Cody - Wie ein Hund die Welt veränderte

Dokumentarfilm | Schweiz 2019 | 90 Minuten

Regie: Martin Skalsky

Der Schweizer Filmkomponist Martin Skalsky hat bei einer Reise spontan einen Hund gekauft, der seitdem sein Leben bereichert. Um mehr über seinen tierischen Gefährten herauszufinden, folgt er Spuren bis zu einem Tierheim in Rumänien und setzt sich in den Kopf, seinen Hund wieder mit einer Hündin zusammenzubringen, mit der dieser sich angefreundet hatte. Der sehr persönlich gehaltene Dokumentarfilm erkundet die Umstände, unter denen streunende Hunde leben müssen, beleuchtet Fragen der Tierethik und stellt Tierschützer vor. Dabei ist der Film zwar oft unreflektiert und oberflächlich, berührt an anderen Stellen aber auch durch seine unverstellte Herzlichkeit. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
CODY - THE DOG DAYS ARE OVER
Produktionsland
Schweiz
Produktionsjahr
2019
Regie
Martin Skalsky
Buch
Martin Skalsky
Kamera
Christoph Lemmen
Musik
Martin Skalsky
Schnitt
Matti Falkenberg · Mary Leidescher
Länge
90 Minuten
Kinostart
30.07.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Heimkino

Verleih DVD
EuroVideo
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Sehr persönlich gehaltener Dokumentarfilm des Komponisten Martin Skalsky, der wissen will, wo sein geliebter Hund herstammt, und darüber von der Notlage streunender Vierbeiner erfährt.

Diskussion

„Hunde sind unsere Verbindung zum Paradies. Sie kennen weder Bosheit noch Eifersucht noch Unzufriedenheit. Mit einem Hund an einem herrlichen Nachmittag an einem Hang zu sitzen, kommt dem Garten Eden gleich, wo Nichtstun nicht Langeweile war – sondern Frieden“: Ein Zitat von Milan Kundera hat Martin Skalsky seiner ersten Regiearbeit vorangestellt. Es folgen in den Bündner Bergen geschossene Aufnahmen von Skalsky und seinem Hund Cody, die in der sommergrünen Landschaft miteinander herumtollen. Über die Bilder legt sich ein von Skalsky verfasster und von ihm auch eingelesener Text, der im Off erzählt, wie Skalsky, der davor nicht im Traum daran dachte, sich einen Hund zuzulegen, just dies während einer Berlinreise spontan tat.

Nicht, weil der aus Rumänien stammende Mischling Cody plüschtierkuscheligen Charme ausstrahlt, sondern weil Skalsky in seinem Blick Weisheit erahnte und weil dieser nach Vertrauen heischende Blick ihn unmittelbar ansprach. In der Folge hat Cody das Leben von Martin Skalsky und seiner Lebenspartnerin Selina radikal verändert. Das Paar – aus dem im Verlauf des Filmes eine Familie wird – zieht Cody zuliebe von der Stadt aufs Land. Martin Skalsky – vor allem bekannt als Filmmusik-Komponist, nicht nur für Schweizer Filme wie Flitzer und Mario, sondern etwa auch für TV-Serien wie „Lindenstraße“ – entdeckt durch seinen Hund die Freude an und die Wohltat der Natur. Er verändert dank Cody seine Lebensweise und erlangt eine bessere Gesundheit. Auch wird Cody immer mehr zu einem regelrechten Mitglied der Familie.

Was hat der Hund vor der Adoption erlebt?

Es sind dies Erfahrungen, die so oder ähnlich wohl viele machen, die sich zum ersten Mal auf ein (Zusammen-)Leben mit einem Tier oder Tieren einlassen. Auch dass Tiere – Hunde – unmittelbarer (er-)leben als Menschen und, wie Platon behauptet haben soll, „die wirklichen Philosophen“ sind, wird manch ein Hundekenner unterschreiben. Für Skalsky aber sind es neue Erkenntnisse, und er nimmt sie als Ausgangspunkt seines Filmes, der im Kern eine Spurensuche ist: In der Annahme, dass er Cody besser verstünde, wenn er wüsste, was dieser vor seiner Adoption erlebt hat, beginnt er dessen Lebensgeschichte nachzuforschen.

Er landet bei der Tierschützerin Cristina Paun in Rumänien. Sie betreibt in Târgoviște verschiedene Tierheime, nicht nur für Hunde. Seit in Rumänien 2014 ein Gesetz in Kraft trat, das vorschreibt, dass auf der Straße streunende Hunde eingefangen und, sofern sie binnen 14 Tagen nicht von ihrem Besitzer zurückverlangt werden, getötet werden, hat sie Tausenden von Hunden das Leben gerettet. Auch Cody war einer ihrer Schützlinge. Paun erinnert sich im Film noch genau, wo sie den damals drei- bis vierjährigen Rüden, dem sie den Namen Kodila gab, zusammen mit einer Hündin aufgriff. Auch die Hündin mit Namen Blanche wurde nach Europa vermittelt. Dicke Freunde, erzählt Paun, seien die beiden gewesen. Nicht immer zusammen, aber doch immer wieder.

Ob Cody seine Hunden-Freundin vermisse, fragt sich Skalsky daraufhin, und ob Cody vielleicht lieber mit seiner Freundin als mit Skalsky und seiner Familie zusammenleben würde. Er beginnt Blanche zu suchen. Stöbert sie schließlich auf in London, nimmt Kontakt mit deren Besitzerin auf und treibt – ausgehend von der Idee, dass die beiden Hunde selber entscheiden sollen, wo und mit wem sie zukünftig leben möchten, – die Sache so weit voran, dass die beiden sich wiedersehen.

Immer neue Felder eröffnen sich

Viel Aufregendes ist nicht dran an dieser tierischen Lebensgeschichte, die – bis auf den letzten Teil – so oder ähnlich nicht nur Cody, sondern auch viele andere von der Straße geholte Streuner durchlebt haben dürften. Doch sie liefert das Dispositiv, auf dem sich Skalsky in seinem Denken wie auch in seiner Recherche immer neue Felder eröffnen.

Da sind zum einen bei verschiedenen Rumänien-Reisen geschossene Aufnahmen, die in Schlaglichtern das Leben von Straßenhunden beleuchten und kurze Einblicke in staatliche Auffangstationen vermitteln, in denen nicht selten zum Himmel schreiend miserable Zustände herrschen. Da sind im Gegenzug Paun und ihr Wonderland-Projekt, das in Rumänien Tieren in Not hilft.

Es kommen dazu diverse andere Protagonisten, die sich dem Schutz von Tieren, insbesondere Hunden verschrieben haben. So etwa die deutsche Tierpsychologin, Hundetrainerin und Schriftstellerin Maike Maja Nowak, aus deren Manifest „Grundrechte der Hunde“ Skalsky in seinem Film zitiert. Der auf Tierethik spezialisierte Brite Mark Rowlands, der einige grundlegende Schriften zur Tierrechtsphilosophie verfasste und überzeugt ist, dass Tiere Empathie empfinden. Oder die Tieraktivistin Lya Battle, die in den Bergen oberhalb von Heredia in Costa Rica das „Territorio de Zaguates“ betreibt, einen riesigen Zufluchtsort, in dem über 1300 Hunde frei leben dürfen.

Spannende Fragen eines unerfahrenen Filmemachers

Jede Begegnung, jedes Gespräch, das Skalsky mit seinen Protagonisten führt, ist durchaus spannend und die dabei aufgeworfenen Fragen, etwa nach den Rechten der Tiere, nach des Menschen Umgang mit Tieren, oder aber auch nach dem Funktionieren der Tier-Mensch-Kommunikation sind eine Betrachtung durchaus wert. Doch Skalsky, der für Produktion, Drehbuch, Regie und Musik verantwortlich zeichnet, der zudem vor der Kamera stand und selbst die von ihm verfassten Texte einsprach, ist leider kein erfahrener Filmemacher. Ein solcher aber hätte „Cody – Wie ein Hund die Welt verändert“ gutgetan. Etwa um in Interviews und Gesprächen über hübsch formulierte Phrasen und einprägsame Schlagworte hinweg etwas mehr in die Tiefe zu finden. Oder aber, um des Regisseurs eigene Empfindsamkeit und Erlebnisebene etwas mehr zu reflektieren und diesem Film eine Allgemeingültigkeit zu verleihen, die er durchaus verdient hätte.

Was nun noch lange nicht heißt, dass „Cody – Wie ein Hund die Welt verändert“ nicht einige starke Momente hat. Und auch wenn Cody auf den ersten Blick kein Hund zum Knuddeln ist – er hat Charakter und wächst einem auch als Zuschauer ans Herz.

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