Drama | USA 2020 | 113 Minuten

Regie: Nick Sarkisov

Ein 18-Jähriger will professioneller MMA-Kämpfer werden wie sein Vater, der die Familie vor Jahren verlassen hat und nun als Weltmeister in Saus und Braus lebt. Der Vater übernimmt zwar persönlich die Ausbildung des Sohnes, doch neben dem Training muss dieser auch seine finanziell gebeutelte Mutter sowie seinen geistig behinderten Bruder unterstützen. Ein Sportlerdrama mit stereotyper Familienkonflikt-Aufhängung, die durch blasse Figuren und unnötige Nebenhandlungen verwässert wird. Lediglich die Kämpfe sind anschaulich inszeniert, und Stephen Dorff überzeugt in der Rolle des Rabenvaters als knallharter Macho-Kampfsportler. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
EMBATTLED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Nick Sarkisov
Buch
David McKenna
Kamera
Paul Ozgur
Musik
Michael Brook
Schnitt
Mark Sanger
Darsteller
Darren Mann (Jett) · Stephen Dorff (Cash) · Elizabeth Reaser (Susan) · Drew Scheid (Brian) · Donald Faison (Mr. Stewart)
Länge
113 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Sportfilm

Heimkino

Verleih DVD
Universal
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Sportlerdrama um einen Nachwuchskampfsportler, der sich gegen seinen dominanten Vater behaupten muss

Diskussion

„Liquid“ Cash Boykins (Stephen Dorff) lebt den amerikanischen Traum: Eine Ehefrau mit Modelmaßen, vier Prachtvillen mit Pool, neun Luxuskarossen und mehr Geld auf dem Bankkonto, als er ausgeben kann. Der Selfmade-Millionär hat sich über Jahre hinweg vom schlecht bezahlten Straßenkämpfer aus der Gosse zum alles überstrahlenden Star des amerikanischen MMA-Kampfsports hochgeprügelt. Auf dem Weg dahin hat Cash alles abgeschüttelt, was ihn am Erfolg hindern könnte; so auch seine Familie. Ex-Frau Susan (Elizabeth Reaser) muss mehrere Behelfsjob annehmen, um das einfache Vorstadthäuschen halten und ihre beiden Söhne mitversorgen zu können. Der 18-jährige Jett (Darren Mann) greift seiner Mutter unter die Arme, wo er nur kann, insbesondere bei der Betreuung seinen geistig behinderten Bruders Quinn. Doch Jett träumt ebenfalls von einer Karriere als MMA-Fighter, weshalb sein Vater ihn unter seine Fittiche nimmt und unter härtesten Bedingungen ausbildet.

Dieser Mann ist gefährlich

Wer sich einmal einen Mixed Martial Arts-Kampf angesehen hat, wird bestätigen können, dass es wohl kaum einen abwechslungsreicheren, wenngleich brutaleren Vollkontaktsport gibt. Quasi jede Technik aus anderen Kampfsportarten kann in den eigenen Stil integriert werden, vom klassischen Boxen bis zum Brazilian Jiu-Jitsu. Schlussendlich entscheidet jedoch derjenige den Kampf für sich, der am meisten einstecken und den Gegner am härtesten auf die Bretter schicken kann. Embattled“ macht von Anfang an Nägel mit Köpfen und demonstriert dem Zuschauer, dass Cash Boykins der unangefochtene King im Ring ist. Im Auftaktkampf stampft er seinen russischen Kontrahenten nach kurzem Trashtalk nicht nur gnadenlos in den Boden; sogar das angeheizte Publikum verstummt schlagartig, als Cash weiter auf seinen regungslosen Gegner eindrischt. Hiermit setzt Regisseur Nick Sarkisov direkt die erste Warnmarke, sodass der Zuschauer sofort weiß: Dieser Mann ist gefährlich. Hierbei werden schnell Erinnerungen an Filme wie „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts wach, wo der stoische Sowjetboxer Ivan Drago (Dolph Lundgren) direkt zu Filmbeginn den ehemaligen Weltmeister Apollo Creed (Carl Weathers) in einem Schaukampf tödlich niederstreckt. Nun ist Stephen Dorff zwar kein imposanter Zwei-Meter-Hüne, verstrahlt jedoch durch seinen gestählten Körper, den extravaganten Undercut-Pimp-Look sowie sein provokantes Mundwerk eindringlich die Aura eines aggressiven Kampfhundes.

Vater gegen Sohn

„Embattled“ setzt jedoch nicht nur auf die physische Komponente, sondern wird von Drehbuchautor David McKenna („American History X“) mit einem dramatischen Familienplot eingerahmt. Durch den Fokus auf den ältesten Sohn Jett erleben wir, in welchen prekären Verhältnissen der 18-Jährige aufwächst. Die Vorgeschichte seiner Eltern wird hierbei in Tischgesprächen oder kurzen Rückblenden eingestreut, wodurch sein Vater Cash als übergriffiges und narzisstisches Ekel entlarvt wird, das seine Frau nach der Geburt des behinderten zweiten Kindes kurzerhand verließ und selbst jetzt jegliche finanzielle Unterstützung verweigert. Nach jahrelanger Funkstille ruft Jetts Traum, selbst MMA-Kämpfer zu werden, den Rabenvater wieder auf den Plan, um seinen Spross mit knallhartem und herabwürdigendem Training selbst auszubilden. Schnell wird offensichtlich, dass die Geschichte auf ein Duell zwischen Vater und Sohn hinausläuft, das zwar intensiv aufgebauscht wird, wobei aber der tiefsitzende Vater-Sohn-Konflikt aufgrund fehlender moralischer Konsequenz schlichtweg verpufft. Auch werden zu viele Nebenhandlungen abgezweigt, die die Kerndramaturgie eher verwässern als bereichern; etwa ein Handlungsstrang um Donald Faison als kriegsgeschädigten Sonderschullehrer, dessen romantisches Tête-à-Tête mit Jetts Mutter zu gekünstelt und befremdlich daherkommt.

Auch schaffen es Sarkisov und McKenna nicht, das soziale Milieu um Jetts Familie glaubhaft und authentisch einzufangen und reduzieren alles vorrangig auf finanzielle Probleme, obwohl thematische Anrisse wie Jetts schulische Probleme oder die gewaltgeprägte Vergangenheit der Kinder interessante Potenziale geboten hätten. „Embattled“ schafft es daher nie, sich vom stereotypen Sportdrama-Mittelmaß abzuheben, bietet jedoch einige eindrucksvolle Kampfeinstellungen und einen alles überstrahlenden Stephen Dorff in Bestform.

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