Comicverfilmung | Indonesien 2019 | 123 Minuten

Regie: Joko Anwar

Seit seiner frühen Kindheit flieht ein Sicherheitsbeamter vor den Konsequenzen, die seine Superkräfte für sein Leben bedeuten. Als seine Nachbarin im Zuge einer Welle der Gewalt, die Jakarta überflutet, bedrängt wird, nimmt er seine Rolle als Superheld an und damit den Kampf gegen einen Mafiaboss und ein korruptes Parlament auf. Die Verfilmung der „Gundala“-Comic-Reihe vereint Motive eines symbiotischen Verhältnisses von Volk und Superhelden mit sorgfältig inszenierten Kampfkunst-Sequenzen, begräbt seine Stärken aber unter einer ungelenk und erratisch erzählten Geschichte. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
GUNDALA
Produktionsland
Indonesien
Produktionsjahr
2019
Regie
Joko Anwar
Buch
Joko Anwar
Kamera
Ical Tanjung
Musik
Bembi Gusti · Tony Merle · Aghi Narottama
Darsteller
Abimana Aryasatya (Sancaka/Gundala) · Tara Basro (Wulan/Merpati) · Bront Palarae (Pengkor) · Ario Bayu (Ghani Zulham) · Lukman Sardi (Ridwan Bahri)
Länge
123 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Comicverfilmung | Drama | Fantasy

Heimkino

Verleih DVD
Koch Media
Verleih Blu-ray
Koch Media
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Eine indonesische Comic-Adaption rund um einen jungen Mann mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, der es mit dem organisierten Verbrechen aufnimmt, das ein ganzes Volk zu verderben trachtet.

Diskussion

Sancaka (Abimana Aryasatya) versucht dem Verbrechen den Rücken zu kehren. Auf dem Heimweg durch die Gassen Jakartas wendet er sich von den Gewalttaten, Raubüberfällen und Massenschlägereien ab, die sein Leben seit dem Tod seines Vaters und dem Verschwinden seiner Mutter begleiten. Doch die Gewalt ist ein hartnäckiger Weggefährte. Tag ein, Tag aus dringt sie bis vor Sancakas Haustür, als wolle sie ihn an seine Verantwortung erinnern. Denn Sancaka ist, so sehr er sich auch bemüht, kein einfacher Sicherheitsbeamter. Er ist ein Superheld und hat somit, wie nahezu alle seiner Kolleginnen und Kollegen aus den Comicuniversen der westlichen Welt, die Fähigkeit, das Leid der Welt zumindest ein bisschen zu lindern. So ist auch der Weg, den Sancaka gehen muss, der Weg, den die Superhelden der großen Comic-Vorlagen wieder und wieder durchlaufen: „Gundala“ ist eine klassische „Origin Story“, in der Sancaka lernt, sich mit der Kraft zu arrangieren, die er sich nie gewünscht hat, um eine Rolle ausfüllen, die er nie spielen wollte.

Indonesien droht dem Verbrechen anheim zu fallen

Als der junge Sicherheitsbeamte sich entschließt, den Kampf gegen das Verbrechen aufzunehmen, befindet sich bereits ganz Indonesien im Ausnahmezustand. Die Rettung seiner Nachbarin ist ein Stich ins Wespennest der Unterwelt von Jakarta. Kaum verlässt Sancaka tags darauf seine Wohnung, lauern ihm rund 30 mit Knüppeln bewaffnete Schläger auf.

Die Actionsequenzen des Films sind liebevolle, selten von Schnitten unterbrochene Handarbeit. Mit einer Mischung aus der traditionellen Kampfkunst Pencak Silat und modernen Einflüssen prügelt der Superheld seinen Widersachern in den geduldig inszenierten Kampfsportszenen den Staub von den Gliedmaßen. Doch Sancakas Widersacher, der Mafiaboss Pengkor (Bront Palarae), verfügt nicht nur über ein schier endloses Heer von Schergen, sondern auch über einen eigenen Stab von Politikern, der seine Interessen im korrupten Parlament vertritt. Pengkor plant auch die kommende Generation moralisch zu vergiften. Das Gift soll der noch ungeborenen Generation dabei nicht nur im übertragenen, sondern im buchstäblichen Sinne eingeflößt werden. Dazu lässt der Mafiaboss die nationalen Reisvorräte vergiften.

Eine Comic-Adaption mit bemerkenswertem Stilwillen

Es ist nicht dieser zugleich altbackene, absurde und verworrene Plot, der „Gundala“ von ausgiebig zitierten Marvel-Produktionen abgrenzt, sondern der Stilwille, mit dem Regisseur Joko Anwar sich der indonesischen Comic-Reihe nähert. Sowohl die erfrischend geradlinige inszenierte Action als auch die (leider allzu tief in der Erzählung vergrabenen) Motive machen „Gundala“ zu einem zumindest im buchstäblichen Sinne des Wortes bemerkenswerten Film. Wenn sich der junge Superheld ein aus Sicherheitsgurten, Rücksäcken und Metallteilen zusammengeflicktes Kostüm bastelt, um den Schmerz der Blitze, die ihm seine Kraft geben, von sich wegzuleiten und dafür später ein von den Einwohnern spendiertes Upgrade bekommt, ist Anwar den Menschen hinter und jenseits des Kostüms deutlich näher, als es weite Teile der großen US-amerikanischen Comic-Universen je waren.

Wer schafft es, das Volk zu prägen?

Die symbiotische Beziehung zwischen dem Volk und seinen Helden/Schurken ist das Hauptmotiv und die große Stärke des Films. Als Sancaka das erste Mal als Gundala auftritt, gibt er sich nicht als Person, sondern als „das Volk“ aus. Der kriminelle Pengkor tut es ihm gleich. So versucht der Held eine künftige Generation zu inspirieren, während der Verbrecher ihr Essen und damit ihre Moral vergiftet.

Wie Protagonist und Antagonist greift auch die Erzählung selbst immer wieder vor und lässt dabei die eigentlichen Stärken der Erzählung hinter sich. Anwar beginnt bereits eine neue, größere Geschichte, während die Entstehungsgeschichte seines Superhelden noch nicht erzählt ist. Bevor sich also der Kampf, den die auserwählten und selbsternannten Volksvertreter im Namen von Philanthropie und Misanthropie führen, in das erratische Gefüge aus Kampfsport, Identitätskrise und politischer Umwälzung einfügen kann, hat der Film ihm leider bereits den Rücken gekehrt.

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