Animation | Australien 2020 | 96 Minuten

Regie: Alexs Stadermann

Ein Junge aus einer Werwolf-Familie sehnt sich nach seiner ersten Verwandlung und träumt davon, einmal das Rudel zu übernehmen. Als es endlich soweit ist, erlebt er aber eine böse Überraschung, weil er statt in einen Wolf in einen weißen Pudel verwandelt wird. Das führt zu allerlei Unbill. So verliert er sein Zuhause, muss bei anderen Hunden in die Lehre gehen und landet im Hundeknast. Der 3D-Animationsfilm setzt auf abenteuerliches Spektakel und charmante Späße, um von Loyalität, Hilfsbereitschaft und Toleranz zu erzählen. Insbesondere handelt er davon, dass man Feindbilder besser hinterfragt, anstatt sie zu übernehmen. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
100% WOLF
Produktionsland
Australien
Produktionsjahr
2020
Regie
Alexs Stadermann
Buch
Alexs Stadermann
Kamera
Heidy Villafane
Musik
Ash Gibson Greig
Schnitt
Simon Klaebe
Länge
96 Minuten
Kinostart
01.07.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 8.
Genre
Animation

Heimkino

Verleih DVD
Constantin
Verleih Blu-ray
Constantin
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3D-Animationsfilm um einen Jungen aus einer Werwolf-Familie, der seine erste Verwandlung herbeisehnt, die aber anders als erwartet ausfällt.

Diskussion

Die Grundidee des Films von Alexs Stadermann besitzt Potenzial. Sie kommt für die Wölfe des Werwolf-Rudels so überraschend wie für die Zuschauer. Zuerst macht man die Bekanntschaft mit dem 6-jährigen Freddy, der Teil der großen Werwolf-Familie Lupin ist. Der Junge wartet sehnsüchtig auf den Moment, ab dem er ein echter Werwolf sein darf. Das aber wird erst in sechs Jahren passieren, mit Eintritt ins Teenageralter. Doch schon jetzt rennt er den erwachsenen Werwölfen heimlich hinterher, was diese in manche Bredouille bringt; seine Selbstgewissheit, eines Tages ein erstklassiger Werwolf-Anführer zu sein, lässt sich indes durch keine Ermahnung erschüttern.

Freddys Unvernunft führt dazu, dass sein Vater verunglückt; der stürzt eine Felswand hinab und gilt von da an als verschollen oder tot. Das trifft den Jungen hart, doch seine Pläne kommen deshalb nicht ins Wanken. Als die Nacht herannaht, in der ihm seine erste Verwandlung zum Werwolf bevorsteht, glaubt er unbeirrt, dass er nun den Weg zum Chef des Clans einschlägt. Dann aber passiert eine ziemlich lustige Sache: Die Verwandlung ereignet sich mit Knall und Rauch, doch als der Nebel sich verzogen hat, ist aus dem Jungen kein wilder Wolf, sondern ein Pudel geworden. Ein weißer Pudel mit klassischer Pudelfrisur. Damit sind seine Ambitionen zum Teufel; jeder im Rudel lacht ihn aus.

Ein schneeweißes Styling

Ob das eine gelungene Erziehungsmaßnahme ist, sei dahingestellt. Als visuelles Konzept aber trägt diese Grundidee den ganzen Film. Ein weißer Pudel mit rosa Wuschelkopf und Puschelpfötchen zieht unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich, sobald der verwandelte Freddy ins Bild kommt. Ob ihm dabei grimassierende Wölfe, böswillige Menschen oder niedliche Hunde gegenüberstehen, ist nahezu egal. Das schneeweiße Styling sticht heraus; man will unbedingt zusehen, wie der Pudel sich den Spott oder die Bewunderung seiner Umgebung einhandelt. Wobei ihn der Spott viel häufiger trifft, denn der Werwolf muss Demut lernen. Das klappt von da an für den Rest des Films.

Dieser Rest ist allerdings streckenweise recht dubios. Von einer klassischen Werwolf-Mythologie findet sich nur wenig; die Kinder werden sich wundern, wenn sie später mal ihren ersten Horrorfilm sehen. Die Vermutung liegt nahe, dass das Werwolf-Motiv schlicht deshalb gewählt wurde, weil es am spektakulärsten klingt. Die Werwölfe arbeiten nachts als Menschenretter, halten Hunde für ihre Feinde und wohnen in einem Schloss. Die Feindschaft Wolf-Hund breitet der Film großzügig aus – Freddy, der Werwolf, muss lernen, ein Hund zu sein und von Hunden Hilfe anzunehmen, sonst wird er das Opfer böser Hundefänger. Damit ist die Botschaft des Kinderfilms vorgegeben: Freddy erfährt die übliche Erziehung des Herzens, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Toleranz.

Hübsch exaltierte Figuren

Jenseits dieser Botschaft ist der Film hauptsächlich Actionkino, das auf Abenteuer setzt, gern auch auf Geschrei und Aggression. Die Inszenierung lässt sich von Filmen wie „Bambi“ oder „Van Helsing“ inspirieren; über weite Strecken wird man mit Inhalt bombardiert, der sich neben ein paar charmanten Späßen auf Hundegefängnisse, verrückte Wissenschaftler, bissige Wächter, Monster oder generell auf Todesgefahr für Freddy und seine neuen Hundefreunde kapriziert. Das macht den Plot anstrengend und das Vergnügen recht paranoid. Am Ende kommt sogar eine Vernichtungsmaschine ins Spiel, die Hunde tötet und zu Perücken verarbeitet. Selbst wenn dieser Apparat rechtzeitig ausgeschaltet wird, ist das für einen Kinderfilm womöglich übertrieben.

Die Gestalten, die das Pudelabenteuer bevölkern, sind 3D-Animationsfiguren, die sich hübsch exaltiert zum Comic hinneigen. Die Gliedmaßen der Menschen strecken sich lang und dünn, die Köpfe der Wölfe sind breit und zackig, die Gesichter, zumindest auf Seiten der Guten, so treuherzig, wie es gerade noch zu ertragen ist. Damit wird der Kontrast zwischen den Fronten klar hervorgehoben, und auch dabei steht Freddy, der Wer-Pudel, ganz oben im Ranking: sein Mienenspiel ist unterhaltsam genug, dass man ihm gerne nachgibt, egal, was um ihn herum so passiert.

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