Die Sinnlichkeit des Schmetterlings

Drama | Australien 2017 | 92 Minuten

Regie: Priscilla Cameron

Ein 13-jähriger Junge und sein Vater, die den Tod der Mutter und Frau verschmerzen müssen, verlieben sich in einer australischen Kleinstadt gleichzeitig in eine Blumenhändlerin und Ex-Burlesque-Tänzerin. Eifersuchtsimpulse und Racheaktionen eskalieren, bis die Frau sich dem doppelten Liebeswerben wegen einer dringenden Operation entzieht. Ein ambitioniertes Coming-of-Age-Drama mit kräftigen stilistischen Beigaben des Magischen Realismus. Die bewusst stilisierte Inszenierung wartet festgemacht an der Faszination des Jungen für farbenprächtige Schmetterlinge mit einer opulenten Bildsprache und viel visueller Fantasie auf, kippt aber gelegentlich auch ins Kitschige. Auch wenn die Dreiecksgeschichte einige erzählerische Schwächen hat, etwa in der Ausmalung des Vater-Sohn-Verhältnisses, überzeugen doch die guten Leistungen der Darsteller. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE BUTTERFLY TREE
Produktionsland
Australien
Produktionsjahr
2017
Regie
Priscilla Cameron
Buch
Priscilla Cameron
Kamera
Jason Hargreaves
Musik
Caitlin Yeo
Schnitt
Rodrigo Balart
Darsteller
Melissa George (Evelyn) · Ewen Leslie (Al / Vater) · Ed Oxenbould (Fin / Sohn) · Sophie Lowe (Shelley) · Ella Jaz Macrokanis (Corrine)
Länge
92 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
EuroVideo
Verleih Blu-ray
EuroVideo
DVD kaufen

Coming-of-Age-Drama mit kräftigen stilistischen Beigaben des Magischen Realismus: Ein 13-jähriger Junge und sein Vater, die den Tod der Mutter und Frau verschmerzen müssen, verlieben sich gleichzeitig in eine Blumenhändlerin und Ex-Burlesque-Tänzerin.

Diskussion

Der 13-jährige Fin (Ed Oxenbould) lebt mit seinem alleinerziehenden Vater, dem College-Lehrer Al (Ewen Leslie), in einer australischen Kleinstadt. Nach außen hin gibt sich Fin den Anschein, als ob er den frühen Tod seiner Mutter, einer Malerin, gut verkraftet hat, doch insgeheim fängt er ihr zu Ehren farbenprächtige Schmetterlinge, die er in einem großen Zelt unter einem Baum neben dem Elternhaus unterbringt. Er hat im Wald sogar einen geheimen Schrein gebaut, in dem er Devotionalien und ein Porträtfoto der Mutter, umgeben mit blauen Schmetterlingen, aufgestellt hat. Gelegentlich bringt der einsame Junge, der offenbar keine Freunde hat, Blumen und Kerzen dorthin.

Eines Tages lernt er in einem nahegelegenen Haus die attraktive Evelyn (Melissa George) kennen, eine frühere Burlesque-Tänzerin. Sie ist dorthin gezogen, um einen Blumenladen zu eröffnen. Fin ist sofort fasziniert von der extrovertierten Frau, die seiner Mutter sehr ähnelt und sich in glitzernden Kostümen anmutig bewegt oder auf Rollschuhen durch das Gewächshaus fährt, gerne auch mit einem Joint im Mund. Der Blumenladen wird zu einem Zufluchtsort für den Jungen, der Evelyn häufig heimlich beobachtet und mit einer alten Kamera fotografiert, die sie ihm geschenkt hat.

Amouröses Liebesdreieck

Doch Fin ist nicht der einzige, der sich in Evelyn verliebt. Auch sein Vater lernt die laszive Schönheit kennen. Allerdings hat auch er den Verlust seiner Frau nicht verwunden und stürzt sich in oberflächliche Affären. Als Fin sieht, wie Evelyn und Al sich küssen, reagiert er mit heftiger Eifersucht und steckt anonym Fotos, die die jüngste Beziehung seines Vaters mit dessen Studentin Ashley festhalten, der Direktorin des Colleges zu. Die geschiedene Evelyn, die von ihrem Ex-Mann belästigt wird, ist sichtlich überfordert, zumal sie zu einer Operation ins Krankenhaus muss.

Diese Geschichte eines amourösen Liebesdreiecks wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Man sieht keine Smartphones oder Computer, Fin fotografiert noch mit einer analogen Spiegelreflexkamera, Al fährt mit seinem heiß geliebten Cadillac Eldorado Cabrio aus den 1970er Jahren herum, und Evelyn trägt gerne geblümte Teekleider, die aus den 1950er Jahren stammen könnten.

Opulente Bildkompositionen

Die stark stilisierte Inszenierung schwelgt hemmungslos in Farben, Tönen und Gefühlen. Regisseurin Priscilla Cameron schildert die romantische Verwirrung des Knaben ebenso liebevoll-süffisant wie die erotischen Eskapaden des Vaters oder die freizügigen Avancen der Studentinnen im Kurs zum Kreativen Schreiben. Die häufigen Gefühlsaufwallungen und Hormonschübe werden fast durchgängig von einem Musikteppich begleitet, der von sanften Ambient-Klängen über üppige Streicherflächen bis zu schwungvollen Popsongs reicht. Fins sexuelles Erwachen und seine erotisch aufgeladene Schwärmerei für eine erwachsene Frau erinnert zuweilen an Giuseppe Tornatores italienisches Melodram "Der Zauber von Maléna" aus dem Jahr 2000. 

Charakteristisch für diesen ambitionierten Debütspielfilm ist vor allem die fantasievolle, ja überbordende Bildgestaltung von Kameramann Jason Hargreaves: Immer wieder erfasst seine Kamera farbenprächtige Schmetterlinge, oft in Nahaufnahmen, oder verfolgt, häufig aus Fins Beobachterperspektive, die tanzende, posierende, badende Evelyn. Camerons Hang zu opulenten Bildkompositionen gipfelt in kitschig-bunten Tagtraumsequenzen, in denen dank moderner CGI-Technik unzählige leuchtend blaue Schmetterlinge mal Fin, mal Evelyn umflattern und beide sogar mit magischen Kräften zum Schweben bringen können.

Ed Oxenbould erweist sich einmal mehr als talentierter Nachwuchsdarsteller

Die spielerische Leichtigkeit dieser Sequenzen und die heitere Grundstimmung des Films werden im letzten Drittel, wenn mehrere Rückblenden auch die dunklen Seiten der Familiengeschichte enthüllen, von melodramatischen Tönen abgelöst, die die Inszenierung fast aus dem Gleichgewicht bringen. Bedauerlich ist auch, dass Cameron die konfliktreiche Beziehung zwischen Vater und Sohn nicht stärker entwickelt.

Als obsessiver Teenager bestätigt Ed Oxenbould das Talent, das er in Filmen wie "The Visit" oder "Die Coopers – Schlimmer geht immer" gezeigt hat. Melissa George, die zuletzt in der AppleTV+-Serie "The Mosquito Coast" und der US-Krankenhausserie "Heartbeat" zu sehen war, macht souverän klar, warum ihre Evelyn ein solcher Männermagnet ist, bewältigt aber mühelos auch die ernsten Szenen des Finales. Eine solide Leistung zeigt auch der erfahrene Seriendarsteller Ewen Leslie ("Top of the Lake", "Operation Buffalo") als überforderter Vater und gescheiterter Pädagoge.

Kommentar verfassen

Kommentieren