Komödie | USA 2020 | Minuten

Regie: Paul King

2018 verkündete Präsident Donald Trump die Gründung einer "US Space Force" als sechstem Teilbereich der US-Streitkräfte mit der Aufgabe, US-Interessen im Weltraum zu verteidigen. Die Comedy-Science-Fiction-Serie zieht die neue Truppe satirisch durch den Kakao und kreist um einen Offizier der Air Force, der zum General befördert und zum Chef der Space Force gemacht wird. Aufgerieben zwischen Politik, Militär, Öffentlichkeitsarbeit, den Tücken der Technik und familiären Problemen erweist sich der neue Job als nervenzerrende Aufgabe, der der Mann mit einer Mischung aus Ignoranz und Selbstüberschätzung trotzt, dabei aber auch das Herz auf dem rechten Fleck hat. Eine aufwendig produzierte, von einem exzellenten Schauspielensemble getragene Farce, die aus absurden Auswüchsen der "Make America Great Again"-Politik einen guten, wenn auch nicht wirklich bissigen Witz macht. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
SPACE FORCE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Paul King · Tom Marshall · Daina Reid · Dee Rees · Jeffrey Blitz
Buch
Greg Daniels · Steve Carell · Shepard Boucher · Lauren Houseman · Brent Forrester
Kamera
Simon Chapman
Musik
Carter Burwell
Schnitt
David Rogers · Susan Vaill · Julie Cohen · Rob Burnett · Timothy A. Kuper
Darsteller
Steve Carell (General Mark R. Naird) · John Malkovich (Dr. Adrian Mallory) · Ben Schwartz (F. Tony Scarapiducci) · Diana Silvers (Erin Naird) · Tawny Newsome (Angela Ali)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Komödie | Science-Fiction | Serie

Eine satirische Serie über die jüngste Teilstreitkräfte der US-Armee, in der Show-Runner Greg Daniels Steve Carell das Kommando über die frisch gegründeten Weltraumstreitkräfte gibt.

Diskussion

„Boots on the moon“, lautet die Devise – und damit das klar ist: US-amerikanische Stiefel! Oder zumindest US-amerikanische Füße in den Stiefeln, auch wenn das Schuhwerk von woher auch immer kommt. „America First“ hat auch für den Weltraum zu gelten; schließlich will man das extraterrestrische Feld nicht den Russen, Indern oder gar dem neuen US-Feindbild Nr. 1, den Chinesen, überlassen. Zuständig dafür ist die US Space Force. Und das ist kein „Käfig voller Helden“, den sich der Comedian Greg Daniels für seine neue Serie ausgedacht hat, um aus dem Ruder laufende Weltmachts-Ambitionen zu karikieren, sondern fußt in der tragikomischen Realität, angestoßen und 2019 offiziell aus der Taufe gehoben von @POTUS Donald Trump.

Seitdem sorgt die neue Teilstreitkraft der US-Armee für Häme in den Medien, zuletzt wegen der seltsamen Entscheidung, die Uniform der neuen Truppe im sehr irdischen Tarnmuster-Look der anderen Streitkräfte zu gestalten. Und natürlich für Spekulationen, was wohl die Aufgaben sind, mit denen die Space Force ihr horrendes Budget rechtfertigen wird. Denn die „Eroberung des Weltraums“ kann es doch nicht sein?! Die Okkupation von Himmelskörpern durch einen einzelnen Staat ist tabu - so regelt es ein völkerrechtliches Vertragswerk, das 1967 in Kraft trat, während der Kalte Krieg und der „Wettlauf zum Mond“ tobten: Der sogenannte Weltraumvertrag verbietet eine Militarisierung des Alls und soll sicherstellen, dass der Orbit nur friedlich erforscht wird und konkurrierende nationale Interessen im Zaum gehalten werden. Mit der Gründung der US Space Force signalisiert die USA allerdings erschreckend offen, dass dieser Konsens am Bröckeln ist und dass das Land, wie Trump es ausdrückte, den Weltraum als „neuen Kriegsschauplatz“ betrachtet.

Zwischen „Dr. Seltsam“ und „The Office“

In „Space Force“ macht Greg Daniels daraus eine Farce rund um die Krise des US-Selbstbewusstseins als globale Führungsmacht, die sich in der wahnhaften Überkompensation der „Make America Great Again“-Politik manifestiert. Wobei man sich gelegentlich an den absurden Humor von Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ erinnert fühlen darf, ohne dass sich Daniels die Schärfe und Bitterkeit dieses Abgesangs zu eigen machen würde. In „Space Force“ mögen sich der Hurra-Patriotismus, die Ressentiments gegen gelbe, rote und andere Gefahren und die größenwahnsinnige Lust an militärischer Kraftmeierei zwar immer wieder vergaloppieren; doch die Stimme der Mäßigung und ein bodenständiger Instinkt für das Richtige haben noch nicht kapituliert.

Die Hauptfigur der Serie, General Mark R. Naird (Steve Carell), tendiert zwar immer wieder zu einer riskanten Mischung aus Ignoranz und Selbstüberschätzung, doch unter der steifen Uniform schlägt ein gutes Herz, ganz ähnlich wie bei Carells Figur in Daniels US-Version von „The Office“, Michael Scott. Die Karikatur wird in beiden Fällen nur so weit getrieben, dass die Figuren trotz all ihrer Macken noch als Sympathieträger funktionieren.

Don Quijotes Griff nach den Sternen

Und so wird Naird im Lauf der ersten Staffel denn auch mehr als tragikomische Don-Quijote-Figur denn als Popanz gezeichnet: Ein Naiver, der einer Vorstellung von US-amerikanischem Heldentum nachhängt, die nur unter Ignorierung der komplexen Realität zu haben ist. Entsprechend fallen auch die Abenteuer aus, die Naird und seine Truppe zu meistern haben: absurde Gefechte gegen Windmühlen – mit genügend Aufwand produziert, um die Serie auch als Spektakel sehenswert zu machen. Etwa wenn es eine Fake-Weltraumschlacht mit der Konkurrenz von der Air Force zu bestreiten gilt. Oder wenn die erste echte Herausforderung ansteht, weil die Chinesen böswillig einen US-Satelliten beschädigen und Naird auf die Idee verfällt, einen Schimpansen für die Reparatur einzusetzen, der eigentlich nur niedliches Bildmaterial für die Social Media Accounts der Space Force liefern soll.

Die Stelle des Sidekicks nimmt statt eines gutmütigen Sancho Pansa Nairds scharfzüngiger Chef-Wissenschaftler Dr. Mallory (John Malkovich) ein, ein freigeistiger, leicht exzentrischer Intellektueller. Mit seinem internationalen Team huldigt dieser noch ganz dem Ethos der friedlichen Forschung, weswegen er notwendigerweise mit Naird und dem militärischen Charakter der Space Force immer wieder in Clinch gerät, damit aber dem General die nötige Erdung gibt, die dieser braucht, um nicht versehentlich doch einen Dritten Weltkrieg anzuzetteln.

Dr. Mallory und der Rest des Ensembles – von Nairds rebellischer Teenie-Tochter und einer Ehefrau (Lisa Kudrow), die gleich zu Serienbeginn lieber im Knast landet, statt mit ihrem Gatten zur Space-Force-Basis nach Colorado zu ziehen, über den übereifrigen Social-Media-Manager Scarapiducci (Ben Schwartz) bis zur bodenständigen afroamerikanischen Soldatin, die auf die Chance wartet, als erste farbige Person und erste Frau in Personalunion den Mond zu betreten (Angela Ali) - liefern Naird genug Reibungsflächen, um Staffel 1 von „Space Force“ durchweg zum kurzweiligen, zwischen Satire und launigem Klamauk changierendem Vergnügen zu machen. Etwas mehr Mut zur Eskalation, zum gezielten Tritt in die Weichteile der Trump’schen Politik, würde der Serie, sollte es zu Staffel 2 kommen, trotzdem guttun. Bisher ist sie ein verdammt guter Witz – über eine Realität, die ein ziemlich böser Witz ist.

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