Komödie | Kanada/USA 2015 | Minuten

Regie: Paul Fox

Nach dem Verlust ihres Vermögens bleibt einer Millionärsfamilie keine andere Wahl, als in ein Kaff namens Schitt's Creek zu ziehen: Die Kleinstadt ist das letzte, was sie noch besitzt, und die einzige Chance, ein neues Leben anzufangen. In zwei Zimmern eines Motels planen Vater, Mutter und die beiden erwachsenen Kinder ihre Zukunft. Und die hängt wesentlich davon ab, wie die Einwohner von Schitt's Creek sie integrieren, deren Lebenswelt und Mentalität so ganz anders ist als das, was die Luxus-gewöhnte Familie kennt. Mit schrägem Humor erzählt die kanadische Erfolgsserie die haarsträubende Umkehr des amerikanischen Traums und inszeniert lustvoll-zugespitzt den Clash zweier grundverschiedener Milieus; dabei arbeitet sie karikierend mit sozialen Stereotypen, ohne indes die Figuren darauf zu reduzieren, die im Lauf der Serie zu runden, liebenswerten Charakteren werden. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
SCHITT'S CREEK
Produktionsland
Kanada/USA
Produktionsjahr
2015
Regie
Paul Fox · Jerry Ciccoritti · Jordan Canning · Andrew Cividino · T.W. Peacocke
Buch
Dan Levy · Eugene Levy
Kamera
Gerald Packer · David A. Makin
Musik
Maribeth Solomon
Schnitt
Trevor Ambrose · Paul Winestock · James Bredin
Darsteller
Eugene Levy (Johnny Rose) · Dan Levy (David Rose) · Catherine O'Hara (Moira Rose) · Annie Murphy (Alexis Rose) · Chris Elliott (Roland Schitt)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Komödie | Serie | Sitcom

Heimkino

Verleih DVD
Edel Motion
Verleih Blu-ray
Edel Motion
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Eine Comedy-Serie um eine Millionärsfamilie, die ihr gesamtes Vermögen verliert und genötigt ist, in eine Kleinstadt zu ziehen, die sie einst gekauft hat. Für beide Seiten wird es nicht leicht, sich aneinander zu gewöhnen.

Diskussion

Der amerikanische Traum besagt, dass es jeder zu etwas bringen könne, wenn er/sie sich nur anstrengt. Beginnt man als Tellerwäscher, so ist eine Zukunft als Millionär nicht ausgeschlossen. Die Möglichkeit, umgekehrt alles zu verlieren, wird in diesem Narrativ ungern mit erzählt. Es sei denn, man ist als Gangster zu Reichtum gelangt, dann hat man den Reichtum nicht verdient. Die reiche Familie der Roses hat nichts Unrechtes getan. Sie hatte ein redliches Unternehmen, ein Videothekenimperium, und wurde ihrerseits Opfer eines firmeninternen Betrugs. Nun ist guter Rat ja bekanntlich teuer.  Ihre einzige Chance: Schitt's Creek, eine Kleinstadt und der letzte Besitz, der ihnen geblieben ist.

Alltag anders

Den Ort hatte Johnny Rose (Eugene Levy) einst seinem Sohn David (Dan Levy) spaßeshalber geschenkt, als dieser noch sehr klein war. Hier landen sie nun, Johnny, seine Frau Moira (Catherine O'Hara) und ihre schon lange erwachsenen Kinder, David und Alexis (Annie Murphy), und beziehen ein alles andere als nobles Motel – so eines, wie es auch Norman Bates gehören könnte. Die Fallhöhe ist also enorm. Nun gilt es, wieder auf die Beine zu kommen und herauszufinden, ob das Leben mehr für die Roses bereithält als Luxus. 

Die Familie muss zuerst allerhand lernen, was ihnen im Zuge eines Lebens in Luxus abhandengekommen war, oder, wie im Fall von David und Alexis, stets fremd geblieben ist. Während Johnny ein Unternehmen geleitet hat und Moira als TV-Schauspielerin tätig war, haben Alexis und David nie gearbeitet. Sie haben die gesamte Welt gesehen und ihre konsumistischen Spuren hinterlassen. Einen Nagel in die Wand schlagen war nie ihr Ding, aber nun kommen notgedrungen auch handwerkliche Fähigkeiten auf die Agenda, um etwa, wie im Fall von David, eine Zedernholzkiste für seine von Motten angegriffenen edlen Kleidungsstücke zu zimmern.

Angemessene Garderobe ist das einzige, worauf die Roses nicht verzichten müssen, denn die unzähligen Koffer, mit denen sie in Schitt's Creek ankommen, sind damit gefüllt. Vor allem David legt viel Wert auf teures und edles Design und schlägt damit seiner Mutter nach, die zudem ein besonderes Faible für Perücken hat, die in ihrem Motelzimmer überall hängen, wo sich Platz dafür bietet.

Das neue soziale Gefüge

Eine zweite Herausforderung für die Roses sind die Bewohner von Schitt's Creek, allen voran Robert Schitt (Chris Elliot), seines Zeichens Bürgermeister. Mit Stereotyen des Hinterwäldlers und Rednecks ausgestattet, pfeift er auf alles, was die Roses unter kultiviertem Miteinander verstehen. Manieren sind ihm ebenso fremd wie die Neuankömmlinge, denen er erst beibringen muss, wie der Ort so tickt. Eine gewisse Bauernschläue zeichnet ihn zudem aus, ein Grund vielleicht, warum die attraktive Jocelyn (Jennifer Robertson) mit ihm verheiratet ist.

Alexis fühlt sich schnell zwischen zwei Polen von Männlichkeit hin- und hergerissen, dem kultivierten und ultranetten Tierarzt Ted Mullens (Dustin Milligan) einerseits und dem rauen Burschen vom Lande Mutt (Tim Rozon), Sohn der Schitts, andererseits. Der pansexuelle David wiederum fühlt sich von Stevie Budd (Emily Hampshire) angezogen, die im Motel arbeitet, behandelt sie aber eher wie einen Kumpel. Darüber hinaus ist er von den Möglichkeiten, die Schitt's Creek für sexuelle Begegnungen bietet, eher enttäuscht.

Mehr als komische Stereotypen

Diese Geschichte einer Familie, die den amerikanischen Traum verkehrt herum erlebt, bewegt sich irgendwo zwischen Sitcom, Familienserie und Dramedy. Die zahlreichen Auszeichnungen, insbesondere für die beiden letzten der insgesamt sechs Staffeln in den Jahren 2019 und 2020, hat „Schitt's Creek“ zwar in der Kategorie Comedy bekommen, doch sorgen Eugene und Dan Levy, die nicht nur zwei der Hauptrollen spielen, sondern die Serie als Autoren und Produzenten auch entwickelt haben, dafür, dass die Figuren zwar für den komischen Effekt karikierend zugespitzt Stereotypen bedienen, dabei jedoch zusätzliche Eigenschaften bekommen, die die Stereotype immer wieder aushebeln und die Figuren zu runden, menschlichen Charakteren machen. So wird etwa Davids Unselbständigkeit und manchmal kindliches Hadern mit dem neuen Leben, das er zu führen gezwungen wird, nicht lächerlich gemacht, sondern vielmehr mit einer verblüffenden Offenheit und Ehrlichkeit kombiniert, die seine sexuelle Orientierung betrifft und darüber hinaus geht.

Indem die Arroganz der Roses erzwungenermaßen auf die Verschrobenheit der Bewohner von Schitt's Creek trifft, wird etwas darüber erzählt, was es bedeutet, sich auf fremde Menschen einzulassen. Das gilt darüber hinaus aber auch für die innerfamiliären Beziehungen. Denn auch die Roses sind sich entfremdet und müssen sich erst einmal im erzwungenen Prozess des engen Zusammenlebens kennenlernen. Bezeichnend ist eine Folge aus der zweiten Staffel, die zudem eine merkwürdige Assoziation zur Coronakrise herstellt: Alexis hat sich eine Erkältung zugezogen; Moira hält sie für hoch ansteckend und meidet sie wie der Teufel das Weihwasser. Dann kommt doch der Mutterinstinkt durch, wie Alexis glaubt wahrzunehmen. Moira streitet das entschieden ab, und nachdem die Folge von anderen Handlungssträngen wieder zu Mutter und Tochter zurückkehrt, sitzt sie im Bett ihrer Tochter – die eine OP-Maske trägt.

Die exzellenten Dialoge und klugen, wenngleich nicht immer auf dem gleichen Niveau komischen Situationen, in die die Roses wiederholt geraten, werden von schauspielerischen Leistungen getragen, die zuletzt mit allen Emmy Awards ausgezeichnet wurden, die es in dieser Kategorie gibt. In der ansprechend ausgestatteten DVD-Edition von Edel Motion kommen sie im Bonusmaterial alle zu Wort in Interviews, in denen sie kurz und knapp auf präzise Fragen antworten.

 

Bei Edel Motion ist im Juni 2021 die zweite Staffel erschienen. Die folgenden vier Staffeln erscheinen im Laufe des Jahres. 

 

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