Instinct - Gefährliche Begierde

Gefängnisfilm | Niederlande 2019 | 108 Minuten

Regie: Halina Reijn

Eine Gefängnispsychologin ist davon überzeugt, dass von einem verurteilten Sexualstraftäter noch immer Gefahr ausgeht. Bei der Erstellung eines Gutachtens, das über Entlassung auf Bewährung entscheiden soll, gerät sie in die Fänge eines erotischen Machtspiels, in dem ihr zunehmend die Kontrolle entgleitet. Der Debütfilm versucht sich an einem heiklen Sujet, dessen potenziellen Fallstricken er mit bemühter Nüchternheit begegnet. Als doppelbödiges Katz-und-Maus-Spiel entfaltet der Film vor allem in der ersten Hälfte einige Spannung, das Psychogramm einer zwischen professionellem Ethos und Begehren zerrissenen Frau bleibt jedoch letztlich unscharf und droht ins Klischee abzugleiten. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
INSTINCT
Produktionsland
Niederlande
Produktionsjahr
2019
Regie
Halina Reijn
Buch
Esther Gerritsen
Kamera
Jasper Wolf
Musik
Ella van der Woude
Schnitt
Job ter Burg
Darsteller
Carice van Houten (Nicoline) · Marwan Kenzari (Idris) · Marie-Mae van Zuilen (Marieke) · Pieter Embrechts (Alex) · Ariane Schluter (Direktorin)
Länge
108 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Gefängnisfilm | Psychothriller | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Koch
Verleih Blu-ray
Koch
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Ein Psychothriller mit Carice van Houten als Gefängnispsychologin, die sich auf ein doppelbödiges Katz-und-Maus-Spiel mit einem Vergewaltiger einlässt.

Diskussion

Während im Fernsehen eine Tierdoku über die afrikanische Savanne läuft, klatscht Nicoline (Carice van Houten) freudlos eine Ladung bunte Cerealien auf ihren Frühstückstoast. Die betont beiläufigen, aber doch ein wenig demonstrativ in Szene gesetzten Informationen (schlechte Ernährung, sterile Wohnung!) regen zur Psychologisierung an: Nicoline ist wohl nicht gut zu sich selbst, möglicherweise auch schlummern animalische Instinkte in ihr.

Die Vermutungen bewahrheiten sich, als die erfahrene Gefängnispsychologin mit der Beurteilung eines verurteilten Sexualstraftäters betraut wird. Idris (Marwan Kenzari), ein junger, durchtrainierter Typ mit hübschem Gesicht und bedrohlich aussehendem Travis-Bickle-Iro, steht am Ende seiner fünfjährigen Haftstrafe wegen mehrfacher brutaler Vergewaltigung, er gilt als kooperativ, sein erster unbegleiteter Ausgang wurde ihm bereits bewilligt. Anders als ihre Kollegen aber erkennt Nicoline in ihm sofort den Manipulator; mit großer Vehemenz argumentiert sie gegen seine Entlassung auf Bewährung.

Sexuelle Anziehung oder kalkulierte Provokation?

In einer Reihe von Sitzungen versucht sie ihn zu testen und herauszufordern, er adressiert gezielt ihre Schwachstellen und provoziert mit Anzüglichkeiten. „Du und ich, das fühlt sich nicht gut an“, meint Idris einmal, als ginge es zwischen ihnen um Beziehungsaussichten. Ein erotisches Machtspiel entwickelt sich, über das Nicoline immer mehr die Kontrolle verliert. Als Idris Freigang hat, folgt sie ihm wie eine Stalkerin, gleichzeitig liegt in ihrer Obsession auch ein kalkuliertes Spiel. Schließlich ist die Anziehung, die beide befeuern, auch ein Testfeld für seine Therapierbarkeit. Aus der Undurchsichtigkeit der Motive zieht der Film zumindest im ersten Teil einiges an Spannung.

Die niederländische Schauspielerin Halina Reijn hat sich für ihr Debut ein heikles Sujet ausgewählt. Überschreitungen in Therapiesituationen sind fast schon ein Genre für sich, der Crush auf einen Vergewaltiger aber ist eine andere Sache. Paul Verhoeven hat in „Elle“ eine ähnliche Herausforderung mit Doppelbödigkeit und radikaler Ambivalenz beantwortet, die Frauenfigur im Film war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich und weigerte sich bei aller Gewalt, die ihr angetan wurde, reines Opfer zu sein.

Mehr Psychogramm als Erotikthriller

Nicoline aber fehlt nicht nur eine vergleichbare Komplexität, Reijn macht aus ihr von Anfang an einen „Fall“. Zu ihrer Mutter, einer extrem übergriffigen Frau, hat sie ein ungesundes Verhältnis; der Film deutet eine sexuelle Überschreitung an, belässt es aber beim Spekulativen. Auch ihrer Beziehungslosigkeit gibt der Film den Beigeschmack eines Defizits, einer Störung.

„Instinct“ meidet die Nähe zum Erotikthriller, die Inszenierung gibt sich bemüht nüchtern und seriös. So steht eher das Psychogramm einer von sich selbst entfremdeten Frau im Zentrum, die das Tier in sich entlässt und von ihren widersprüchlichen Gefühlen – Begehren, professionellem Ethos, zurückliegenden Beschädigungen – zerrissen wird. Die Figur gerät jedoch zum Klischee, und was als Ambivalenz gedacht ist, wirkt hier unformuliert und schwammig. Manchmal fällt Halina Reijn auch einfach nichts ein. Dann schickt sie Nicolette unter die Dusche oder lässt sie leere Blicke aus dem Fenster werfen.

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