Come to Daddy

Horror | Kanada/USA/Irland/Neuseeland 2019 | 91 Minuten

Regie: Ant Timpson

Ein verweichlichter Hipster kehrt nach vielen Jahren zu seinem zynischen Vater in die neuseeländische Einöde zurück. Die Einladung entpuppt sich jedoch schnell als bitterer Scherz. Überdies wandelt sich der Familienzwist durch den unerwarteten Herztod des Vaters in eine Mischung aus schwarzhumoriger Komödie und Gangstergroteske voller bizarrer Wendungen, die im halbernsten Tonfall um die Last familiärer Verpflichtungen kreisen. Dabei verliert der Film mitunter sein Thema zugunsten mäßiger Scherze und überzogener Gewalt aus den Augen, findet jedoch halbwegs wieder in die Spur zurück.

Filmdaten

Originaltitel
COME TO DADDY
Produktionsland
Kanada/USA/Irland/Neuseeland
Produktionsjahr
2019
Regie
Ant Timpson
Buch
Toby Harvard
Kamera
Daniel Katz
Musik
Karl Steven
Schnitt
Dan Kircher
Darsteller
Elijah Wood (Norval Greenwood) · Stephen McHattie (Gordon) · Garfield Wilson (Ronald Plum) · Madeleine Sami (Gladys) · Martin Donovan (Brian)
Länge
91 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 18; f
Genre
Horror | Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Splendid/WVG Medien
Verleih Blu-ray
Splendid/WVG Medien
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Schwarzhumorige Komödie um einen verweichlichten Hipster, der beim Wiedersehen mit seinem zynischen Vater in einen Horrortrip gerät.

Diskussion

Unbeholfen und deplatziert wirkt Norval (Elijah Wood), wenn er sich mit Hipster-Outfit und Rollkoffer durchs Gehölz kämpft. In der neuseeländischen Einöde soll er nach vielen Jahren seinen Vater Gordon (Stephen McHattie) wiedertreffen. Doch so endlos wie Norvals Fußmarsch ausfällt, so unüberbrückbar scheinen auch die Differenzen zwischen den beiden Männern zu sein. Obwohl der Anlass des Besuchs eine schriftliche Einladung des Vaters war, erweist sich Gordon als zynischer, maulfauler Säufer, der seinem Sohn gegenüber ausgesprochen feindselig gestimmt ist.

Die peinliche Angespanntheit dieses Familientreffens kostet Regisseur Ant Timpson in seinem Langfilmdebüt genießerisch aus. Unangenehme Momente zieht er in die Länge, bis eine gewisse Komik entsteht. Nachdem Norval etwa äußerst mitgenommen von seinem Alkoholproblem erzählt, kippt sein Vater erstmal mit sadistischer Gelassenheit eine halbe Flasche Rotwein runter. Bereits im Vorspann offenbart Timpson sein Programm, wenn er auf ein bedeutungsvolles Shakespeare-Zitat über die Last der Familie eine Zeile aus einem Beyoncé-Song folgen lässt. Immer wieder etabliert der Film eine gewisse Dramatik, um sie kurz darauf wieder ironisch zu brechen.

Eine Eskalation scheint unvermeidlich

Zunächst geht diese Strategie erstaunlich gut auf, weil vor allem Norval gerade dadurch so ambivalent wirkt, weil er gleichermaßen tragisch wie lächerlich ist. Hat man wegen seiner Alkohol-Beichte gerade noch Mitleid mit ihm, markiert er im nächsten Moment mit einer hanebüchenen Geschichte über seine angebliche Freundschaft zu Elton John schon den großen Macker. Durch die konsequent schummrige Beleuchtung und das akzentuierte Sound-Design liegt die Konzentration ganz auf der Spannung zwischen dem Vater-Sohn-Gespann. Dabei ist Gordons Verachtung für den in seinen Augen viel zu verweichlichten Norval derart offensichtlich, dass eine Eskalation unvermeidlich scheint.

Die kommt dann schneller als gedacht: Nach nur einer halben Stunde Laufzeit erliegt Gordon einem Herzinfarkt, und der zentrale Konflikt hat sich in Luft aufgelöst. Doch als der ängstliche Norval noch einige Tage den Leichnam hütet, entdeckt er eine Geheimtür, die den Film in eine andere Richtung treibt. Das Motiv der gestörten Vater-Sohn-Beziehung und den nur halbernst gemeinten Tonfall bewahrt sich „Come to Daddy“ zwar, doch was zunächst nur innerlich brodelte, entlädt sich nun in überzeichneter Gewalt.

Der Fluch der Geburt

Mit der zweiten, sich zwischen Horrorkomödie und Gangster-Groteske bewegenden Filmhälfte setzt Timpson dann stärker auf Überraschungseffekte und augenzwinkernden Humor. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt vom behutsam entwickelten Familienzwist auf mitunter etwas bemüht originell wirkende Regieeinfälle. Der schüchterne und eigentlich handlungsunfähige Norval soll durch eine Verkettung unvorhergesehener Ereignisse etwa einen psychopathischen Kriminellen beseitigen. Das Motel, in dem er zur Tat schreiten soll, verfügt nicht nur über einen anstrengend sarkastischen Rezeptionisten, sondern beherbergt auch noch Teilnehmer einer Swinger-Konferenz. Mit solchen mäßig lustigen Spielereien verliert der Film zunehmend seine ursprüngliche Geschichte aus den Augen.

Aber eben nie ganz. „Come to Daddy“ bekommt schließlich noch halbwegs die Kurve, weil er seinen süffisanten Unterton immer wieder zügelt und sich sein Auftakt nicht als falsche Fährte erweist, sondern als notwendiges Fundament für die spätere Entwicklung der Story. Der Erkenntnis, dass die Geburt – wie im Shakespeare-Zitat aus dem Vorspann – einem Fluch gleichkommt und man sich eben nicht immer aussuchen kann, wen man liebt, widmet sich Timpson schließlich ernsthaft genug, um nicht gleich wieder alles für ein paar Gags zu verheizen.

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