Action | USA 2020 | 120 Minuten

Regie: Ric Roman Waugh

Als ein Komet die Erde bedroht, gehört eine dreiköpfige Familie zu den insgeheim von der Regierung bestimmten „Auserwählten“, die in einem Rettungsbunker auf Grönland den Aufprall überstehen soll. Bei der Reise dorthin sind die drei allerdings auf sich gestellt, was sie nicht nur durch immer häufiger werdende Einschläge immer schwieriger macht. Ein Katastrophenfilm, der seine Spannung kaum aus dem Endzeitszenario und den angedeuteten gesellschaftspolitischen Implikationen zieht. Nicht zuletzt aus Budgetgründen konzentriert er sich auf die dramatisch verlaufende Behauptung der Familie in einer Reihe von Extremsituationen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
GREENLAND
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Ric Roman Waugh
Buch
Chris Sparling
Kamera
Dana Gonzales
Musik
David Buckley
Schnitt
Gabriel Fleming
Darsteller
Gerard Butler (John Garrity) · Morena Baccarin (Allison Garrity) · Roger Dale Floyd (Nathan Garrity) · Scott Glenn (Dale) · David Denman (Ralph Vento)
Länge
120 Minuten
Kinostart
01.12.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Action | Katastrophenfilm

Ein Katastrophen-Actionfilm über eine Familie, die sich angesichts eines drohenden Kometeneinschlags auf der Erde zu einem sicheren Ort auf Grönland durchzuschlagen versucht.

Diskussion

Ein Komet, der aus einer anderen Galaxie kommt. Viel zu spät entdeckt und viel zu sehr unterschätzt. Wie es unterhaltungsverwöhnte US-Amerikaner so machen, treffen sich auch die Garritys mit Freunden zum Grillen, um den Einschlag irgendwo im Meer weit weg von daheim aus allen nur erdenklichen Perspektiven in den Nachrichten zu verfolgen; inklusive der Tsunamis, die dann irgendwo weit weg von daheim die Küsten verwüsten. Doch falsch gedacht!

Das Fragment des Kometen, das laut Wissenschaft die Erde treffen sollte, hält sich nicht an die Flugbahn und trifft Florida mit aller Wucht. Das ist zwar noch nicht daheim, aber quasi Nachbarschaft. Und als dann noch die Nachricht via iPhone und Smart-TV in das mit Freunden gut gefüllte Wohnzimmer dröhnt, die Garritys mögen sich bitte schnellstens zum nächstgelegenen Luftwaffen-Stützpunkt begeben, wird klar: etwas ist gehörig schiefgelaufen. Zum Überlegen und Verabschieden, zum Zaudern und Hinterfragen, sprich für einen wie auch immer gearteten „Plan B“ bleibt keine Zeit.

Nicht von Menschen verschuldete Gefahren

In unregelmäßigen Abständen erinnert Hollywood gerne daran, dass sich unsere Existenz auch als reiner Glücksfall deuten ist. Während andernorts über selbst verschuldete, reale Probleme wie den Klimawandel debattiert wird, droht der Tod in Meteor bis Ice Age - Kollision voraus! von nicht von Menschen zu verantwortenden Gefahren. In „Greenland“ kommt sie unangekündigt aus dem Nichts und selbst die Wissenschaft kann nicht absehen, wie lang ihr Schweif des Unheils ist.

Zumindest die Politik hat „vorgesorgt“ und jene Bürger vorab ausgewählt, die man fürs Überleben der US-Amerikaner in einer Welt nach der Apokalypse brauchen wird. John Garrity baut Hochhäuser; ein Handwerk, welches nicht in Vergessenheit geraten sollte. Doch den Auserwählten wird das Überleben nicht einfach gemacht. Denn natürlich bleibt die Nachricht vom vermeintlichen Ende der Welt ebenso wenig lange geheim wie die Existenz von Rettungsmissionen. So haben die Garritys zwar einen vom Präsidenten autorisierten QR-Code auf dem Handy, aber zum Flughafen in Zeiten der Panik und der Endzeitstimmung müssen sie sich schon selbst durchschlagen.

Es gab einmal Zeiten, da hat Hollywood keine Kosten und Mühen gescheut, um seinem Publikum ein Spektakel zu bieten. Es hat grandiose Spezialeffekte erfunden und ein Ensemble von Weltstars aufgeboten, um in Katastrophenfilmen das wohlige Gefühl zu vermitteln, dass es uns in der wahren Welt eigentlich noch ganz gut geht. 1979 bot Meteor nicht nur „Oscar“-Gewinner Edmund H. North als Drehbuchautor, sondern vor der Kamera Sean Connery, Natalie Wood, Henry Fonda und weitere Publikumslieblinge auf, um ums Überleben zu kämpfen. „Greenland“ hat das Budget eines mittleren Fernsehdramas, ein Drehbuch von der Stange und Gerard Butler, der sich in seinen Filmen in der Regel mit Fäusten und Feuerwaffen um die Befriedung mehr oder minder regionaler Krisengebiete bemüht.

Knappe Zeit im Dienste der Spannung

Da es keine Kapazitäten für elaborierte Geschichten und ausgefeilte Effekte gibt, setzt Regisseur Ric Roman Waugh auf die knappe Zeit. Schnell müssen die Garritys packen, die Freunde zurücklassen, wichtige Medikamente für den kleinen Sohn Nathan (Roger Dale Floyd) verlieren, getrennt werden, sich wiederfinden und erneut in Gefahr begeben, um es vielleicht zu schaffen, binnen Stunden nach Grönland in Sicherheit zu kommen. Das hilft der Spannungsdramaturgie und hindert am Nachdenken.

Ein Konzept, prädestiniert für das, was man in analogen Kinozeiten noch „B-Picture“ und im Videotheken-Verleihgeschäft noch „Material für die unteren Regale“ nannte. Das muss noch nichts Schlechtes bedeuten, denn immerhin steht gerade die „B-Marke“ Gerald Butler mit Filmen wie Machine Gun Preacher und Hunter Killer auch für überraschend vielschichtiges und zielführendes Genrekino. Dass „Greenland“ allerdings eher ein mediokres Familiendrama als ein Science-Fiction- oder Katastrophen-Reißer ist, mag alle die enttäuschen, die auf eine Überflügelung von Emmerichs Endzeitszenario 2012 gehofft hatten. Weder spielen die Überlebenskolonie im fernen Grönland noch die Zerstörung der Welt wie einst bei der Ausrottung der Dinosaurier oder die (gesellschafts-)politische Botschaft – Menschsein im Angesicht des Todes – eine große Rolle. Alles wird kurz angerissen, doch selbst der Feuerregen gerät zwischenzeitlich ins Abseits, wenn es um die Wiederherstellung des dreiköpfigen Familienverbandes geht.

Das ist, wie angedeutet, durchaus spannend gemacht, wenn auch von allen Beteiligten so gespielt, als wüssten sie bereits, dass Hollywood-Entertainment über das Ende der Welt in der Regel nicht ganz schlimm ausgeht. So ist „Greenland“ von allem etwas, aber von nichts genug. Allemal ausreichend aber immerhin für die Erkenntnis, dass es uns in der wahren Welt eigentlich noch ganz gut geht.

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