Zeichen (2018)

Krimi | Polen 2018 | 376 (acht Folgen) Minuten

Regie: Jakub Miszczak

Ein Kommissar, der gerade seine Arbeit in einer polnischen Kleinstadt in Niederschlesien aufgenommen hat, wird mit dem Mord an einer jungen Frau konfrontiert. Bei den Ermittlungen stößt er bald auf ein Netz an Geheimnissen und Lügen. Es stellt sich heraus, dass der Mord Ähnlichkeit mit einem alten Fall hat und mit der Historie der Region zusammenhängen könnte, in der die Nazis einst ein Führerhauptquartier bauen lassen wollten. Eine polnische Krimiserie im Stil von „Twin Peaks“, die den Mordfall zum Ausgangspunkt einer Reise durch die Abgründe der menschlichen Psyche in einer provinziellen Kleinstadt nimmt. Die Einarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit bleibt dabei eher oberflächlich; nichtsdestotrotz ist die Serie als Krimiunterhaltung bis auf kleine dramaturgische und inszenatorische Schwächen weitgehend gelungen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ZNAKI
Produktionsland
Polen
Produktionsjahr
2018
Regie
Jakub Miszczak · Monika Filipowicz
Buch
Artur Kowalewski · Blazej Przygodzki · Przemyslaw Hoffmann
Kamera
Wojciech Todorow
Musik
Piotr Orlowski
Schnitt
Piotr Orlowski
Darsteller
Andrzej Konopka (Michal Trela) · Helena Sujecka (Adrianna Nieradka) · Magdalena Zak (Nina) · Piotr Trojan (Krzysztof Sobczyk) · Michal Czernecki (Blazej Nieradka)
Länge
376 (acht Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi | Serie

Eine polnische Krimiserie, angesiedelt im Eulengebirge im Südwesten Polen: Der Mord an einer jungen Frau weist Gemeinsamkeiten zu einem jahrzehntealten, ungeklärten Mordfall auf.

Diskussion

Im niederschlesischen Eulengebirge begannen die Nationalsozialisten 1943 mit dem Bau eines gigantischen Stollensystems, in dessen Zentrum ein Führerhauptquartier stehen sollte. Allerhand Mythen haben sich darum gebildet. Diese macht sich die Serie „Zeichen“ („Znaki“) zunutze. Bereits 2018 im polnischen Fernsehen gesendet, ist sie jetzt auf Netflix zu sehen. Eine zweite Staffel wird folgen. Es geht um die Ermittlungen zu einem Mordfall, die abgründige Geheimnisse und Verwicklungen der Bewohner der Kleinstadt Sowie Doly ans Tageslicht befördern. Die Mythen um die Stollen werden mit dieser Krimihandlung verwoben.

Eine kleine Stadt wie Twin Peaks

Michal Trela (Andrzej Konopka) ist gerade erst mit seiner Tochter als neuer Kommissar nach Sowie Doly gekommen, da muss er schon den Mord an einer jungen Frau aufklären, die mit zwei Schüssen ins Herz getötet wurde. Alle Personen, mit denen es Trela zu tun bekommt, scheinen mindestens ein Geheimnis zu haben. Ehrlichkeit ist hier offensichtlich ein Fremdwort. Trela und sein Team stoßen auf immer mehr erstaunliche Verwicklungen. Die Beweislage allerdings bleibt bescheiden. Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass der Ehemann von Trelas Mitarbeiterin Adrianna (Helena Sujecka) zu den Verdächtigen gehört. Und seine Tochter freundet sich mit der Tochter des Bürgermeisters Paszke (Miroslaw Kropienicki) an. Der will die Umgebung im großen Stil touristisch erschließen. Eine Melaphyr-Mine soll das nötige Geld bringen. Doch der Plan wird gestört: Bei einer Sprengung tritt die nationalsozialistische Vergangenheit zutage. Auch die Zusammenarbeit mit dem Investor Targosz (Mariusz Ostrowski) gestaltet sich schwierig. Kriminelle Energie besitzen sie jedoch beide. Nicht minder zwielichtig ist Jonasz (Andrzej Mastalerz), der so etwas wie einen Hof der verlorenen Seelen leitet und ein heiliges Wasser vertreibt, das mit Drogen versetzt ist. Auch Trelas Vorgänger Kommissar Dzikowski (Zbigniew Stryj), der zehn Jahre zuvor einen ähnlichen Fall nicht lösen konnte, fügt sich mehr und mehr in das Gesamtbild einer Gemeinde ein, die die örtliche Kirche dringend zum Beichten benötigt.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr David Lynchs „Twin Peaks“ die Serienproduktion geprägt hat. Die von geheimnisvollem Wald umgebene Kleinstadt als Ort des Verbrechens, dessen Aufklärung mehr einen Mikrokosmos unmoralischer menschlicher Verhaltensweisen als einen konkreten Täter zutage fördert, fügt sich offenbar sehr gut in unterschiedliche kulturelle und historische Kontexte. Zu beachten ist, alle Figuren gut dosiert und verteilt mit geheimnisvollen und unmoralischen Eigenschaften auszustatten. Ebenfalls von Lynch gelernt wurde, mit dem Mord an einer jungen Frau zu beginnen, weil dadurch der von sexuellen Trieben durchzogene Moralismus einer von der Umwelt erstaunlich isolierten Gemeinde dramatisiert werden kann. Das funktioniert im katholischen Polen natürlich besonders gut. So ist der aus der Metropole Krakau kommende Kommissar Trela nicht wenig erstaunt, was sich in der niederschlesischen Provinz so alles abspielt.     

Der Mythen-Komplex

Dafür, was im Eulengebirge wirklich passiert ist und passiert, interessiert sich die Serie allerdings nur bedingt. Keiner der Figuren ist der „Komplex Riese“, so der Name des während des Zweiten Weltkriegs von Häftlingen aus dem KZ Groß-Rosen gebauten Stollensystems, bekannt. Immerhin handelt es sich dabei um ein 35 Quadratkilometer großes Gebiet, in dem sich sieben Stollen befinden. Diese werden in ihrem historischen Kontext touristisch genutzt. Zu den Mythen zählt, dass es noch viele weitere Stollen gegeben haben soll, die bis heute nicht gefunden wurden. Ferner heißt es, hier sei der Standort für die Entwicklung von Hitlers „Wunderwaffe“ V2 gewesen. Und schließlich gibt es Erzählungen über ungeklärte Mordfälle und das Verschwinden von Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit dem „Komplex Riese“. Alle diese Mythen werden erzählerisch verarbeitet. Dass es die Stollen und deren touristische Nutzung tatsächlich gibt, kommt aber nicht zur Sprache, und so erweist sich die Serie im Verschweigen als ebenso geschickt wie die Figuren, von denen sie erzählt. Keiner weiß was, auch Trela scheint die polnische Vergangenheit unbekannt zu sein, und so kann von Episode zu Episode eine Geschichte aufgedröselt werden, in der ein bisschen Historie verwoben ist. Der Twin-Peaks-Touch macht das durchaus spannend, dramaturgisch ist es aber etwas zu behäbig und inszenatorisch nicht immer durchdacht.

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