Eine Nacht im Louvre: Leonardo da Vinci

Dokumentarfilm | Frankreich 2020 | 95 Minuten

Regie: Pierre-Hubert Martin

Zwei Kuratoren führen nachts durch die menschenleere Leonardo-da-Vinci-Ausstellung im Louvre in Paris. Ihre kundigen Kommentare zeichnen die Entwicklung des Malers auf der Suche nach dem Absoluten in der Kunst nach. Die mitunter etwas pädagogische Dokumentation nutzt viele Register der Kamerakunst, unter anderem auch Infrarot-Aufnahmen, um hinter die Geheimnisse der berühmten Gemälde zu kommen. Ein schwelgerischer, von Bach’schen Klaviersonaten untermalter Rundgang durch eine sehenswerte Ausstellung. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
UNE NUIT AU LOUVRE: LÉONARD DE VINCI
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2020
Regie
Pierre-Hubert Martin
Kamera
Pierre-Hubert Martin
Länge
95 Minuten
Kinostart
16.09.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Ein nächtlicher Rundgang durch die Leonardo-da-Vinci-Ausstellung in Paris auf der Suche nach den Geheimnissen des Malers wie seiner Werke.

Diskussion

Noch nie haben im Pariser Louvre mehr Besucher eine Ausstellung gesehen. 500 Jahre nach seinem Tod war die große Leonardo-da-Vinci-Schau im Herbst 2019 ein enormer Magnet. Sie schloss Ende Februar 2020 ihre Tore. Dann kamen die Corona-Pandemie und der Lockdown. Trotz der Wiedereröffnung ist der Louvre inzwischen zum finanziellen Sorgenkind geworden. Das Publikum bleibt weg, die Säle sind verwaist. Da wirkt ein Film wie „Eine Nacht im Louvre“ beinahe wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, als die Leere ein exklusives Privileg war.

Erst sieht man die berühmte Eingangspyramide des Museums aus der Vogelperspektive in der Nacht leuchten. Dann schwebt die Kamera, begleitet von einer erhebenden Barockmusik, durch die verlassenen Gänge. Mehrsprachige Durchsagen weisen darauf hin, dass man sich zum Ausgang begeben möge. Als die Lichter erlöschen und die Türen ins Schloss fallen, schlägt die Stunde der Kuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank. Das ganz in Schwarz gekleidete Duo führt in die da-Vinci-Schau und genießt die komfortable Situation sichtlich selbst. Für den Zuschauer ist das eher eine Enttäuschung, denn kaum gerät ein berühmtes Gemälde in den Blick, sind auch schon die Experten zur Stelle und verstellen die Sicht auf die jeweilige Preziose.

Die Details eines Faltenwurfs

Ihre Vorträge lässt man sich dennoch gerne gefallen, zumal wenn man weder die Ausstellung gesehen noch den Katalog gelesen hat. Nach biografischen Eckpunkten des italienischen Renaissance-Künstlers zeichnen sie die Entwicklung seiner Bildtechnik nach, bei der Malerei nicht nur als eine göttliche Wissenschaft verstanden wurde, um die Welt neu zu erschaffen, sondern auch als die Basis von Erkenntnis diente. Zunächst setzte Leonardo da Vinci auf Imitation, indem er die beiden Ausdrucksformen Bewegtheit und Stillstand favorisierte. Bei Andrea del Verrocchio (1435-1488) lernte er Details wie den Schatten eines Faltenwurfs zu modellieren, das Vor und Zurück des Stoffes, den er in einer perfekten Illusion beinahe greifbar machte.

Um ihre Thesen zu untermauern, greifen die Kuratoren auf Infrarotaufnahmen zurück. So weisen sie die zahlreichen Korrekturen und Nachbearbeitungen der Bilder nach. Aus den Ergebnissen schließen sie: Leonardo da Vinci war auf der Suche nach dem Absoluten in der Kunst. Deswegen kopierte er irgendwann nicht mehr die Wirklichkeit. Stattdessen trat die Interpretation in den Vordergrund. Die Folge davon war eine veränderte Technik, eine lockere Linienführung, die mitunter gekritzelt „modern“ wirkt. Dazu passt, dass der Renaissance-Maler viele seiner Werke nicht vollendete, was bis heute umso mehr die Fantasie des Betrachters beflügelt.

Die Mona Lisa grüßt still

Das gilt auch für die immer wieder auf die Werke zoomende Kamera, von der „Madonna mit der Nelke“ bis zum Porträt des Ludovico di Moro, das „Bildnis eines jungen Mannes“, den Leonardo da Vinci gegen die herrschende Tradition nicht frontal malte, sondern leicht zur Seite gedreht. Ein Phänomen, das sich auch beim berühmten Gemälde der Mona Lisa beobachten lässt, deren Geheimnisse ausgiebig unter die Lupe genommen werden.

Auch wenn der Ton der explizit für die Kino-Leinwand produzierten Dokumentation mitunter etwas schwerfällig pädagogisch gerät, lässt es sich der Louvre, der an dieser Produktion beteiligt war, nicht nehmen, in von Bach’schen Klavierstücken untermalten Fahrten durch die überwältigende Pracht der Gemäldesammlung zu schwelgen und für einen baldigen Besuch des Kunsttempels zu werben. Das finale Heraustreten aus der Pyramide gleicht dann beinahe einem traurigen Abschied auf unbestimmte Zeit.

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