Action | Großbritannien/USA 2019 | 100 Minuten

Regie: Henry Alex Rubin

Zwei Halbbrüder stehen als Reservisten der US-Armee kurz davor, mit drei Freunden zum Irakkrieg eingezogen zu werden. Bei einer Kneipenschlägerei tötet der jüngere Bruder jedoch unabsichtlich einen Mann und muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Als der Ältere aus dem Krieg zurückkehrt, will er seinen Bruder bei einem Gefangenentransport befreien und sichert sich die Hilfe seiner Freunde. Unausgeglichen gewichtetes Drama, das zunächst das Leben in der nordamerikanischen Provinz sowie eine problembelastete Brüderbeziehung beschreibt, um dann in einen Gefängnisausbruchsfilm zu münden. Der Anspruch wird dabei zugunsten actionbetonter Spannung aufgegeben. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SEMPER FI
Produktionsland
Großbritannien/USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Henry Alex Rubin
Buch
Sean Mullin · Henry Alex Rubin
Kamera
David Devlin
Musik
Hanan Townshend
Schnitt
Kevin Tent · Kyle Valenta
Darsteller
Jai Courtney (Callahan) · Nat Wolff (Oyster) · Finn Wittrock (Jaeger) · Arturo Castro (Snowball) · Beau Knapp (Milk)
Länge
100 Minuten
Kinostart
09.07.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Drama

Heimkino

Verleih DVD
Ascot Elite
Verleih Blu-ray
Ascot Elite
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Ein Drama, das sich zum Actionfilm entwickelt: Ein Marine-Reservist wird wegen Totschlags zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt; sein Bruder will ihn mit Hilfe dreier Kameraden befreien.

Diskussion

Die Geschichte zweier ungleicher Brüder. Cal ist Polizist, und weil die Eltern bereits tot sind, ist er der Vormund seines jüngeren Halbbruders Oyster. Oyster ist arbeitslos und hat schon so einiges auf dem Kerbholz, bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden fliegen oft die Fäuste. Eine stete Spannung bestimmt ihre Beziehung, fast so, als seien sie strenger Vater und rebellischer Sohn. Zusammen mit ihren drei Freunden Jaeger, Milk und Snowball nehmen sie als Reservisten der Armee einmal gemeinsam an einer Wehrübung teil. „Semper fidelis“ ist das Motto des United States Marine Corps, und darum auch ihres, „Immer zusammen“, Cal hat es sogar in der titelgebenden Abkürzung auf seine Unterarme tätowiert.

Der Film von Henry Alex Rubin (Murderball), der 2018 bereits einen Kurzfilm über das US Marine Corps gedreht hat, spielt zur Zeit des Irakkriegs, die fünf Freunde können jederzeit eingezogen werden. Doch dann passiert es: Bei einer Kneipenschlägerei tötet Oyster unabsichtlich einen Mann und muss für 25 Jahre ins Gefängnis. Die anderen vier Männer werden einige Monate später in den Irak verschifft. Als Cal zurückkehrt, erfährt er, dass Oyster von den Gefängniswärtern schikaniert und misshandelt wird. Er beschließt, den Bruder bei einem Gefangenentransport zu befreien, die Freunde sollen mit ihren jeweiligen bei der Armee erworbenen Fähigkeiten, vom Scharfschützen bis zum Funker, den Coup unterstützen.

Vom Drama zum Gefängnisausbruchsfilm

Plötzlich ist aus dem Drama ein Gefängnisausbruchsfilm geworden, der seine gesamte Aufmerksamkeit der Realisierung widmet: Beobachtung, Planung, Verteilung der Aufgaben, schließlich die Durchführung. Die Wehrübung und der Fronteinsatz haben die vier Männer auf diesen Coup vorbereitet, sie benutzen ihre militärischen Fähigkeiten in einem zivilen Zusammenhang. Eine interessante Konstellation, die der Film aber rasch aus dem Auge verliert. Stattdessen führt er einen zweiten Themenkomplex ein: Cal hat im Krieg grundlos einen Iraker erschossen und ist dafür nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Warum also sollte sein Bruder bestraft werden? Das ist natürlich zu kurz gedacht, doch Rubin lässt noch weitere Fragen unbeantwortet: Wie kann es sein, dass ein junger Mann für einen Totschlag mit 25 Jahren Gefängnis bestraft wird? Warum lässt das Gericht keine Revision zu? Wo liegen die moralischen Fallstricke der gewaltsamen Fluchthilfe? Wie weit darf Loyalität, ob unter Brüdern oder Freunden, gehen?

Rubin stellt das Verhalten der fünf Freunde nicht infrage, der Zuschauer soll es darum auch nicht tun. Was mit Oyster passiert, ob er in Kanada ein neues Leben anfangen kann, interessiert den Film nicht mehr. Hauptsache, er ist frei. Das macht aus „Semper Fi“ eine Räuberpistole, der es am Schluss nur um die Action, den intelligent eingefädelten Coup, geht.

In der Provinz sind die Freundschaften wichtig

Man darf das als Zuschauer durchaus bedauern. „Semper Fi“ beginnt ansprechend als Studie des Lebens in der nordamerikanischen Provinz, die nicht viele Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Die Frauen arbeiten als Sekretärinnen, die Männer schuften in den Docks. Umso wichtiger sind hier die Freundschaften. Rubin schildert das Freundes-Quintett als eingeschworene Gemeinschaft, die sich schon lange kennt und viel miteinander unternimmt: Bowling, sich betrinken, Frauen anmachen, anschließend um die Wette nach Hause laufen. Auch wenn diese Charaktere nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, so tragen sie doch glaubwürdige Konflikte aus. Es könnte hier also um mehr gehen, um Erwachsenwerden, Verantwortung übernehmen, Lebensentwürfe verfolgen. Doch dem Regisseur war die actionbetonte Spannung wichtiger.

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