Drama | Frankreich/Italien 2020 | 78 Minuten

Regie: Ricky Mastro

Ein Vater, der mit dem Drogentod seines Sohnes und dessen Freundes konfrontiert ist, macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach Antworten. Dabei stößt er auf den divenhaften Leiter eines Szeneclubs, in dem sein Sohn seine musikalischen Ambitionen auslebte, und erliegt selbst dessen Charisma. Ein zwischen einem interessanten Liebesfilm und einem oberflächlichen Krimi mäanderndes Drama, das sich kaum für die Auflösung seiner unterschiedlichen Erzählellipsen interessiert. Das Potenzial, Spannung und Zauber des gezeigten Milieus auszuschöpfen, bleibt so weitgehend ungenutzt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
7 MINUTES
Produktionsland
Frankreich/Italien
Produktionsjahr
2020
Regie
Ricky Mastro
Buch
Ricky Mastro
Kamera
Luca Russo
Musik
Alejandro Bonatto
Schnitt
Léon Diana
Darsteller
Antoine Herbez (Jean) · Clément Naline (Fabien) · Valentin Malguy (Maxime) · Paul Arvenne (Kevin) · Cédrick Spinassou (Billy)
Länge
78 Minuten
Kinostart
10.09.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Liebesfilm

Drama um einen 55-jährigen Polizisten, der seinen Sohn und dessen Freund tot in einem Hotelzimmer findet, die beide an eine Überdosis gestorben sind, und bei Nachforschungen in der homosexuellen Szene Kontakt zu einem Clubbesitzer knüpft.

Diskussion

Es könnte der Beginn einer perfekten Beziehung werden. Ein ganzer Tag, frisch verliebt im Hotelzimmer. Doch dann mischt sich allzu viel jugendliche Unbeschwertheit in den Tanz der Hormone. Die Obduktion ergibt später eine Überdosis der Modedroge GHB in Kombination mit Kokain. Maximes Vater Jean (Antoine Herbez) erfährt, dass sein Sohn sieben Minuten länger als sein Freund Kevin gelebt hat. Sieben Minuten. Was kann da alles passieren? Jedenfalls kein Hilferuf, wie die Ermittlerin trocken konstatiert.

Jean will mehr erfahren, auch wenn er nicht direkt mit den Ermittlungen vertraut ist. Daher forscht er auf eigene Faust nach. Seine Suche führt ihn ins Bisou, einen auch bei Heterosexuellen beliebten Club, in dem sich die schwule Szene feiert. Maxime hat dort aufgelegt. Hier hat er auch Kevin kennengelernt.

Zwei Welten kommen ins Gespräch

Fabien (Clément Naline) ist eine Art Zeremonienmeister des Bisou und eine Diva in Personalunion. Er wird schnell auf den 55-jährigen Jean aufmerksam, der sich ein wenig ungelenk und wie ein Fremdkörper unter die zumeist männliche Jugend mischt. Jean und Fabien kommen ins Gespräch, und auch wenn der Vater sein wirkliches Interesse verschweigt, will er von dem forsch auftretenden Schönling doch Antworten. Zunächst spielt Fabien mit dem „Alten“, aber unter seine Überheblichkeit mischt sich so etwas wie Interesse an Jean, den er vielleicht erobern könnte.

In diesem Augenblick, wenn die Geschichte von „7 Minuten“ eine neue, im Vergleich zum Prolog aber recht profane Wendung nimmt, verliert der Film viel an Spannung und Zauber. Sie neutralisiert jene Emotionen, die durch den Tod der jungen Männer so gekonnt inszeniert wurden. Was ist in den titelgebenden sieben Minuten passiert? Wieso fand man die Männer mit ihren Gürteln um den Hals, obwohl sich der Film doch mit dem toten Kevin und dem weinenden Maxime aus dem Hotelzimmer verabschiedete?

Ein harscher Perspektivwechsel

„7 Minuten“ leistet sich einen harschen Perspektivwechsel und kickt die beiden Toten aus der Handlung, zugunsten der beiden Lebenden. Dadurch gibt Regisseur und Autor Ricky Mastro dem Offensichtlich-Oberflächlichen den Vorzug und minimiert das dramaturgische Potenzial des Films. Schließlich geht es auch um Drogenmissbrauch und eine Polizeiermittlung, die „7 Minuten“ den finalen und am wenigsten interessanten aller Stempel aufdrückt.

Mastro bemüht sich als Regisseur, sein eigenes Drehbuch sehr konzentriert und, sieht man von den Clubszenen ab, ohne viel Musik in Szene zu setzen. Dabei gelingen eindrucksvolle und gleichzeitig quälende Momente, etwa die ersten sieben Minuten des allzu kurzen, eigentümlich nicht auserzählten Films.

Weit entfernt von aller spekulativen Grellheit, die etwa William Friedkin in seinem Szenethriller „Cruising“ ausstellte, entwickelt sich fast ein Kammerspiel, das sich allerdings nicht entscheiden kann, was es erzählen will. So verbleibt „7 Minuten“ unentschlossen im Zwischenreich von Drama und Sex & Crime und vermeidet die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen.

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