jill Hennessy (Robin) · Alexis Bledel (Katie) · Kurt Russell (Martins Vater)
Länge
101 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Koch Media
Verleih Blu-ray
Koch Media
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Ein Thriller um einen jungen Banker, der aus New York in seine Provinz-Heimat zurückkehrt und es mit kriminellen Umtrieben rund um eine Kryptowährung zu tun bekommt.

Diskussion

Martin Duran (Beau Knapp) ist in seinem Job ziemlich gut. Vielleicht sogar zu gut, auf jeden Fall aber zu gewissenhaft. Der junge und sehr talentierte Banker arbeitet bei einer Großbank an der New Yorker Wall Street und hat durch akribische Überprüfungen seinem Unternehmen gerade einen lukrativen Deal mit einem Großkunden zunichtegemacht. Dort besteht der Verdacht der Geldwäsche. Als Konsequenz wird er zur Bilanzprüfung in die Provinz in den US-Bundesstaat New York strafversetzt. Er kehrt damit in die Kleinstadt zurück, in der er aufgewachsen ist.

Martin erkennt schnell, dass die Uhren in dem Ort anders ticken als an der Wall Street. Ordentlich geführte Bilanz- und Finanzbücher findet er nur selten, Vereinbarungen wurden teilweise per Handschlag besiegelt. Eine erfüllende Aufgabe scheint es für den aufstrebenden Banker nicht zu sein. Doch bei seinen Überprüfungen stößt er auf Ungereimtheiten, bei denen zudem hohe Investitionen in eine Kryptowährung eine Rolle zu spielen scheinen. Martin stellt daraufhin weitere Nachforschungen an.

Stylischer Look, aber eine eher altbackene Geschichte

Regisseur John Stalberg Jr. widmet sich mit seinem Thriller einem hochaktuellen Thema und versucht dies auch stilistisch hervorzuheben. Die Kamera spielt mit den Sehgewohnheiten: Da wird einmal das Bild eingefroren, und die Kamera fährt daraufhin aus dem Bild hinaus; ein anderes Mal beschleunigt die Kamerafahrt plötzlich, bei einer Autofahrt dreht sich die Kamera auf den Kopf. Neonröhren in einer Galerie, die ins Visier des Bankers gerät, setzen stylisch die Stimmung; zusammen mit den schicken Anzügen der Wall-Street-Banker und den Designer-Kleidern der Mitarbeiterinnen in der Kunstgalerie sowie den Synthesizer-Klängen und Electro-Beats im Soundtrack schaffen sie eine elegante, aber auch unterkühlte und letztlich triste Atmosphäre.

Die Geschichte hingegen kommt vergleichsweise uninspiriert daher und setzt kaum eigene Akzente. Es gibt eine Verschwörung; nicht alle Figuren sind das, für das sie zunächst gehalten werden; Gewalt wird ein Mittel, um Machenschaften zu vertuschen. Es sind Genre-Standards wie diese, aus denen sich die Erzählung zusammensetzt.

Abgehobene Finanzwelt trifft landwirtschaftlichen Boden der Tatsachen

Das mögliche Potenzial, das spannende Thema der Kryptowährungen zu beleuchten, schöpft der Film nur teilweise aus. Die digitalen Zahlungsmittel sind nur ein kleiner Aspekt in der Thriller-Handlung. Neben der Tatsache, dass irgendwer massiv in eine Kryptowährung investiert und so Geldwäsche betreibt, spielen sie keine größere Rolle, außer dass sie Gesprächsstoff für einige fachchinesische Dialoge liefern. Auf optische Einfälle, die versuchen, sich dem Zahlungsverkehr der Kryptowährungen sinnlich anzunähern, wartet man vergeblich – dabei wäre gerade in dieser Hinsicht etwas inszenatorischer Ehrgeiz reizvoll gewesen.

Für den Protagonisten Martin Duran bedeutet die Versetzung in die Provinz die Rückkehr in seine Heimat und zu seiner Familie. Erstmals seit rund zehn Jahren sieht er seinen Vater (Kurt Russell) und seinen Bruder (Luke Hemsworth) wieder, seine Mutter ist bereits gestorben. Vater und Sohn schlagen sich auf dem eigenen Land als Farmer durch und versuchen sich trotz schlechter Ernten irgendwie über Wasser zu halten. Martins Beziehung zu ihnen ist von Spannungen aus der Vergangenheit geprägt, mit denen er sich nun auseinandersetzen muss. Mit der Karriere an der Wall Street wollte Martin seinem früheren Leben den Rücken kehren, nun befindet er sich wieder mittendrin. Es prallen hier zwei Welten aufeinander. Prägnant verdeutlicht, wenn Martin top gestylt und im Anzug seinem von der Erde verdreckten Vater erstmals auf dem Acker begegnet. Dieser Handlungsstrang ist nicht sonderlich originell, aber dank der versierten Schauspieler solide umgesetzt.

Das reicht aber nicht, um den Film übers Mittelmaß hinauszuheben. Die Erzählung kommt nicht richtig in Schwung, Spannung kommt nur vereinzelt auf, der Protagonist passt sich mit seiner Art den unterkühlten Bildern an – und auch den Zuschauern dürfte es schwerfallen, mit dem Ganzen wirklich warm zu werden.

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