Romantische Komödie | USA 2020 | (1. Staffel: zehn Folgen) Minuten

Regie: Stephanie Laing

Eine junge Frau hat in New York nach ihrem Kunststudium Fuß gefasst und sucht nach Erfüllung in der Liebe. Über mehrere Jahre hinweg hat sie immer wieder kürzere und längere Beziehungen zu Männern und erlebt Schmerz und Enttäuschungen, ohne darüber aber die Hoffnung auf dauerhaftes Glück aufzugeben. Eine zehnteilige Serie mit der großspurigen Vorgabe, im romantischen Komödienrahmen Allgemeingültiges über das ewige Thema Liebe erzählen zu wollen. Durch eine frei flottierende Dramaturgie und profillose Figuren werden die Ansprüche allerdings kaum einmal eingelöst, auch wenn sich die Hauptdarstellerin redlich müht, auf undankbarer Drehbuchgrundlage Tiefe zu ergänzen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
LOVE LIFE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Stephanie Laing · Sam Boyd · Craig Johnson · Pete Chatmon · Tricia Brock
Buch
Sam Boyd · Bridget Bedard · Ali Liebegott · Brig Muñoz-Liebowitz · Franklin Hardy
Kamera
Adrian Peng Correia
Musik
Dan Romer · Mike Tuccillo
Schnitt
Ken Eluto · Jennifer Lilly · Brent White
Darsteller
Anna Kendrick (Darby) · Zoe Chao (Sara Yang) · Peter Vack (Jim) · Sasha Compère (Mallory) · Hope Davis (Claudia Hoffman)
Länge
(1. Staffel: zehn Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Romantische Komödie | Serie

Eine romantische Comedy-Serie um eine junge Frau in ihren Zwanzigern, die in New York in Sachen Liebe nach Erfüllung sucht

Diskussion

Die Liebe ist schon praktisch, wenn man Filme- oder Serienmacher ist: Jeder potenzielle Zuschauer hat eine Vorstellung von ihr und kann also angesprochen werden, als Thema folgt sie keiner Mode, ist ebenso unerschöpflich wie universell. Und auch ihre rätselhaften Seiten sind nie in Gefahr, völlig aufgelöst zu werden, sondern bleiben immer wieder reizvolle Anregungen für Geschichten. Eine Erzählerin wie in der US-amerikanischen Serie „Love Life“ kann deshalb als Kunstgriff naheliegend sein, um die Liebe in all ihrem nebulösen Wesen ein wenig greifbarer zu machen. „Unser Liebesleben kann sehr einfach auf Daten reduziert werden“, verkündet die Stimme aus dem Off schon in der ersten der zehn halbstündigen Folgen und packt die Statistik aus: „Wenn eine Person auf die Liebe ihres Lebens trifft, wird sie sieben Beziehungen hinter sich haben. Davon werden zwei Langzeitbeziehungen sein und der Rest kurze unverbindliche Dates und One-Night-Stands. Zweimal wird sie sich verliebt haben, zweimal wird ihr das Herz gebrochen worden sein.“

Überraschend sind diese Aussagen nicht unbedingt, dafür ist es aber die trockene Großspurigkeit, mit der sie vorgebracht werden. Die allerdings erweist sich bald als Grundeigenschaft der Erzählerin, die in der Serie die Erlebnisse der Protagonistin Darby Carter (Anna Kendrick) kommentiert. Auch wenn ihr mal ein bewusst floskelhafter Satz dazwischengerät, bewahrt sie sich im Großen und Ganzen ihre ironiefreie Art, als seien ihre Erkenntnisse wer weiß wie hintergründig oder tiefsinnig.

Irrungen und Wirrungen im Sitcom-Takt

Das lässt schon früh ahnen, was bald Gewissheit ist: Die omnipräsente Erzählerin dient Serienerfinder Sam Boyd und seinem sechsköpfigen Co-Autorenteam dazu, das Liebesleben von Darby Carter mit einem erklärenden Überbau zu versehen, weil die Figur selbst dem nicht gewachsen ist. Denn wie die Beziehungen zu Männern in Darbys Leben aufeinander folgen, nachdem diese zum Studium nach New York gezogen und dort als Museumsmitarbeiterin Anschluss an die Kunstwelt gefunden hat, wirkt in der Abfolge reichlich willkürlich und immer mit Blick auf die Dreißigminuten-Marke entwickelt. Da ist zunächst Augie Jeong, mit dem Darby in der 2012 spielenden ersten Folge zuerst eine Beziehung anknüpft, die binnen kurzem aber schon wieder in die Brüche geht – das politische Engagement ist Augie einfach wichtiger. Das währt jedoch nicht lange, und da beide sich immer wieder über den Weg laufen, kann die Liebe bis zum Ausklang der zehnten Folge im Jahr 2019 immer wieder neu aufflackern, auch wenn das Timing angesichts anderer Partner nicht immer perfekt dafür ist. Für Darby sind dies ein früherer Chef, ein temperamentvoller Koch, ihre wiedergetroffene erste High-School-Liebe sowie diverse unverbindliche Dates und One-Night-Stands. Die Liebesstatistik ist das Programm, denn „Love Life“ hat die anfangs präsentierten Daten leider so ernst genommen, dass kaum Raum für Entfaltung jenseits der Abhakliste ist.

Ein arg eng gefasster Blick auf die Figur

Dabei steht „Love Life“ an sich in einer durchaus stolzen Tradition amerikanischer Serien, die ihre längere Laufzeit im Vergleich zu Filmen effektvoll dafür nutzten, (auch) von den wechselnden Beziehungen ihrer Figuren zu erzählen, von ihren Phasen der Verliebtheit und ihren Enttäuschungen sowie von der Chance, mit unterschiedlichen Partnern immer wieder andere Seiten auch an sich selbst zu entdecken. Insbesondere Sitcoms über ungebundene Frauen, seien sie Single, verwitwet oder geschieden, leisteten hier emanzipatorische Pionierarbeit. Klassischen Serien wie „The Mary Tyler Moore Show“, „Kate & Allie“, „The Golden Girls“, „Murphy Brown“ oder „Ally McBeal“ ging es darum, ihre Hauptfiguren auch in Sachen Beziehungen als jederzeit selbstbestimmt darzustellen. Durch über Jahre laufende Produktionen von Staffeln mit je über zwanzig Folgen konnten die Liebesangelegenheiten bei diesen Serien auch geschickt so eingestreut werden, dass sie nicht die Oberhand gewannen, sondern nur als einer der Aspekte im Leben der Protagonistinnen erschienen.

Ganz anders bei „Love Life“. Die Begrenzung auf zehn Folgen zwängt die Erzählung von sieben Jahren Liebesleben von vornherein in ein enges Korsett, das noch enger wird, weil die Drehbücher mit fruchtlosen Schlenkern auf erzählerische Seitenwege Zeit wegnehmen, die besser in die schlüssigere Entwicklung der Figuren geflossen wäre. Darbys dreiköpfige Freundesclique wurde offensichtlich in Anlehnung an Vorbilder wie „Sex and the City“ oder „Girls“ erdacht, bleibt aber derart austauschbar, dass ihr geringerer Anteil in den späten Folgen eher von Vorteil ist. Die Parade von Darbys Liebhabern ist eine Reihe von Phantomen, die auf- und wiederabtauchen, ohne beim Zuschauer größeren Eindruck zu hinterlassen. Was auch daran liegt, dass die Serie sich weitgehend auf Darbys Beziehungen zwischen Mitte zwanzig und Anfang dreißig beschränkt und die Varianten im Umgang mit Männern erwartbar gering sind. Warum hat die Serie nicht stattdessen gewagt, einen weiteren Bogen zu spannen und mehrere Jahrzehnte Liebesleben von der Jugend bis ins Alter zu thematisieren?

Anna Kendrick überzeugt, kommt aber nicht gegen das Drehbuch an

Dies wäre wohl tatsächlich ein gangbarer Weg gewesen, wie die fünfte Folge zeigt. Diese erinnert in einem Rückblick an Darbys erste Liebe auf der High School inklusive erster großer Enttäuschung und wütender Kurzschlussreaktion, die so gar nicht zu der wenig konturierten erwachsenen Figur der übrigen Folgen zu passen scheint. Denn weithin bleibt völlig willkürlich, was Darby widerfährt. Statt handelnde Person zu sein, passieren ihr Dinge, die obendrein wenig Spuren hinterlassen. Was sie zum Beispiel als Kunstkennerin und Kuratorin auszeichnet, was ihre fachlichen Ansichten und beruflichen Träume sind, scheint das Autorenteam wenig gerührt zu haben; dementsprechend fadenscheinig wirkt es, wenn sich die Serie ab und an daran erinnert, dass Darby vielleicht doch durch mehr definiert werden könnte als durch die Männer in ihrem Leben.

Paradoxerweise gelingt es „Love Life“ allerdings bei der Hauptfigur noch am besten, die Seichtigkeit zu verschleiern, was im Wesentlichen ihrer Darstellerin Anna Kendrick zu danken ist. Kendrick, die in den letzten Jahren auch schon manchen mittelmäßigen Film aufwerten konnte, zeigt sich unbeeindruckt von der löchrigen Dramaturgie der Serie und wenig hilfreichen Spielpartnern, spürt auch in hohlen Dialogwechseln und weit hergeholten Situationen noch Momente der Wahrheit auf und fügt Darby Verletzlichkeit, Schlagfertigkeit und Selbstironie hinzu. Letztlich reicht aber auch das nicht dauerhaft, um der als romantische Komödie angelegten Serie zu glaubhafter Romantik oder Witz zu verhelfen. Was wenig Gutes auch für die angekündigte zweite Staffel verheißt, die nicht mehr auf Anna Kendrick zählen kann, sondern mit einer komplett anderen Figur das gleiche Spiel einfach noch einmal durchzuhecheln droht.

Kommentar verfassen

Kommentieren