Hamilton - Undercover in Stockholm

Action | Schweden/Deutschland/Litauen 2020 | 433 (zehn Folgen) Minuten

Regie: Lisa Farzaneh

Furiose Agentenserie um den von Romanautor Jan Guillou ersonnenen Spezialagenten Hamilton alias „Coq Rouge“, der zwischen die Fronten von Geheimdiensten, Terroristen und seiner eigenen Vergangenheit gerät. Der Titelheld ist ein ebenso smarter wie kompromissloser Ex-US Navy Seal, der für die CIA eingesetzt wurde; zur Aufklärung eines Bombenanschlags wird er nach Stockholm beordert, ehe ihn der schwedische militärische Geheimdienst anwerben will und er plötzlich im Kreuzfeuer internationaler Nachrichtendienste und Cyber-Terroristen steht. Fintenreiche Drehbücher um einen politisch komplex-undurchsichtigen Geheimdienst-Kosmos, aufregend inszenierte Actionsequenzen sowie ein charismatisches Darstellerensemble sorgen für clevere und temporeiche Serienunterhaltung. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HAMILTON (2020)
Produktionsland
Schweden/Deutschland/Litauen
Produktionsjahr
2020
Regie
Lisa Farzaneh · Per Hanefjord · Erik Leijonborg · Niklas Ohlson
Buch
Martin Bengtsson · Pia Gradvall · Per Hanefjord · Tommy Håkansson · Gunnar Nilsson
Kamera
Calle Persson · Johan Phillips
Musik
Adam Nordén
Schnitt
Sebastian Amundsen · Andreas Brixter · Christina Eriksson · Margareta Lagerqvist · Theo Lindberg
Darsteller
Jakob Oftebro (Carl Hamilton) · Krister Henriksson (DG) · Peter Andersson (Christer Näslund) · Annika Hallin (Astrid Bofors) · Nina Zanjani (Kristin Ek)
Länge
433 (zehn Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f (Ep.3,4,8,9) & ab 16; f (Ep.1,2,5-7,10)
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Serie | Spionagefilm | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Edel
Verleih Blu-ray
Edel
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Schwedens Antwort auf James Bond: Carl Hamilton ermittelt als „cool killer“ zwischen Stockholm, Hamburg, Donezk und seiner eigenen Vergangenheit.

Diskussion

Terroranschlag in Schweden: „Die ganze Klinik ist voll mit Verletzten! Sechs Menschen sind tot! Wie um Himmels Willen konnte das passieren? Und wer steckt hinter diesen Anschlägen?“ Schwedens Innenministerin Sissela Lindgren (Anna Sise) ist außer sich. Eben noch stand sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 1. Mai auf einem Rednerpult in Stockholms Innenstadt. Wenige Minuten später richten sich erneut alle Augen auf die toughe, dunkelhäutige Ministerin, die selbst noch unter Schock stehend plötzlich als oberste Krisenstabschefin agieren muss.

Durch ihren bewusst ausgleichenden und migrationsfreundlichen Kurs wurde sie jüngst immer wieder das Ziel negativer Berichterstattung in rechtsgerichteten Medien, bis nun die ersten Bomben detonierten und sie selbst nur haarscharf verfehlten. Stattdessen wurden unter anderem ihr Pressereferent sowie weitere Passanten in der Nähe der Rednertribüne lebensgefährlich verletzt.

Ein mysteriöser Agent und undurchsichtiges Geheimdienst-Poker

Sofort wird die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen. Zur gleichen Zeit erschüttern schwere Cyberangriffe mit Fake News die schwedische Hauptstadt. Während gerade zahlreiche Spezialkräfte des militärischen Abschirmdienstes sowie des schwedischen Nachrichtendienstes (Säpo) den verwüsteten Tatort durchforsten, taucht in all dem Chaos obendrein auch noch ein aus den USA stammender Geheimagent auf: Carl Hamilton (Jakob Oftebro).

Was hat der bei der US-Eliteeinheit „Navy Seals“ ausgebildete und für den CIA angeworbene Agent ausgerechnet am Tag des Terroranschlags in Stockholms Zentrum zu suchen? Kannte er die potenziellen Attentäter? Oder war er vielleicht sogar einer von ihnen? Und warum tötete er im Handgemenge eine (vermeintliche) arabische Terroristin unmittelbar vor der ersten Bombendetonation?

Rasch gerät der gleichfalls smarte wie unergründliche Agent ins Fahndungsnetz der schwedischen Nachrichtendienstmitarbeiterin Kristin Ek (Nina Zanjani) und ihres IT-Spezialisten Birger Hagman (Jörgen Thorsson). Während der Gejagte zur gleichen Zeit von seiner CIA-Vorgesetzten Farrin Haig (Rowena King) ausdrücklich für seine erfolgreiche Mission gelobt wird, versucht ihn im nächsten narrativen Coup plötzlich auch noch D.G. (Krister Henriksson), der altersweise Leiter der Einheit OP-5 des militärischen Abschirmdienstes, als neuen Spezialagenten für besonders heikle Missionen anzuwerben.

Der durch den Unfalltod seines Bruders und die zunehmende Demenz seiner Mutter traumatisierte Hamilton nimmt D.G.s Angebot schließlich an und operiert nun im Geheimen gleich für mehrere Nationen. Um mehr über den Anschlag in Stockholm und mögliche Drahtzieher herauszufinden, fliegt er als erstes zu einer Kontaktperson in den Nahen Osten, weil der PLO dazu konkretere Hinweise vorliegen sollen. Für den „cool killer“ ohne feste Freundin, Wohnung oder weitere Familienangehörige beginnt nun ein gleichfalls adrenalingeladener wie labyrinthischer Geheimauftrag zwischen Stockholm, Hamburg, Ramallah, Donezk und Paris...

Ein nordeuropäischer James Bond

Schon seit 1986 ist Carl Gustav Gilbert Graf Hamilton, Deckname: „Coq Rouge“ als Geheimagent im Dauereinsatz. Erdacht wurde diese populäre nordeuropäische „James Bond“-Figur vom schwedischen Journalisten und Autor Jan Guillou mitten im Kalten Krieg. Ihrem Schöpfer ist das Metier aus gefährlicher Agententätigkeit und verdeckten Operationen bestens vertraut: Schließlich hatte sich Guillou in seiner journalistischen Karriere mehrfach mit der CIA angelegt und war selbst als Informant für den schwedischen Geheimdienst tätig. Zuvor hatte er bereits von 1967 bis 1972 für den russischen KGB gearbeitet, was erst 2009 aufgedeckt wurde.

Aus diesem literarisch mitreißenden „Coq Rouge“-Kosmos ist eine inzwischen international wahrgenommene, dreizehnteilige und in 15 Sprachen übersetzte Romanreihe geworden. Deren populärer Protagonist wurde in früheren Verfilmungen bereits von renommierten Schauspielern wie Stellan Skarsgård oder Mikael Persbrandt in zehn Spielfilmen verkörpert; nun kommt eine rasant inszenierte schwedisch-deutsche Serienadaption (Regie unter anderem Erik Leijonborg und Lisa Farzaneh) dazu. Auch in „Hamilton – Undercover in Stockholm“ ermittelt die titelgebende Hauptfigur, die vom 35-jährigen Norweger Jakob Oftebro überzeugend dargestellt wird, als jederzeit cleverer Geheimagent im Kreuzfeuer (inter-)nationaler Interessen sowie als personifizierte Geheimwaffe gegen Terroristen aus dem Nahen Osten oder multinational operierende Cyber-Kriminelle.

„Konflikte kennen heute keine Grenzen mehr“, betont Erik Leijonberg. Und so beginnt sowohl die Jagd nach realen Geheimnisträgern wie lediglich virtuell vorhandenen Informationen in dieser außerordentlich temporeichen Spionagethriller-Serie bereits in den ersten Szenen, ehe auf einmal mehrere Geheimdienste und einige politische Entscheidungsträger aus Schweden, Russland, Deutschland und den USA auf ominöse Weise involviert sind. Ohne auf einen simplen moralischen Kompass zurück greifen zu können, muss sich Hamilton in seiner Ermittlungsarbeit mit den unterschiedlichsten politischen Gemengelagen und einer Vielzahl von Leerstellen auseinandersetzen. Dabei trifft er oft genug innerhalb von Sekunden Entscheidungen, die ihn im nächsten Moment Leib und Leben kosten könnten.

Visuell brillant umgesetzte Verfolgungsjagden und spannungsgeladene Actionszenen (Bildgestaltung: Calle Persson, Johan Philipps) sowie ein überaus komplexer Plot, der gleich mit einer Reihe überraschender dramaturgischer Wendungsmanöver aufwartet und ohne gängige Gut-Böse-Schemata auskommt, sorgen dafür, dass „Hamilton – Undercover in Stockholm“ bis zur überraschenden Schlusspointe blendend unterhält.

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