Horror | USA 2020 | 97 Minuten

Regie: Malik Vitthal

Eine in absonderlichen Mordfällen ermittelnde Polizistin aus Louisiana entdeckt in den Aufzeichnungen einer kleinen Körperkamera Hinweise auf übersinnliche Motive hinter den grausamen Taten. Da sie die paranormalen Vorgänge auf dem Videomaterial als einzige sehen kann, versucht sie im Alleingang das Geheimnis der Morde aufzuklären. Eine mit gesellschaftspolitischen Statements gegen Rassismus und Polizeigewalt gewürzte Horror-Rachegeschichte, die weder dem Anliegen noch dem Sujet gerecht wird. Jenseits der guten Absichten bleiben nicht mehr als Genrestandards.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Malik Vitthal
Buch
Nicholas McCarthy · Richmond Riedel
Kamera
Pedro Luque
Musik
Joseph Bishara
Schnitt
Ken Blackwell
Darsteller
Mary J. Blige (Renee Lomito-Smith) · Nat Wolff (Danny Holledge) · Anika Noni Rose (Taneesha Branz) · David Zayas (Sgt. Kesper) · David Warshofsky (Darlo Penda)
Länge
97 Minuten
Kinostart
06.08.2020
Fsk
ab 16; f
Genre
Horror | Mystery-Film | Thriller

Eine Horror-Rachegeschichte um die Ermittlungen einer traumatisierten Polizistin aus Louisiana, die auf paranormale Ursprünge einer rätselhaften Mordserie stößt.

Diskussion

Nachts sind die Straßen kaum noch sicher in Swinton, Louisiana. Aber wo sind sie es schon in Zeiten, in denen sinnlose Gewalt überhandnimmt und die Polizei immer mehr als Feind statt als Freund und Helfer gilt? Deshalb sollen Body Cams, kleine, am Körper der Polizisten getragenen Kameras, für eine zusätzliche Beruhigung der Fronten sorgen. Die Cops werden angehalten, alles mitzufilmen, was während eines Einsatzes passiert. Doch was Officer Renee Lomito-Smith (Mary J. Blige) als erstes auf dem Laptop am Tatort sieht, wo ein Kollege bei einer Routine-Kontrolle nach einem Notruf unvermittelt verschwand, ist mehr als verstörend. Kann ein Mensch scheinbar ohne sichtbare Einwirkung durch die Luft fliegen und mit verrenkten Gliedern aufgespießt an einer Häuserfassade enden? Lomito-Smith bleibt die einzige Zeugin, denn die Body-Cam-Aufnahmen sind beim Eintreffen der Ermittlungscrew auf mysteriöse Weise gelöscht.

Die Polizistin behält das Unerklärliche vorsorglich für sich. Sie hatte nach einem Disziplinarverfahren gerade wieder ihren Dienst begonnen und gilt nach dem Unfalltod ihres kleinen Sohnes zudem als psychisch labil. Auf eigene Faust, unterstützt nur durch ihren noch unerfahrenen Partner Danny Holledge (Nat Wolff), macht sie sich auf die Suche nach dem Eigentümer des grünen Vans, dessen Besitzer des Mordes an ihrem Kollegen bezichtigt wird. Doch es bleibt nicht beim einzigen Mord an den Polizisten im Ort. Ist dies ein Zufall? Treibt sich ein Cop-Killer oder doch etwas anderes herum, das nicht von dieser Welt ist?

Paranormales vor dem Hintergrund der Polizeigewalt

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die gesellschaftspolitischen Eruptionen innerhalb des ethnischen Schmelztiegels USA auch einen Niederschlag in die Trivialkultur finden würden. Nach eher solideren Ausflügen in den „Social Horror“ von Jordan Peele (Get Out, Wir) folgt hier nun der „Schnellschuss“ von Malik Vitthal. „Body Cam“ ist der Versuch, vor dem Hintergrund von Polizeigewalt und der „Black Lives Matter“-Bewegung ein Paranormal Activity-Derivat zu konstruieren. Mit Wackelkamera, Schatten und mäßigem Erfolg.

Wie effektiv sich Irrationales und Übersinnliches in Louisianas verorten lässt, wo Voodoo und Schwarze Magie zu Hause scheinen, hatte Alan Parker bereits 1987 in Angel Heart bewiesen. „Body Cam“ schert sich aber nicht um Folklore und Atmosphäre. Das Erzeugen unheimlicher Stimmung erschöpft sich in Malik Vitthals erstem Genre-Ausflug in puren Standards. Ständig muss sich die Protagonistin bei Nacht durch irgendwelche (selbstredend schlecht beleuchtete) Häuser tasten, begleitet allenfalls durch finster dräuende Musik, während ihr Partner irgendwo draußen gerade dabei ist, nichts Konstruktives zur Lösung des Rätsels beizutragen.

Schnell ist klar, dass die Gefahr eigentlich vom Geist eines während eines Polizeieinsatzes mutwillig von den Cops ermordeten taubstummen Jungen ausgeht, der seine nachts umherirrende Mutter „begleitet“ und Rache an seinen Peinigern nehmen will. Ein Geist? Selten wurde über Geistererscheinungen so wenig Aufhebens gemacht wie in „Body Cam“. Die ermordeten Kollegen werden zwar angesichts ihres grausigen Ablebens bedauert und obduziert, aber so, als seien sie Opfer alltäglicher Gewalt. Man hätte der R&B-Sängerin Mary J. Blige, die Renee Lomito-Smith verkörpert, weniger Albträume über ihren verstorbenen Sohn ins völlig vorhersehbare Drehbuch schreiben sollen, sondern lieber ein paar Panikattacken angesichts der Erscheinungen, mit denen sie hier zu kämpfen hat.

Gepeinigt von Schicksalen und Schuldgefühlen

Nichts Diffuses, nichts Unfassbares, sondern eine „simple“ Rachegeschichte wird hier präsentiert, in der sich auch die Hauptpersonen der Handlung mehr von ihren eigenen Schicksalen oder vielleicht auch Schuldgefühlen peinigen lassen, als sich mit dem Phänomen übernatürlicher Kräfte auseinanderzusetzen.

So ist der Horror hier auch relativ schnell auserzählt, und als „Moral von der Geschicht’“ bleibt nur übrig, dass Polizeigewalt ein Graus ist, die aufdeckt und bestraft wird. Wenn nicht durch Body Cams und die Justiz, dann aus dem Jenseits.

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